Live-Blog zur Fashion Week Berlin zum Nachlesen : Die Mode lebt und Michalsky steht noch!

Die Berliner Fashion Week ist mit einem großen Finale zu Ende gegangen. Lesen sie alles rund um die Modewoche noch einmal in unserem Blog nach.

von , , , , und Manuel Almeida Vergara
Designer Michael Michalsky empfiehlt sich. Und wir ihn und uns auch.
Designer Michael Michalsky empfiehlt sich. Und wir ihn und uns auch.Foto: dpa

Sonnabend, 13.30 Uhr - Zum Abschied: Man kann es nicht oft genug schreiben: Die Berliner Modewoche funktioniert. Ja ja, wenn man es darauf anlegt, sieht man vor lauter C-Promis, dümmlichem Spektakel und Hunden in Kleidern das nicht, worum es eigentlich geht: DIE MODE. Und ja, um ein paar wirklich schöne Dinge zu entdecken, muss man viel Mittelmäßiges bis Schlechtes ertragen, immerhin sprechen wir inzwischen von mehr als 50 Modenschauen und 3000 Ausstellern auf den Messen, die sich 200.000 Besucher anschauten. Aber dann gibt es eben doch diese Momente, in denen man weiß – es lohnt sich, sich die Arbeit der Designer anzuschauen, weil man Kleider sieht, die die Zukunft etwas schöner machen. Davon berichten wir weiter auf diesen Seiten in Print und Online (auch in unserem Blog zwischen den Fashion Weeks) und über die Messen, die Mode in Berlin erst richtig zum Standortfaktor machen.

Und, last but not least: Das Beste zum Schluss, Marina Hoermanseder (hier zum Nachlesen).

21.12 Uhr - Das Ende ist dann wie immer: Michael Michalsky lässt sich feiern und läuft einmal über den wirklich sehr langen Laufsteg und sieht auch aus wie immer - keine Blumen im Haar, kein feines Tuch. Turnschuhe trägt er also immer noch am liebsten - die entwirft er ja auch immer noch selbst.

Und passiert ist ihm auch nichts mehr - puuh, unsere Wünsche scheinen geholfen zu haben! Dann kann er ja jetzt gemütlich mit denen feiern, die nicht weiter zur Sause der Vogue ins Borchardt müssen. Da treffen sich noch mal alle und diskutieren über den Modestandort Berlin (mehr über dessen Zukunft lesen Sie am morgigen Samstag im gedruckten Tagesspiegel).

Wir vom Live-Blog sind auch dabei und freuen uns schon auf die Minischnitzel. Denn auch das haben wir diese Woche gelernt - essen geht immer. Bis zum nächsten Mal!

21.05 Uhr - Ein Sturz reicht: Wir haben unseren Michie ja heute schon einmal stürzen sehen, beim Abschluss seiner StyleNite ist aber alles zum Glück gut gegangen.

20.41 Uhr - Wie Wolfgang wollte er sein: Als sein großes Vorbild hat Michalsky ja mal Wolfgang Joop genannt, der hatte ja auch keine Lust mehr auf sein Label Joop! Und gründete Wunderkind.

Das hier ist nicht ganz so aufwendig, aber ganz schön weit weg von seinen bisherigen Kollektionen. Viel mehr Stoff, unterschiedliche Materialen, große Hüte - ach, was - riesige Schüsseln und viel Stickerei. Es wird ordentlich Seide über den Laufsteg geschleppt - und Männer mit Blumenkränzen sind natürlich super niedlich:

20.34 Uhr - Die Spannung steigt: Yeeeah, Spandau Ballett mit "Gold" in großer Orchestrierung, dann Taco mit "Puttin' on the Ritz", das ist auf jeden Fall anders und sehr viel aufwendiger als seine bisherige Kollektion.

20.30 Uhr - St. Michalsky: Im Januar hatte Michael Michalsky mit seiner Schau ausgesetzt - er hatte das Geld für die Schau stattdessen an Ärzte ohne Grenzen gestiftet, als Reaktion auf die Ebolaepedemie. Ob er da schon wusste, dass es keinen Sinn macht, weiter mehrere Kollektionen im Jahr zu entwerfen, ist wahrscheinlich - er ist ja ein alter Fuchs. Und da er sein Geld auch mit Kooperationen verdient, muss er auch unter eigenem Namen entwerfen. Jetzt hat er, laut eigener Aussage, viele Monate lang an einer handgefertigten Kollektion gearbeitet - nah dran an der Haute Couture. Das heißt hohe Schneiderkunst und bedeutet nichts anderes als dass es jedes Kleidungsstück nur einmal gibt - und vorwiegend von Hand gearbeitet ist.

Oh... Jetzt werden Plätze aufgefüllt und die Türen geschlossen. Hoffen wir mal das die Haute Couture nicht so falsch ist wie der Pomp und Puten in diesem Hotel....

