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Green Fashion : Die Erfindung des Ökomanns

19.01.2013 00:00 UhrVon Regina Lechner
Rar gesäet: Ein männliches Model im "Green Showroom" der Berlin Fashion WeekBild vergrößern
Rar gesäet: Ein männliches Model im "Green Showroom" der Berlin Fashion Week - Foto: dpa

Nachwuchsdesigner arbeiten daran, dass grüne Mode keine Frauensache mehr bleibt. Die Frage ist nur: Wie lässt man(n) sich für ökologische Mode begeistern? Einige Nachwuchslabel haben Antworten.

Wallende lange Seidenkleider, Tulpenröcke und hoch sitzende Bleistifthosen wechseln sich bei der Modenschau in den Suiten des Hotel Adlon ab. Dazwischen immer wieder ein männliches Model, mit Föhntolle, in Hemd oder Strickpullover, Lederjacke und schweren Boots. Noch sind sie bei einer Schau wie dieser Exoten: Sie führen „grüne“ Mode für den Mann vor. Ökologisch und ethisch korrekt hergestellte Kleidung ist zu einem festen festen Bestandteil der Berliner Fashion Week geworden. Die darauf spezialisierten Messen konzentrieren sich allerdings deutlich auf Angebote für Frauen.

Langsam erkennen aber vor allem Nachwuchslabels, dass es Nachholbedarf in der Menswear gibt. Gleichberechtigt hängen die neuen Kreationen für Damen und Herren des Labels Myuli nebeneinander im Green Showroom, der zum siebten Mal im Hotel Adlon stattfand. Gegründet wurde Myuli erst vor vier Monaten von den beiden Berliner Esmod-Absolventinnen Katharina Seidel und Lisa Dralle. Eine transparente Damenbluse gibt es in abgewandelter Form für den Mann, in festerem Baumwollstoff, aber mit demselben auffälligen Kaleidoskop-Print. „Die Herrenkollektion ist dezenter in der Schnittführung, aber detailverliebt, aus Stoffen, die sich einfach gut anfühlen – darauf legen Männer wert“, so Lisa Dralle. „Ökologische Mode hat oft noch den Ruf, nicht so modern und innovativ zu sein, und das wollen wir ändern“, erklärt Dralle zum Anspruch des Labels. Schwierigkeiten bereite ihnen allerdings oft das geringe Angebot an Stoffen mit entsprechenden Ökozertifikaten. Diese versehen sie deshalb mit eigens entworfenen Prints, um einen individuelleren Look zu kreieren. Problematisch wird es auch bei Leder: Regulär werden zum Gerben aggressive Chemikalien verwendet. Ein alternatives Verfahren beruht auf Extrakten aus der Rhabarberpflanze. Über den Green Showroom kamen Seidel und Dralle von Myuli ins Gespräch mit deepmello, einer Firma aus Sachsen-Anhalt, die mit diesem Verfahren arbeitet. Sie planen nun eine Kooperation, um ökologisch verträgliche Lederjacken für Damen und Herren anbieten zu können.

Bereits mit Rhabarber-Leder arbeitet Aleks Kurkowski. Für die Designerin sei wichtig, „dass die ökologische Komponente selbstverständlich, aber nicht sichtbar ist“, so die Hannoveranerin. Sie stellte im Green Showroom ihre erste Kollektion vor: Naturmaterialien, asymmetrische Schnitte, ausschließlich in Schwarz und Grautönen. „Wenn Männer einkaufen, steht erst einmal der Style im Vordergrund“, schätzt Kurkowski, „aber sobald das Design stimmt, sind Biomaterialien und die Herstellung in Deutschland Pluspunkte, die für sie letztlich auch einen höheren Preis rechtfertigen.“ Zu Kurkowskis Sortiment gehören zahlreiche Unisex-Teile, wie ein grobmaschiges, ungefärbtes Strickkleid, das Männer als langen Pullover tragen können. Komplett eigenständig funktioniert grüne Männermode also noch nicht – aber sie ist auf dem Weg dorthin.

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