Finnische Mode in Berlin : Finnische Mitte

Im Pop-up-Shop #INLAND zeigen junge finnische Designer ihre aktuellen Kollektionen. Wir haben eine der Initiatorinnen schon vorab in Helsinki besucht.

Alva Gehrmann
Die Mode von Mirkka Metsola ist in ihrer Heimat schon bekannt.
Die Mode von Mirkka Metsola ist in ihrer Heimat schon bekannt.Foto: promo

„Do more of what makes you happy“ steht auf einem großen Zettel in ihrem Studio. Und die finnische Designerin Kaisa Riivari lebt nach dem Motto „Tu mehr von dem, was dich glücklich macht“. In Helsinki arbeiten sie und ihre Kollegin Jenni gerade an der nächsten Kollektion, die aktuelle hängt in dem hellen Souterrain auf den Kleiderstangen und im vergitterten Schaufenster.

„Was kostet der Fisch?!“ heißt die Sommerkollektion des Labels Riivari aus dem Englischen übersetzt. Die Designerin arbeitet mit großflächigen Printmustern von Fischen auf Kleidern und Hemden. „Es geht um ein Stadtmädchen, das aufs Land fährt“, sagt Riivari bei einem Kaffee am Schneidertisch. Ihr ist es wichtig, fließende Materialien zu verwenden, es soll ein lässiger Look sein.

Berlin ist bei den Finnen sehr beliebt

Die 29-Jährige stammt selbst vom Lande. Später studierte sie in London und ging anschließend in die finnische Hauptstadt. Ihr Studio befindet sich im Stadtteil Kallio, das man als Prenzlauer Berg von Helsinki bezeichnen könnte. Cafés und Design-Geschäfte reihen sich aneinander. Im Prinzip ist Riivaris neuestes Projekt also nur einige hundert Meter von ihrem alten Kiez entfernt. Denn seit Mitte Juli gibt es in der Berliner Brunnenstraße 11 den Pop-up-Shop #Inland. Hier zeigen sie und sieben weitere junge Labels aus Finnland ihre Mode. Das Konzept für den Laden entwickelte sie gemeinsam mit ihrer Kollegin und Freundin Mirkka Metsola, deren Modelabel ihren Namen trägt. Eigentlich liegt ihr Studio in Helsinki nur zwei Straßen von Riivaris entfernt, doch seit einiger Zeit ist Metsola Wahl-Berlinerin.

Berlin ist bei den Finnen sehr beliebt, nicht nur weil in der deutschen Hauptstadt die Lebenshaltungskosten viel günstiger sind als in ihrer Heimat. Sie mögen das kreative Potenzial. Die Berliner wiederum schätzen das nordische Design, seien es die großflächigen floralen Muster von Marimekko, die Keramik von Iittala oder Möbelklassiker wie Eero Aarnios Ball Chair. Iittala und die von Design-Legende Alvar Aalto mitgegründete Firma Artek sind auch zwei der #Inland-Sponsoren. Außerdem liegen in einer ausladenden Schale stets die typisch finnischen Pfefferminz-Schokoladen-Bonbons bereit.

Die meisten finnischen Designer kennen sich - die Szene ist klein

Und so kommt es einem in der Brunnenstraße 11 so vor, als sei man plötzlich in Helsinki. Riivari und Metsola führen durch ihren kleinen Kosmos. Die Kollektionen sind bewusst gemischt. Anfangs war hier im Rahmen der Fashion Week noch ein klassischer Showroom, wo die einzelnen Designer getrennt voneinander ihre Arbeiten den Modeeinkäufern und Presseleuten präsentierten. Mittlerweile ist es ein richtiger Shop. „Wir haben die Outfits so angeordnet, wie man sie tragen könnte, und nicht nach Designern sortiert“, erzählt Riivari. So hängen ihre Kleider nun neben denen von Mirkka Metsola.

Die meisten der Designer sind zwar schon in ihrer Heimat etabliert, aber noch recht junge Labels auf dem internationalen Markt. „Die Zusammenarbeit ist der Hauptgedanke des Projektes“, sagt Mirkka Metsola. „Wenn man teilt, kriegt man mehr.“ Dazu gehört auch, dass finnische Musikerinnen wie Islaja, die ebenfalls in Berlin wohnt, bei der Eröffnung live auftreten. In den kommenden Wochen wird es immer wieder Events und Happenings geben.

Es freut die beiden Designerinnen, dass auch ihre Freunde Aamu Song und Johan Olin von Company im Rahmen der Ausstellung Play Nordic in Berlin vertreten sind. So aktiv die finnische Designwelt auch ist, es ist eben doch eine kleine Szene, in der die meisten einander kennen. Schließlich leben in Finnland auf einer Fläche so groß wie Deutschland nur 5,4 Millionen Einwohner.

Am Schluss wir alles verkauft - auch die Ladeneinrichtung

Was macht für sie das finnische Design aus? „Es ist exotisch, aber zugleich auch vertraut“, sagt Mirkka Metsola. Finnisches Design hat schon eine gewisse Klarheit, wie man sie vom skandinavischen Design kennt, dafür werden aber auch für uns exotische Materialien verwendet: zum Beispiel Rentierleder. Riivari nutzt es unter anderem für ihre Handtaschen, die ebenfalls in Berlin verkauft werden. „Das Leder ist sehr weich und es ist ein nachhaltiges Produkt.“ Denn die Rentiere führen ein freies, langes Leben in Lappland im Norden Finnlands.

Riivari freut es, wenn Leute in den Laden kommen und sagen: „Das könnte ich wirklich tragen.“ Tragbare Mode ist nicht immer selbstverständlich im Designzirkel. Ihr Konzept: „Die Arbeiten sind schlicht, aber stylish.“

Der Pop-up-Shop #Inland ist erst mal zeitlich beschränkt. Doch wenn es nach dem Plan der Initiatorinnen geht, möchten sie demnächst einen dauerhaften Laden in Berlin eröffnen. Genügend Interesse am nordischen Design dürfte es geben. #Inland endet so, wie es begonnen hat: mit einer großen Party und spontanen Happenings. Am 30. August, wenn das Torstraßenfestival stattfindet, veranstalten die Designer auch einen Sale – sie verkaufen nicht nur die Kleidung, Schuhe und anderen Kreationen, sondern auch das gesamte Interieur, von den Kleiderbügeln bis zur Deckenlampe. So kann sich jeder ein Stück Finnland mit nach Hause nehmen.

#Inland, Brunnenstraße 11, Montag bis Freitag von 11 bis 20 Uhr, samstags von 11 bis 16 Uhr. Happenings und Konzerte werde stets kurzfristig über die Facebook-Seite bekannt gegeben.

www.facebook.com/inlandshowroom

0 Kommentare

Neuester Kommentar