Fashion Week : Trage Gutes und rede darüber

Die Modebranche will die Berliner Fashion Week wieder auf Erfolgskurs bringen und muss dafür umdenken.

von
Das Berliner Kronprinzenpalais im Schatten des Abends und einer erleuchteten Eingangstür
Das Kronprinzenpalais bietet der Berliner Mode viel Platz und AufmerksamkeitFoto: promo

Am Montag beginnt die Berliner Modewoche – mit acht über die Stadt verteilten Messen. Die wichtigste ist die Premium (Link zur Homepage) am Gleisdreieck mit rund 1000 Ausstellern. Auch die Panorama (Link zur Homepage) mit 540 kommerziellen Marken auf dem Messegelände wächst jede Saison. Dazu kommen vier Tage lang mehr als 50 Modenschauen im Zelt am Brandenburger Tor, in Galerien, Staatspalästen, Museen. Der deutsche Markt ist einer der wichtigsten weltweit.

Die Aufbruchstimmung der letzten vier Jahre ist nicht erst seit der Insolvenz der einst größten Modemesse Bread & Butter gedämpft. Seitdem die US-Modejournalistin Suzy Menkes 2010 den Berliner Designern Talent bescheinigte, warten alle gespannt, wann es losgeht mit dem Aufschwung. Dazu gehört der Glaube, dass deutsche Mode, wie bis 1961, einen Heimvorteil haben würde, weil sie wieder hier verortet ist. Das hat nach dem Krieg geklappt, die Bedeutung der Berliner Mode stellte niemand infrage, es brauchte keine Massenproduktion, um profitabel zu sein. Damals gab es aber auch keine Konkurrenz, die einen Wollmantel für 69,99 Euro anbietet.

Die Berliner Designerin Isabell de Hillerin (Link zur Homepage) etwa stellt wunderbare Mäntel her, die allerdings 750 Euro kosten. Die Stoffe lässt sie in Rumänien und Moldawien weben und besticken und macht hier moderne Kleidung daraus. Sie zeigt ihre Kollektion schon in der fünften Saison in Berlin auf der Mercedes-Benz Fashion Week – doch deutsche Läden, die ihre Mode außerhalb von Berlin verkaufen, gibt es nicht. So geht es vielen Designern: Es wird berichtet, die Modenschauen sind gut besucht, aber es fehlt am Umsatz gerade im Inland.

Modenschauen sind oft nicht rentabel für die Labels

Das Ansehen der Berliner Modewoche ist sicher auch deshalb noch immer mäßig, weil sie für die Designer so wenig wirtschaftlichen Erfolg bringt. Und das, obwohl es unstrittig ist, dass Berlin das deutsche Branchenzentrum ist, hier treffen sich Journalisten, Einkäufer und Unternehmer – und nicht mehr in Düsseldorf, wie in der alten BRD.

Derweil befinden wir uns bereits in der dritten Ära der Berliner Modewochen. Im 19. Jahrhundert begann alles mit der „Durchreise“, die sich an Einkäufer richtete, die zu Textilfirmen in Sachsen und Thüringen reisten und in Berlin einen Zwischenstopp machten, um sich Mode anzusehen. Auch während des Neuanfangs 1945 war die „Durchreise“ eine zentrale Adresse. Schließlich begann mit der Premiere der Bread & Butter 2003 die aktuelle Phase. Damals galt wie heute: Die Protagonisten der Berliner Modetreffen kommen auch aus Berlin. Mehr als die Hälfte der Schauen wird von Berliner Designern veranstaltet – und ihr Anteil wächst.

Dabei ist es erstaunlich, dass Berlin, obwohl es vor wenigen Jahren noch gar keine Infrastruktur hatte, heute so viel zu bieten hat. Mode spielte lange Zeit, bis auf ein bisschen Underground und Avantgarde, auch im Osten der Stadt keine wichtige Rolle mehr. Das änderte sich, als die Mauer fiel – auch wenn die ursprüngliche Infrastruktur, darunter auch Produktionsstätten, fast verschwunden war. Heute gibt es neue Angebote, etwa ein Netzwerk wie Common Works, ein kleines Serviceunternehmen, das Modefirmen die Koordination von der Schnitterstellung über erste Prototypen bis hin zur Produktionsbetreuung abnimmt. Kaum ein Berliner Designer, der heute nicht mit Common Works (Link zur Homepage) zusammenarbeiten möchte – wie damals die Couturiers mit der besten Schneiderin der Stadt, Käthe Streve.

Eine Vorauswahl soll die Modewoche relevanter machen

Das Konstrukt Modewoche ist unübersichtlich, zuletzt konnte sich jeder, der wollte, mit seinen Veranstaltungen an den Termin hängen. Jetzt verlangen viele Protagonisten, wie die Chefin der Messe Premium, Anita Tillmann, mehr Konzentration und Kooperation. Christine Arp, Chefredakteurin der „Vogue“, setzt sich nicht nur in ihrem „Vogue-Salon“ für junge Talente ein, sie unterstützt auch eine neue Initiative, den „Berliner Mode Salon“ im Kronprinzenpalais Unter den Linden. Hier sollen sich ab jetzt jede Saison die besten deutschen Designer mit ihren Kollektionen präsentieren. Dabei sind große Unternehmen wie Dorothee Schumacher aus Mannheim und Odeeh aus Würzburg, aber auch kleinere Berliner Labels wie Perret Schaad und Michael Sontag. Endlich soll der Welt – in Berlin – ein geschlossenes Bild der deutschen Mode gezeigt werden.

Neben Messen und Modenschauen finden nächste Woche gleich mehrere Konferenzen und Diskussionsrunden zur Zukunft der Mode statt. So gibt es in Berlin nicht nur viele Designer, sondern auch eine wachsende Technologieszene mit Start-ups – die beiden Branchen sollen in Zukunft besser zusammenarbeiten. Technologie könnte bald Trends wie Schwarz-Weiß und kurz-oder-lang ersetzen. Kleidung, die Signale sendet, Stoffe, die heilen – das sind die neuen Tendenzen in der Bekleidungsindustrie. Aber es soll auch darüber diskutiert werden, wie wir in Zukunft einkaufen werden, ob wir weiter maßlos billige Kleidung kaufen und entsorgen dürfen.

Und das ist vielleicht das Besondere an einer deutschen Modewoche: dass man sich nicht nur Mode ansehen kann – sondern auch darüber debattiert. Das könnte in Zukunft ein entscheidender Standortvorteil werden.

Neben Premium und Panorama gibt es weitere Messen: Die Bright zeigt im Kaufhaus Jahndorf Street- und Sportswear, die Seek in der Arena in Treptow hauptsächlich Herrenmode und Accessoires, die Show & Order im Kraftwerk in Mitte hochwertige Damenmode. Im Green Showroom im Postbahnhof wird nachhaltige Mode vorgestellt. Mehr Infos unter fashion-week-berlin.com

0 Kommentare

Neuester Kommentar