Fazit zur Fashion Week : Show und Kommerz auf der Berliner Fashion Week

Der Markt für Mode verändert sich rasant. Das könnte Einfluss auf die Fashion Week in Berlin haben. Die kleineren Labels wollen nicht mehr nur der Showeffekt sein.

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Zwei männliche Models laufen mit Hunden über den Laufsteg
Hundecouture. Die Berliner Designerin Rike Feuerstein ließ Hunde auf den Laufsteg.Foto: Reuters

Die einen wollen rein, die anderen wollen raus. So könnte man kurz beschreiben, welchen Sinn die Fashion Week hat. Erstere sind vor allem größere Modemarken wie Carhartt, Custo Barcelona und Marc O’Polo, die scharf sind auf Anteile an einem der größten Märkte für Bekleidung, die anderen sind die deutschen Designer, die hier ihre Mode zeigen, um überhaupt erst mal wahrgenommen zu werden. Die Großen machen Geschäfte, die Kleinen machen Schau.

Und wenn man den Messeveranstaltern glauben darf, klappt das ungebrochen. Das Ende der Bread & Butter mag für viele Berliner überraschend gekommen sein, denn immerhin hat die Messe bis zum Schluss eine Menge Lärm gemacht – aber für die Branche war das Schwächeln schon seit ein paar Saisons spürbar.

Die Messen brummen - die Veranstalter melden Besucherrekorde

Die acht übrig gebliebenen Messen wollen jedenfalls nicht klagen, vorneweg die Premium. Dort brummte es, noch nie seien so viele Besucher da gewesen, melden die Veranstalter. Volle Hallen auch bei der Panorama. Viele Einkäufer von Boutiquen müssen sich dringend auf die Suche nach neuer Mode machen, weil ihnen sonst die Kunden wegbrechen. Viele große, altbekannte Marken machen eigene Läden auf und verkaufen ihre Ware online, bedienen also selbst ihre Kunden.

Vielleicht können von dieser Entwicklung die kleineren Designer profitieren, die jetzt endlich gemeinsam im Kronprinzenpalais ihre Mode ausstellten.

Das ist ein schöner Gegenpol zu vielen Schauen, bei denen es tatsächlich nur noch um Show geht – und wie im Falle von Guido Maria Kretschmer um die eigene Person. Dort sitzt gefühlt das gesamte Personal des deutschen Privatfernsehens in der ersten Reihe. Bei Riani stöckelt Anna Ermakova, die 14-jährige Tochter von Boris Becker, reichlich wackelig über den Laufsteg, und mehrere Teilnehmerinnen des Dschungelcamps sahen zu, wie ein riesiger Plüschpudel auf zwei Beinen allen die Schau stahl.

Gleich neben dem Laufsteg, im kleinen Präsentationsraum, lud der Berliner Designer Julian Zigerli zum Livekonzert der Sängerin Balbina ein, um nebenbei seine neue Basic-Linie zu zeigen, weil er die zu Hause so gerne trägt. Seine richtige Männerkollektion hat er schon einen Tag zuvor in Mailand zwischen Prada und Armani präsentiert. „Da wird halt richtiges Business gemacht, das gibt es in Berlin nicht.“

Vor einem Jahr wurde er von Giorgio Armani eingeladen, zusammen mit ihm im Teatro Armani zu zeigen – aufmerksam wurde der italienische Designer aber auf Zigerli durch seine unkonventionellen Modevorführungen in Berlin.

Hunde auf dem Laufsteg

Dass zwei so unterschiedliche Schauen auch noch gleichzeitig am selben Ort abgehalten werden, gibt es in der Mode eigentlich nur in Berlin, meint Zigerli, denn „in Mailand ist alles konformer und folgt festen Strukturen.“

Auch die Berliner Designerin Rike Feurstein hat ein paar Tricks, um sich bemerkbar zu machen. Ihre Models zeigt nicht nur Kleider, sondern führten auch Hunde jedweder Größe über den Laufsteg. Dass ihre Kleidung für Berlin auch noch ungewöhnlich fröhlich ausfiel, passte gut ins Bild.

Wer also Neues sucht, muss nicht nur auf die Messen gehen. Die Labels Kaseee, Zukker, William Fan und Thomas Hanisch waren zum ersten und hoffentlich nicht zum letzten Mal dabei. Hanisch arbeitete sich ein wenig zu sehr an seinem Idol Lady Gaga ab – aber immerhin hat sie schon ein paar seiner Entwürfe getragen.

Marina Hoermanseder beendete am Donnerstagabend die Mercedes-Benz Fashion Week – für sie ist es der dritte Auftritt. Sie verarbeitet Leder zu Korsagen, schnürt aus Lederriemen Röcke, die an hohe Orthopädiekunst erinnern. Das verschaffte ihr schnell viel Aufmerksamkeit. Jetzt will sie, dass zur Reaktion „Ist das krass“ eine weitere kommt: „Das will ich haben!“ Deshalb mischte sie dieses Mal ihre Lederentwürfe mit tragbarer Mode, denn: „Am Ende des Tages muss ich Geld verdienen.“ Vielleicht geht es auf, das Konzept von Show und Kommerz.

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