Hugo auf der Fashion Week : Rote Linie

Rot war die Farbe des Abends und hob sich wie ein Signal vom schwarzen, marmornen Hintergrund der Neuen Nationalgalerie von Mies van der Rohe ab. Rot ist auch die Erkennungsfarbe von Hugo.

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Schwarz-rot Sehen. Deutschlands bedeutenstes Modeunternehmen mietete die Neue Nationalgalerie für eine krafttrotzende Vorführung seiner Linie Hugo.
Schwarz-rot Sehen. Deutschlands bedeutenstes Modeunternehmen mietete die Neue Nationalgalerie für eine krafttrotzende Vorführung...Foto: dpa

Das Metzinger Unternehmen Hugo Boss hatte wieder einmal groß aufgefahren und zeigte eine vor Kraft strotzende Kollektion. Der mangelte es nicht an Überzeugungswillen, aber man fühlte sich fast, als sollte man vor all den signalroten Männeranzügen, den glatten Silhouetten der Seidenkleider und dem schwarzen Nappaleder einfach kapitulieren und sich nicht mehr fragen, was genau man von den Entwürfen halten soll.

Das war unter der Regie des belgischen Designers Bruno Pieters schon mal subtiler. Bei ihm bestimmten deutsche Einflüsse wie Bauhaus und strenger Konstruktivismus das Aussehen der Hugo-Kleidung. Zwischen der informellen Sportswearline Boss Orange und der von Anzügen dominierten Kollektion von Boss Black ist Hugo so etwas wie das Schaufenster des Unternehmens und wird nun schon in der dritten Saison von Eyen Allen dirigiert. Der Designchef scheint aus der Vorstandsetage den Auftrag bekommen zu haben, die Potenz und die wirtschaftliche Kraft in Kleider umzusetzen.

So konnte die Mode diesmal der Inszenierung des großen Drumherums von Staraufkommen auf dem Roten Teppich und Aftershowparty durchaus standhalten, dominierte sie aber nicht.

Die Männer wurden bei Hugo diesmal ernster genommen als die Frauen. Für Erstere gab es schwere, dunkelgraue Glattledermäntel mit großen asymmetrischen Kragen, schwarze Motorradjacken aus Lackleder und kastige Wollpullover in besagtem Signalrot – dafür aber erstaunlich wenig schmale Anzüge, die einmal das Markenzeichen von Hugo waren. Die wurden durch solche mit tiefem Revers und breiten Schultern ersetzt.

Für die Frauen gab es dafür halbe Blazer mit nur einem Ärmel und einem Revers, das sich diagonal bis zum Saum zog – eine hübsche, wenn auch etwas alberne Idee. Stringenter waren die schwarzen schmalen Etuikleider mit rot wucherndem Druck in Leibesmitte und das dicke Strickkleid mit grobem Zopfmuster. Natürlich in Rot.

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