20.20 Uhr - Finaaaleee: Dies ist die letzte offizielle Show der Fashion Week. Und es ist ein sportlicher Abschluss: Lilly Ingenhoven hat sich von Tennis inspirieren lassen, das haben nicht nur der grüne Kunstrasen und die Tennisschläger verdeutlicht. Ihre Kollektion war eine einzige Interpretation des klassischen Hemdes: Als Robe, als Mini-Kleid, als Bluse. In hellblau, weiß oder in leichten Streifen entstand eine stimmige Linie, die allerdings den ein oder anderen Bruch vertragen hätte.

Stimmig, aber etwas zu glatt: Die Schau von Lilly Ingenhoven.
Stimmig, aber etwas zu glatt: Die Schau von Lilly Ingenhoven.Foto: promo

Und Michalsky? Der läuft natürlich außerhalb des offiziellen Schauenplans, außer Konkurrenz quasi, überhaupt außerhalb aller normalsterblichen Sphären.

20.16 Uhr - Michalsky sagt die Mode tot - und alle sind gekommen: Das ist aber groß hier. Nach einer eher intimen Veranstaltung sieht das hier nicht aus. Im großen Ballsaal des Ritz Carlton steht Stuhl an Stuhl, es sollen wohl möglichst viele Leute dabei sein, wenn Michael Michalsky die Mode für tot erklärt.

Michalsky muss es ja wissen...
Michalsky muss es ja wissen...Foto: Grit Thönnissen

Die Mehrzahl der Leute sieht auf jeden Fall so aus, als gäbe es richtig was zu feiern oder als wenn sie ihren Abiball nachholen wollten - dazu spielt jemand am Klavier dramatisch kitschig Chopin. Jetzt bitte schnell runter mit dem Champagner, dann kann es los gehen!

19.40 Uhr - Im Zelt brennt noch Licht: Und so sieht es übrigens aus, wenn die Schauen vorüber sind. Im Zelt am Brandenburger Tor lässt nur noch die Lichtmaschine erahnen, was hier vor Kurzem noch los war.

19.30 Uhr - Brumm Brumm: Fyodor Golan waren auf heißen Schlitten unterwegs. Die beiden Briten haben bunte Autos auf ihre Stoffe gedruckt. Ohnehin war die gesamte Kollektion sehr farbenreich. In der ganzen Bandbreite, was man schnitttechnisch so machen kann - Rüschen, Falten, Lagen -, wurden sehr vielseitige Ensembles kreiert.

Farbenfeuerwerk bei Fyodor Golan.
Farbenfeuerwerk bei Fyodor Golan.Foto: dpa

Das war auf jeden Fall nichts für schwache Nerven, aber hat ordentlich Laune gemacht. Als letzte Schau in den Zelten schlossen Fyodor Golan mit einem Knall!

18.00 Uhr - Einem Journalisten sollten nie die Worte fehlen: Manchmal ist es aber soweit... Versuchen wir es trotzdem. Die Kollektion von Isabel Vollrath ist hauptsächlich eines - konfus. Zu viele Ideen, zu viele Referenzen, zu viel von allem. Die avantgardistische Kollektion könnte im musealen Zusammenhang funktionieren, für den Laufsteg ist sie nichts, geschweige denn für den Alltag. Plastik-Materialien verstärkten das.

Aber: Schnitttechnisch lieferte Isabel Vollrath eine Glanzleistung. Die Schnitte waren äußerst komplex und perfekt umgesetzt. Auch Kleider, aus Hemdsärmeln zusammengenäht, waren interessant. Nur am Stil könnte noch etwas gefeilt werden.

Etwas konfus: Die Schau von Isabel Vollrath.
Etwas konfus: Die Schau von Isabel Vollrath.Foto: Manuel Almeida Vergara

17.40 Uhr - Götterdämmerung: Ab 20 Uhr zeigt Modedesigner und Marketing-King Michael Michalsky heute Abend im Hotel Ritz Carlton am Potsdamer Platz zum ersten Mal Haute Couture. Nur noch handgefertigte Einzelstücke und keine Massenware mehr - darauf setzt Michalsky nun, weil er nämlich nicht mehr an das System der Mode glaubt.

Wir vom Fashion-Week-Live-Blog glauben auf jeden Fall noch immer an Michalsky, hat er uns doch seine wundervolle Statue aus dem 3D-Drucker höchstpersönlich zukommen lassen und uns zu seiner heutigen Schau ganz herzlich eingeladen. Eine große Ehre für uns, war Michalsky doch in den vergangenen vier Tagen der Schutzpatron des Live-Blogs und wachte von seinem Sockel über unsere Taten.

Nun, am allerletzten Tag der Fashion Week, ist das Unvorstellbare passiert: Man kann nur noch darüber spekulieren, wie es genau passiert ist, es ging einfach alles so verdammt schnell: Irgendwie ist die geweihte Michael-Michalsky-Statue in den Wirren des Redaktionsschlusses vom Sockel gestoßen worden. Es tut uns so unendlich leid. Hoffentlich ist das kein schlechtes Omen für heute Abend. Hals- und Beinbruch, Michie!

