Globe Hope startet Aktion in Berlin : Finnisches Modelabel macht Taschen aus Tischdecken

Das finnische Label Globe Hope will Dekostoffe und Spitzendeckchen von Berliner Dachböden zu schönen Dingen verarbeiten. Wer seine Stoffe spenden möchte, kann sie bis zum 16. August bei der Berliner Stadtmission abgeben.

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Die Taschen von Hope Globe sind aus Spitzendeckchen gefertigt.
Die Taschen von Hope Globe sind aus Spitzendeckchen gefertigt.Foto: promo

Alte Gardinen, die auf dem Dachboden vor sich hinmodern, Tante Elses olle Häkeldeckchen, die nicht mal mehr zum Verwandtschaftsbesuch auf den Tisch kommen – wer sich fragt, was er mit solchen Schätzen machen soll, der bekommt nun eine Antwort: alles einpacken und in eine der sechs Second-Hand-Filialen der Berliner Stadtmission bringen. Das finnische Modelabel Globe Hope, das Kleidung ausschließlich aus bereits bestehenden Materialien herstellt, hat zur Aktion „From Attics to Catwalks“ aufgerufen. Wie die Stoffe vom Dachboden auf den Laufsteg gelangen sollen, erklärt Tuula Tenhovuori von Globe Hope: „Wir suchen nach Dekostoffen für unsere Handtaschen der Linie ’Penttinen’, das sind absolute Klassiker in unserem Programm. Spätestens in unserer Frühjahrskollektion wird es die Taschen mit Berliner Gardinen und Spitzendeckchen geben.“

Das finnische Label findet Inspiration auf Berliner Flohmärkten

Mit der Sammelaktion in Kooperation mit „Komm und sieh“, dem Integrationsunternehmen der Berliner Stadtmission, bestehend aus Second-Hand-Läden, Café und Wohnungsauflösungen, will Globe Hope das Bewusstsein für nachhaltige Mode stärken. „In Finnland haben wir solche Aktionen schon öfter gemacht, jetzt ist Deutschland dran“, sagt Tuula Tenhovuori, die bei Globe Hope für den deutschen Markt zuständig ist. Dass die Eroberung des deutschen Marktes mit Berlin beginnen soll, stand von Anfang an fest: „Berlin ist eine sehr modebewusste Stadt und aufgeschlossen für neue Ideen. Auf den Flohmärkten schauen wir immer nach neuen Trends.“ Außerdem wachse hier das Interesse an Nachhaltigkeit besonders stark. „Die Menschen denken immer mehr darüber nach, woher ihre Kleidung kommt.“

Globe Hope verarbeitet Uniformen, Armeesäcke und Zeltplanen

Dass ökologisches Bewusstsein eben nicht öko, sondern schick, witzig und kreativ ist, beweist die Mode von Globe Hope: Militäruniformen, Armeesäcke und Bauarbeiter-Overalls werden zu Kleidern und Hemden, aus Sitzgurten werden Handtaschengriffe und Schultergurte gemacht; Werbebanner aus PVC-Vinyl und Zeltplanen dienen als Material für wasserfeste Taschen. Schallplatten, Computer-Leiterplatten, Keyboardtasten und alte Reißverschlüsse verwandeln sich in Schmuck, Schlüsselanhänger und Kühlschrankmagnete. Während der Berliner Fashion Week war Globe Hope auf der Ökomesse „Ethical Fashion Show“ zu sehen. Mit der Berliner Stadtmission hat das Label mit Sitz im Städtchen Nummela, 45 Kilometer nordwestlich von Helsinki, die richtigen Partner gefunden. „Keine Frage, dass wir Globe Hope bei der Aktion unterstützen“, sagt Arianna Nicoletti, die bei „Komm und Sieh“ für ein ganz ähnliches Projekt, „Material Sourcing“, zuständig ist: „Seit Februar sammeln wir Kleider und Stoffe, die wir an Designer weitergeben. Alles, was für Obdachlose nicht tragbar ist, dürfen sie verarbeiten.“ Da können die Spitzengardinen gleich mitgesammelt werden. Außerdem betreibt die gebürtige Italienerin den „Upcycling Fashion Store“ in der Anklamer Straße in Mitte. Dort wird ausschließlich Mode aus bestehenden Materialien verkauft, die zu neuen Produkten verarbeitet werden. Natürlich verkauft Arianna Nicoletti auch Globe Hope-Produkte. Wer seine gespendeten Spitzendeckchen als Handtasche wiedersehen möchte, braucht allerdings etwas Glück: „Ich kann nicht versprechen, dass sie in einem der Berliner Läden landen“, sagt Tuula Tenhovuori. Aber die Vorstellung, dass Tante Elses Häkeldecke als Handtasche in Finnland, Italien oder sogar Japan getragen wird, ist ja irgendwie auch schön.

Die Sammelaktion läuft bis zum 16.8.

Mehr Infos unter: www.globehope.com/de/attics-catwalks-berlin und www.berliner-stadtmission.de/komm-und-sieh

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