Kunst und Handwerk : Rücklichter zu Broschen

Schmuck zwischen Kunst und Handwerk. Im Rahmen der Ausstellung „Extreme Crafts“ im Freien Museum in der Potsdamer Straße wird gezeigt, wie Künstler sich mit dem Thema Handwerk und Kunst auseinandersetzen.

Gesa Steeger
Dies ist ein Auto mit Fell
Dies ist ein Auto mit FellFoto: promo

Mein Auto, mein Haus, meine Uhr – der Mensch schmückt sich gerne mit materiellen Gütern. „Autos und Schmuck bewegen sich auf einer ähnlichen Ebene“, sagt die Künstlerin Susan Pietzsch. Wer an Autos denkt, dem kommen auch Begriffe wie Luxus, Macht und Erotik in den Sinn. Diese Begriffe fallen auch, wenn es um Schmuck geht. Ein Jahr lang arbeitete Pietzsch mit den Studenten der Schmuckklasse der Amsterdamer Gerrit Rietveld Akademie zusammen. Das Ergebnis wird jetzt im Rahmen der Ausstellung „Extreme Crafts“ im Freien Museum in der Potsdamer Straße gezeigt, in der Künstler sich mit dem Thema Handwerk und Kunst auseinandersetzen.

Auf den Wunsch vieler Leute, ihr Auto zu schmücken, reagiert die Künstlerin Bregje Sliepenbeck mit ihrer Arbeit. Die glänzende Oberfläche des Autos verschwindet unter einem dichten Mantel aus Pferdehaar. Dieser Schmuck verhüllt aber nicht nur, er bringt auch etwas zutage, denn das Pferd ist bekanntlich der Vorläufer des Autos. Schmuck ist hier also nicht nur Zierde, sondern auch Bindeglied zwischen Natur und Technik.

Wer der Vorstellung nachhängt, dass Schmuck möglichst viel glitzern sollte, den belehrt die Arbeit von Jing He eines Besseren. Aus Rücklichtern fertigt er bunte Broschen, die sich am besten mit dem Wort avantgardistisch beschreiben lassen. Tragbar sind sie nicht. Oder doch?

Alltagstauglichkeit interessiert Susan Pietzsch nicht. Ihr geht es vor allem darum, den traditionellen Schmuckbegriff aufzubrechen. „Die Grenzen zwischen Kunst und Handwerk verschieben sich. Was Kunst ist und was Handwerk, lässt sich in Bezug auf Schmuck nicht mehr unterscheiden“, sagt sie. Neu ist dieser Ansatz nicht. „Es gibt viele Labels, die modernen Schmuck machen“, sagt die Künstlerin. Das Problem sei nur, dass die Schmuckszene so in sich geschlossen sei, dass die Öffentlichkeit bisher kaum Notiz von den Entwicklungen genommen habe.

Damit sich das ändert, hat sie 1997 die Kunstorganisation „Schmuck2“ gegründet. Gemeinsam mit Künstlern, Designern und Kunsttheoretikern arbeitet sie daran, dass zeitgenössischer Schmuck eine Plattform erhält.

Extreme Crafts bis 31. August, Freies Museum, Potsdamer Straße 91, Tiergarten.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben