Kilian Kerner : Der Prinz der Fashion Week

Kaum ein Berliner Designer wurde so viel kritisiert wie Kilian Kerner. Bevor er heute zum zehnten Mal seine Kleider auf der Fashion Week zeigt, hat er sich alle Kollektionen noch mal angesehen – und kann vieles verstehen.

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Die Kollektion Fall/Winter von Kilian Kern auf der Fashion Week 2012 in Berlin. Seine bisher "androgynste Kollektion", wie der Designer findet.
Die Kollektion Fall/Winter von Kilian Kern auf der Fashion Week 2012 in Berlin. Seine bisher "androgynste Kollektion", wie der...Foto: dpa

Wenn die Fashion Week ein Märchen wäre, würde Kilian Kerner den geküssten Frosch spielen. „Ein Teil meiner Erfolgsgeschichte ist, dass die Leute über mich gelacht haben“, sagt er. Jetzt ist er der Prinz der Fashion Week. Und dazu einer mit einer Aktiengesellschaft im Rücken. Seit im vergangenen Jahr das kleine Modeunternehmen zur Kilian Kerner AG umgewandelt wurde, geht es nicht mehr ums Überleben, sondern ums Wachsen.

Heute trägt Kerner einen Pullover, auf dem steht: „Du bist gut. Nena“. Als Nena vor vielen Jahren ein T-Shirt von Kilian Kerner auf der Bühne trug, war das sein Anfang als richtiger Modedesigner. 2004 gab er den Plan auf, Schauspieler zu werden und gründete sein Label. Und weil er bei Null anfing, hörte er Kritik wie: „Man sieht, dass er selbst näht“ – und machte weiter. Arbeitete an den Schnitten, hörte hin, was die Leute wollen, und schickte nicht mehr jeden Entwurf auf den Laufsteg.

Als einziger Berliner Designer zeigt er seit Juli 2008 seine Kollektionen auf der Mercedes-Benz-Fashion-Week. Er ließ keine Saison aus und wählt immer poetische Titel. Heute Abend im Zelt am Brandenburger Zelt zeigt er die Kollektion „Sag mir, wie du heißt.“ Bilder von den vergangenen neun Schauen liegen vor ihm auf dem Tisch. Er ist selbst erstaunt, was mit seiner Mode passiert ist:

JULI 2008 „Typisch für Kilian Kerner war lange ein Männer-Outfit. Ein wehender Mantel, dazu eine hoch geschoppte Hose mit tiefem Schritt. Das sah toll aus. Aber dass die Hose drei Meter lang sein musste, hat keiner verstanden.

JANUAR 2009 Da erkennt man schon, was Kilian Kerner mal werden soll, obwohl ich das Kleid heute länger machen würde. Die zweite Schau war nicht meine beste, wir hatten keine Zeit. Wir haben erst im November angefangen – es ging ums Weitermachen. Ich wollte auf jeden Fall bei der Berliner Fashion Week zeigen. Die Schnitte stimmten noch nicht wirklich.

JULI 2009 Das weiße Kleid musste unbedingt drin sein. Das Model war das einzige, das reinpasste. Früher wollte ich unbedingt alle meine Entwürfe auch zeigen. Heute sortiere ich viel stärker aus, ich bringe meine Mitarbeiter schier zur Verzweiflung, so oft muss etwas noch mal verändert werden. Da muss ich aufpassen, das ist schon fast wieder zuviel.

JANUAR 2010 Das Männeroutfit ist lustig, an der Hose sind vier Reißverschlüsse und das Oberteil ist aus Nicki – finde ich schön, es wollte aber niemand kaufen. Mit einem schwarzen Mantel aus dieser Kollektion habe ich die Schauspielerin Karoline Herfurth überzeugt. Ich fand sie schon lange toll und dachte mir, komm trau dich und schick ihr den Mantel. Den trägt sie immer noch, und jetzt sind wir Freunde.

JULI 2010 Das Kleid mit dem Bustier aus Eisen hat mich zum ersten Mal in die deutsche „Vogue“ gebracht. In den Jahreshoroskopen hatte das Model, das die Jungfrau darstellte, das Kleid an.

JANUAR 2011 Das gestreifte Sakko hat Bill Kaulitz von Tokio Hotel getragen, als er sich in Paris für die Fernsehsendung „Durch die Nacht mit…“ mit Wolfgang Joop getroffen hat. Den ganzen Anzug mag ich immer noch sehr gerne. Ab der sechsten Modenschau gab es einen großen Bruch, da ist bei mir was im Kopf passiert. Und auch schnitttechnisch hat sich einiges getan. „Leg Dich neben mich“ ist immer noch eine meiner Lieblingskollektionen. Da gibt es ein schwarzes Kleid mit einem asymmetrischen Ausschnitt, das hat Anke Engelke bei der Pressekonferenz und dann bei der Moderation des Halbfinales des Eurovision Song Contest getragen. Sie wollte es auch im Finale anziehen, aber das haben sie ihr untersagt. Zu dieser Zeit habe ich meine Zweitlinie „Kilian Kerner Senses“ herausgebracht. Die Senses-Kollektion war die beste Idee, die ich je hatte. Sie hat die Türen in die Läden geöffnet. Mit der Zweitlinie konnte ich den Druck aus der Premiumkollektion rausnehmen, die durch die „Kilian Kerner Senses“-Kollektion nun auch sehr gut platziert wird.

JULI 2011 Das würde ich alles noch mal so machen. Die Farben sind hier fröhlicher, und ich habe beschlossen: Jetzt will ich Strick machen. Der Gürtel war die Idee des Stylisten, da wäre ich nie drauf gekommen. Der hat einiges gemacht, das ich erst einmal abgelehnt habe. Aber der Blick von außen war gut, plötzlich sahen meine Kleider ganz anders aus.

JANUAR 2012 Das war bisher meine androgynste Kollektion. Es gab viel Grobstrick, Lagenlook, die Models trugen flache Schuhe. Auch darauf hat mich der Stylist gebracht. Die Kollektion war sehr durchdacht. Ich glaube, sie hat einige überrascht. Da haben viele aufgehört, zu lästern.

JULI 2012 Im Sommer gab es das erste Mal Sandalen mit Strümpfen. Der Schmuck waren Eiswürfel, die am Körper schmolzen. Die Kollektion hat eine klare Aussage, ich hatte in der Saison viel Zeit, um mich um das Design zu kümmern. Der Pulli mit dem Gesicht drauf ist für mich eines der schönsten Teile, die ich je entworfen habe. Das Kleid mit den Lurexfäden ist irre empfindlich, man kann es nicht oft tragen, aber es sieht großartig aus.

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