Gespräch mit dem Asos-Gründer : „Es geht darum, alles zu sehen"

ASOS ist der größte Mode-Onlineshop Großbritanniens. Gründer Nick Robertson erzählt, warum man Einkaufsstraßen vergessen kann und er in Berlin ein Büro eröffnet.

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Punkt, Karo, Pudelmütze, eine von tausenden von Möglichkeiten, Asos-Kleidung zu kombinieren.
Punkt, Karo, Pudelmütze, eine von tausenden von Möglichkeiten, Asos-Kleidung zu kombinieren.Foto: promo

Das erste Teil, das Sie verkauften, war ein Mörser mit Stößel.

2000 begannen wir, online zu verkaufen, es war eine Mischung, Mode machte nur einen kleinen Teil davon aus. Als die ersten Verkäufe kamen, konnten wir sehen, dass wir die Modeartikel ein bisschen besser verkauften als den Rest. Damals gab es vielleicht drei, vier Modeanbieter im Internet.

Ist es gut, ein bisschen zu früh dran zu sein?

So konnten wir viele Fehler machen und uns entwickeln. Heute hängt die Latte viel höher. Du musst mit mehr als 16 500 Produkten konkurrieren.

Warum haben Sie eine deutsche Website?

Deutschland ist nach Australien unser drittes Land. Es ist nicht weit bis nach Hause, wir können schnell liefern. Die Gesetze sind ähnlich und wir machen hier sowieso schon viele Geschäfte. Also ist es gut, auch eine eigene Website zu haben. Wir haben ein großes Team in Großbritannien für Vertrieb, Einkauf, Logistik, aber wir brauchen jemanden vor Ort, der weiß, wie der Markt funktioniert, der die Kunden kennt.

Und warum eröffnen Sie Ihr Deutschlandbüro in Berlin?

Berlin hat die richtige Mischung aus lebendiger Modeszene, jungen Leuten, einer massiven Start-up-Kultur und somit genug potenzielle Mitarbeiter. Warum ist das Shoppen mit dem Smartphone in Großbritannien so beliebt? Wir sind eine technikfixierte Nation. Die 20- bis 30-Jährigen sind sechs Stunden am Tag mit ihren Telefonen beschäftigt. Ihr ganzes soziales Leben findet am Smartphone statt – also auch das Shopping. Aber es geht nicht nur ums Shoppen, da werden Dinge gelesen, weitergegeben, sie schauen sich Sachen an. Aber für mich sind die Märkte in Entwicklungsländern wichtiger. Wir hier haben große und kleine Bildschirme, wir haben die Einkaufsstraßen mit vielen Läden, im Rest der Welt haben viele Menschen keine Shops, keine Computer. Ein Zehnjähriger in Indien hat seine ersten Einkaufserlebnisse mit dem Smartphone.

Warum ist Mode im Internet erfolgreich?

Jeder hat gesagt, das wird nie etwas. Aber der Versandhandel funktioniert auch in Deutschland, es werden riesige Mengen an Kleidung verschickt. Es geht im Internet um zwei Dinge: Du kannst es besser präsentieren, du hast die Bilder, den virtuellen Laufsteg und all das. Aber der eigentliche Grund ist die Auswahl. Manchmal gibt es von deiner Lieblingsmarke im Laden nur 15 Kleider, im Internet gibt es 200. Wenn du eine Marke liebst und dein lokaler Laden ist eine kleine Box, dann hat er keine Chance gegen die Website. Heute geht es darum, alles zu sehen. Deshalb ist es ein wachsendes Geschäft.

Weiß der Kunde heute mehr über Mode, weil es das Internet gibt?

Früher konntest du nur kaufen, was für dich erreichbar war, du warst auf ein Auto oder deine Buslinie angewiesen, wenn du Glück hattest, gab es bei dir in der Nähe eine kleine Boutique. Jetzt sind wir global – es gibt keine Grenzen. Auch bei den Preisen, denn das Internet bietet oft die günstigeren. Interessant ist auch die Debatte über Herrenmode. Kleidung für Frauen macht immer noch 70 Prozent des Marktes aus, aber das ändert sich. Männer werden immer modebewusster. Und das Problem, in einen Laden gehen zu müssen, ist erledigt. In ein paar Jahren wird das Verhältnis bei den Verkäufen fifty-fifty sein.

Denkt man bei Asos noch in Saisons?

Die traditionellen Saisons gibt es nicht mehr. Wir verkaufen die Dinge dann, wenn man sie braucht, also keinen Wintermantel im August bei 30 Grad. In einem traditionellen Laden kaufst du Frühjahr/Sommer-Ware und ein halbes Jahr später die für Herbst/Winter. Wir verkaufen alles das ganze Jahr, denn es ist immer irgendwo Sommer und irgendwo anders Winter. Wir haben einen Rhythmus von sechs, sieben Wochen, 2500 neue Produkte kommen pro Woche auf die Website.

Wie wichtig ist Entertainment für Asos?

Für die Zwanzigjährigen ist Action und Unterhaltung sehr wichtig. Auch das kann man an der Website sehen. Wir stellen zehn Mal am Tag neu auf die Seite, was cool, heiß und aufregend ist. Damit und mit der Fernsehshow „Fashion Hero“ auf Pro Sieben können wir steuern, dass man uns mit etwas assoziiert, das in Deutschland interessiert.

Wie wichtig sind Kooperationen mit jungen Designern bei Asos?

Es ist einfach, über diese Plattform junge Designermode zu verkaufen. Wenn die Sachen genauso gut aussehen, verlieren die großen Marken ihre Dominanz.

Das Gespräch führte Grit Thönnissen.

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