16.40 Uhr - Ein Hoch auf die Familie: Bei Ewa Herzog wurde jeder zweite Look beklatscht - warum? Das wissen wohl nur die Klatschenden selbst. Wie immer zeigte die Designerin viel Spitze zu unterschiedlichen Kleidchen vernäht. Das ein oder andere war ihr gelungen, in der Masse war die Kollektion jedoch sehr eintönig. Trotzdem gab's am Ende vereinzelt Standing-Ovations. Da waren wohl viele Freunde und Verwandte im Publikum.

Ein seltener Moment: Bei Ewa Herzog wird mal gerade nicht geklatscht.
Ein seltener Moment: Bei Ewa Herzog wird mal gerade nicht geklatscht.Foto: Manuel Almeida Vergara

16.15 Uhr - Häkeln auf Türkisch : Je später die Stunde, desto schöner die Gäste: Aufhübschen können sich Besucher des Late-Night-Shopping mit den Häkelaccessoires von Rita in Palma, die 30 bis 50 Prozent reduziert sind. Gehäkelt wird das Beiwerk von Designerin Ann-Kathrin Carstensen zusammen mit türkischen Frauen. Zum Event gibt’s auch türkische Leckerbissen! heute in der Kienitzer Str. 101 in Neukölln von 11 bis 22 Uhr!

14.59 Uhr - Geld vom Senat: Beim Wettbewerb Wearable IT/Fashion Technology stellten Gründer und Entwickler tragbare Technologien vor: fertige Produkte oder Geschäftskonzepte. Schließlich gab es zwei Sieger. Und der Senat schaffte es tatsächlich, kein Bild zur Verleihung herauszugeben - obwohl Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer da war.

14.05 Uhr - Läuft: Da klickt es besonders gut heute bei den etwas andern „Misfit Models“ - hier finden Sie den bisher bei uns meistgelesenen Text am letzten Tag der Fashion Week.

13.46 Uhr - Uns einen gezwitschert: Ja, uns gibt es noch nicht so lange auf Twitter. Aber wird arbeiten uns bescheiden nach vorn, gerade eben haben wir auf Twitter unseren 200. Follower gewonnen.

13.39 Uhr - Dorothee Schuhmacher bringt uns auf die Palme: Grün war der Laufsteg, grün war die Einladung - und persönlich. Fast. In (gedruckter) Schreibschrift stand auf Papier mit ausgefransten Rändern "Lovely to see you" und dann offenbarte Frau Schumacher, wie sehr sie dieser Moment berühre. Inmitten der Faszination für Mode, Technologie und Schnelligkeit seien wir ja alle auf dem Weg, "uns zu erden". Schade nur, dass bei aller Erdung mindestens eine Pflanze leiden musste. Ein Stück Trendpalme klebte auf der Einladung. Nun sind wir uns in der Redaktion nicht darüber einig, wie sie heißt. Auch ergab das Googeln von "Trendpalme" noch kein Ergebnis. Antwort ist willkommen (Foto unten):

Schön, Euch zu sehen. So lud Dorothee Schumacher ein.
Schön, Euch zu sehen. So lud Dorothee Schumacher ein.Foto: Claus Vetter

13.28 Uhr - Ich lade dir schon mal dein Kleid auf, Schatz! Wir waren auf der #Fashiontech. Die Konferenz tagt zum dritten Mal in Berlin, es geht um die Frage, wie Mode und Technik zueinander finden, Antworten darauf hier.

13.04 Uhr - Modemenschen im Burgerhimmel: Natürlich sind wir nicht zum Essen, sondern zum Arbeiten auf der Fashion Week - das hat unsere Mode-Chefin zu Beginn der Fashion Week klargestellt. Deshalb können wir zu der Qualität der gereichten Speisen (sofern es etwas zum Knabbern gab) nichts sagen, wir wissen nur so viel: Burger sind DAS DING in der Fashion-Welt. Gern in Mini-Form wie bei Kaviar Gauche/Snoopy in Fashion oder bei holyGhost im Freibad Haubentaucher. Auch bei Hugo Boss und bei der Farah Pool Party gab's den Klassiker der US-amerikanischen Küche. Hoffentlich ist hinterher nicht das eine oder andere Designerteil gerissen, wär' ja schade!

Leichter ging es da schon bei den Shop-Eröffnungen vom Luxus-Seifen-Brand Aesop und vom Taschen-Label Horizn zu: Es gab jeweils ein "Cracker-Reis-Gemüse-Ding" (O-Ton Kollege) und Sushi. Ob es unsere Kolumnistin von der letzten Fashion Week satt gemacht hätte?

Einen besonderen Tweet zum Thema Essen möchten wir Ihnen nicht vorenthalten (die armen Models!):

12.28 Uhr - Feuchte Augen und Kugelröcke. Geigen und Vogelgezwitscher am Anfang bei Hoermanseder dann kommt hohe Handwerkskunst aus geformten Leder - wie man das von Österreicherin gewöhnt ist - dieses Mal Kugelröcke mit Lederblüten, enge Röcke aus Lederriemen und gegossene Kunststoff-Corsagen dazu aber auch jede Menge tragbare Kleider Blusen und weite Hosen aus Waschseide Velourleder und weißer Baumwolle mit Lochstickerei. