Fashion Week - Marina Hoermanseder : Medizinische Notwendigkeit und Ästhetik

Marina Hoermanseder fertigt Lederkorsagen. Was die Österreicherin besonders am Modemachen mag, ist der Umgang mit hochwertigen Materialien.

Lisa Kober
Guter Abgang. Marina Hoermanseder präsentierte am Freitag als eine der letzten Designerinnen auf der Fashion Week.
Guter Abgang. Marina Hoermanseder präsentierte am Freitag als eine der letzten Designerinnen auf der Fashion Week.Foto: dpa

Was ich besonders am Modemachen liebe, ist der Umgang mit hochwertigen Materialien. Schon als Kind habe ich daheim in Österreich alles gesammelt, was mich haptisch interessiert hat. Das meiste davon kam aus der Natur, ein vom Wasser glatt geschliffener Stein oder eine interessante Baumrinde. Deswegen war der Schritt, mit Leder zu arbeiten, ein ganz logischer. Ich mag die schweren Arbeitsinstrumente und wie sich das Leder im Laufe des Prozesses verändert. Vor allem stehe ich auf Handarbeit. Obwohl ich inzwischen Unterstützung beim Nähen meiner Kollektionen habe, gebe ich die Lederarbeiten nicht ab. Dafür macht es mir zu viel Spaß. Außerdem bleibe ich dadurch motiviert, weitere Techniken zu lernen.

Angefangen hat meine Liebe zum Leder vor zwei Jahren, als ich am Ende des Studiums an der Berliner Esmod an meiner Abschlusskollektion arbeitete. Ich war auf die Fotografie eines Korsetts gestoßen, die hat mich nicht mehr losgelassen. Diese Verbindung von Handwerk, medizinischer Notwendigkeit und Ästhetik hat mich fasziniert und sollte Grundlage für meine Entwürfe sein.

Dafür habe ich nach einem formbaren, aber steifen Material gesucht und herausgefunden, dass sich nasses Leder gut formen lässt und danach hart wird. Gleich am nächsten Tag habe ich mir einen Sattler hier in Berlin gesucht und bin bei ihm in Kurzlehre gegangen. Bis in die Nacht hinein habe ich recherchiert, mir das passende Werkzeug im Internet bestellt und dann zu Hause geübt.

Die Kollektion kam so gut an, dass ich sie bei der letzten Fashion Week präsentieren durfte. Zu einer Modenschau gehört ja weit mehr als nur die Kollektion. Bis runter auf die Straße standen die Models für das Casting, bis an die Decke waren die Goodie-Bags gestapelt. In den Nächten haben wir die Einladungen geschrieben. Inzwischen habe ich ein eigenes Atelier, in dem vorher übrigens die Designer von Achtland gearbeitet haben. Ich hoffe, deren Erfolg strahlt eine gute Energie ab, denn natürlich will ich nicht auf ewig nur der Kunst dienen, sondern irgendwann auch Geld damit verdienen.

Mein Vater und ich haben uns vor ein paar Jahren auf einen Deal geeinigt: Ich mache meinen Master in Betriebswirtschaftslehre, danach darf ich Mode studieren. Heute bin ich ihm dafür sehr dankbar. Für Modewettbewerbe muss ich Business-Pläne schreiben und bei der Gründung des Labels haben einige Fächer des Studiums tatsächlich geholfen.

Ich glaube, dass auch diese Kollektion gut ankommt. Gestern habe ich den Premium Young Fashion Award dafür gewonnen. Ich kann die nächsten Jahre hier in Berlin kaum abwarten, ich will sehen, wie sich mein Label entwickelt und bin vor allem gespannt, was es noch alles zu lernen gibt im Umgang mit Leder.

- Aufgezeichnet von Lisa Kober

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