• Karl Lagerfeld und Karl-Heinz Müller im Interview: "Mein Lebensziel ist es, Größe 48 zu halten"

Karl Lagerfeld und Karl-Heinz Müller im Interview : "Mein Lebensziel ist es, Größe 48 zu halten"

Treffen zweier Macher: In Paris diskutieren Karl Lagerfeld und Bread-&-Butter-Chef Karl-Heinz Müller mit dem Tagesspiegel über den Erfolg ihrer Marken, Designer aus Berlin und die Hosenlängen der Kanzlerin.

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Mit Durchblick. Karl Lagerfeld (links) und Karl-Heinz Müller.
Mit Durchblick. Karl Lagerfeld (links) und Karl-Heinz Müller.Foto: Alexander Gnädinger, www.alexandergnaedinger.de

Paris Saint Germain, Rue de Lille. Wir warten auf Karl Lagerfeld, und wir warten nicht allein. Ein Diener im weißen Frack läuft zwischen dem Buchladen vorne und dem Fotostudio hinten mit Wasserflaschen hin und her, ein sehr junger, sehr schwarz gekleideter Mitarbeiter Lagerfelds lässt sich gelangweilt im Passbild-Fotoautomaten blitzen, der Fotograf Alexander Gnädinger hat längst alles aufgebaut und Dutzende Probeaufnahmen gemacht. Der neue Managing Director, inzwischen im Sofa versunken, hatte auch eine Verabredung mit dem Meister, eine Stunde vor uns. Lea Gross von der Vogue, aus München angereist, wartet ebenfalls. Wir beschließen, das Gespräch gemeinsam zu führen, wenn es überhaupt noch was wird.

Der Chef der weltweit größten Messe für Urban- and Streetwear, Karl-Heinz Müller, trifft den weltweit größten Designer von Haute Couture, Karl Lagerfeld, das war die Idee. Eine halbe Stunde sollte dafür freigemacht werden im dichten Terminkalender Lagerfelds, und das eine Woche vor dem Defilee der neuen Kollektion von Chanel im Grand Palais. Wird das noch was? Dann kommt er doch noch. Und nimmt sich mehr Zeit als gedacht.

Herr Lagerfeld, wir haben Ihnen hier einen Tagesspiegel von 2004 mitgebracht…

Lagerfeld: Ah, schön, ich erinnere mich!

… mit Ihnen ganz groß auf der Titelseite, eine Anzeige zu Ihrer damaligen H-&-MKollektion. Da waren nicht alle begeistert.

Lagerfeld: Wieso, das war doch okay.

Für manche Leute sind Sie ein Ärgernis. Andere wiederum verehren Sie, oft sind das die jüngeren. Haben Sie eine Erklärung dafür?

Lagerfeld: Nein, also wirklich, ich weiß nicht. Ich bin eher ein zeitloser Hampelmann. Unerklärbar.

Und hier haben wir einen Tagesspiegel vom vergangenen Jahr, ein Interview mit Karl-Heinz Müller und dem Designer Michael Michalsky…

Lagerfeld: Oh, kann ich das haben, bitte? Michalsky ist der einzige deutsche Designer, den ich kenne.

Müller: Ich kenne Michael seit vielen Jahren, wir sind gut befreundet. Er ist für die Entwicklung Berlins als Modemetropole einer der führenden Protagonisten. Er ist ein guter Designer, der die Zeichen der Zeit erkannt und seinen eigenen Stil hat. Seine großartigen Schauen sind stets ein Highlight der Berliner Fashion Week. Michael hat eine eigene Klasse definiert. Übrigens hat er mich vor zehn Jahren, als er noch bei Adidas für die damals neue Linie „Adidas Originals“ verantwortlich war, inspiriert, eine eigene Messe zu veranstalten. Das verbindet natürlich sehr.

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Und was ist mit Wolfgang Joop?

Lagerfeld: Ach, das Wunderkind. Sein Drama ist, dass er nicht ich ist. International kennt ihn doch keiner. Er kann alles gut imitieren, aber er hat keinen eigenen Stil.
Jil Sander?

Lagerfeld: Halb im Ruhestand. Ein entsetzliches Wort! Klingt wie Vorzimmer vom Friedhof.
Also Michalsky…

Müller: … der Sie übrigens schön grüßen lässt…

Lagerfeld: … ja, das ist der Einzige, und er ist auch das Einzige, was ich an Berlin schätze, tut mir leid.

Müller: Wirklich? Sind Sie sicher? Berlin hat viel zu bieten: eine enorme Energie, viele kreative Köpfe, die sich und die Stadt immer wieder neu erfinden. Berlin wird in der Street-and-Urbanwear-Szene weltweit sehr geschätzt und bewundert. Wir sind 2003 mit der Bread & Butter nach Berlin gekommen. Das war die beste Entscheidung, die wir treffen konnten. Der internationale Erfolg der Bread & Butter hat sehr viel mit Berlin zu tun.

Was beide gegen Berlin haben, erfahren Sie auf der nächsten Seite.

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