Interview mit einer Over-Size-Modebloggerin : „Ich muss keinen Durchschnitt erfüllen“

In Berlin sind zur Zeit der Fashion Week die Zero-Size-Models unterwegs, ebenso die "normalen" Modeblogger. Doch werden Modeblogger abseits des Schönheitsideals eigentlich auch eingeladen? Und wie ist das Verhältnis zu den "normalen" Bloggern? Ein Gespräch mit Over-Size-Bloggerin Alegra Schminke.

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Vor vier Jahren Hat Alegra Schminke mit ihrem Modeblog "Dollface" angefangen.
Vor vier Jahren Hat Alegra Schminke mit ihrem Modeblog "Dollface" angefangen.Foto: Promo

Sind Sie das erste Mal bei der Fashion Week dabei?

Ja, das ist das erste Mal. Aber von den Modeschauen der eigentlichen Fashion Week habe ich gar nicht so viel mitbekommen. Ich bin nur auf der "Curvy is sexy"-Messe gewesen und habe das Team von Anja Gockel für meinen Blog begleitet. Da ich nicht hauptberuflich blogge, musste ich ab Mittwoch wieder arbeiten und für mein Staatsexamen lernen.

Bekommen Sie wie andere Modeblogger persönliche Einladungen zu den Modeschauen?

Das ist bis jetzt tatsächlich noch nicht vorgekommen. Anja Gockel war eine Ausnahmen, weil der Kontakt schon in Mainz entstanden ist.

Die Messe "Curvy is sexy" fand zum ersten Mal in dieser Art in Berlin statt. Wie hat sie Ihnen gefallen?

Viele Sachen, die ich gesehen habe, haben mir gefallen und mich positiv überrascht. Einiges fand ich auch nicht so gut. Aber insgesamt finde ich, dass die Messe eine Lücke füllt, die es für Übergrößen-Mode gibt.

Was hat Sie positiv überrascht?

Dass zum Beispiel ein Label wie Anja Gockel ihre Kollektion auch in Übergrößen anbietet. Das finde ich super.

Immer nur schwarz Kleidung tragen? Das kommt für Alegra Schminke nicht in Frage - sie hat es gerne farbenfroh.
Immer nur schwarz Kleidung tragen? Das kommt für Alegra Schminke nicht in Frage - sie hat es gerne farbenfroh.Foto: Promo

Würden Sie sich wünschen, dass andere Labels es Anja Gockel gleichtun?

Unbedingt. Ich finde, das ist der Weg, der eingeschlagen werden sollte. Leider wird in der Modebranche viel zu oft eine Trennung zwischen dünner und dicker Mode vorgenommen. Dieser Gedanke – wie ihn zuletzt auch die Marke Abercrombie & Fitch vertrat – scheint tief zu sitzen. Selten produzieren die Labels komplett von Größe 32 bis 52.

Was hat Ihnen an der Messe nicht so gefallen?

Viele Teile, die zu sehen waren, sind sehr konservativ und etwas altbacken für meinen Geschmack. Es war nicht eben die Mode, für die sich eine Endzwanzigerin wie ich interessiert.

Welche Trends sind Ihnen für den Sommer 2014 aufgefallen?

Positiverweise habe ich viele kräftige Farben gesehen, schöne Prints und schwarz-weiße Streifen. Da gibt es kaum einen Unterschied zu "normaler" Mode.

Was tragen Sie am liebsten?

Ich trage je nach Laune etwas Farbenfrohes. Ich bin überhaupt kein Fan von der Schönheitsregel "Schwarz macht schlank".

In Berlin besuchte Alegra Schminke die Modemesse "Curvy is sexy", die erstmals Mode für Frauen mit Übergröße ausstellte.
In Berlin besuchte Alegra Schminke die Modemesse "Curvy is sexy", die erstmals Mode für Frauen mit Übergröße ausstellte.Foto: Promo

Was ist zurzeit Ihr Lieblingsoutfit?

Ich trage gerade am liebsten Jeans mit einem schön bedrucktem T-Shirt. Obwohl ich immer noch ein großer Fan von Kleidern bin, weil man in ihnen immer schick und nie underdressed aussieht.

Haben Sie Kontakt zu "normalen" Modebloggerinnen?

Leider gibt es kaum einen Dialog zwischen den verschiedenen Modebloggern. Ich kenne und folge persönlich nur wenigen "normalgewichtigen" Bloggerinnen. Ähnlich wie bei den Kollektionen gibt es eine Trennung zwischen "normalen" und Over-Size-Blogs. Dabei könnte ein Kontakt sicherlich erfrischend sein.

Schicken Ihnen die Unternehmen viele Stücke zu, damit Sie diese in Ihrem Blog vorstellen?

Das scheint mit ungefähr genauso rege wie bei jedem "normalen" Blog zu sein. Es kommen täglich Anfragen rein. Aber ich wähle nur Sachen aus, die zu mir passen und mir gefallen. Alles andere würde meine Leserschaft merken. Schließlich ist es am Ende doch immer auch Werbung für das Unternehmen.

Wie hat sich die Wahrnehmung von Übergrößen-Mode in den letzten Jahren verändert?

Das Echo wird immer größer. Übergrößen-Mode wird mehr diskutiert – auch in der Bloggerwelt. Langsam können die Unternehmen nicht mehr die Augen verschließen, dass es hier einen Bedarf gibt. Ich glaube, der Ball kommt langsam ins Rollen. Das zeigt auch die Messe "Curvy is sexy".

Woher nehmen Sie das Selbstbewusstsein, sich immer wieder aufs Neue zu präsentieren?

Ich bin eigentlich schon immer ein Typ gewesen, der sich in seiner Haut wohl fühlt. Ich weiß für mich, dass ich keinen Durchschnitt erfüllen muss. Mir ist es wichtiger, mich körperlich fit zu fühlen, als in eine Hose in Größe 38 zu passen. Seitdem ich den Blog mache, bekomme ich natürlich auch viel positives Feedback, das einen bestärkt.

Gibt es auch Klischees über mollige Frauen, die Sie nerven?

Am schlimmsten sind eigentlich mitleidige Blicke oder wenn die Leute einen auf die Rolle der humorvollen Ulknudel reduzieren. Mir scheint es manchmal, dass schlanke Frauen nicht so sehr auf eine Rolle beschränkt sind wie fülligere Frauen.

Das Gespräch führte Carmen Schucker. Alegra Schminke bloggt auf Dollface.de

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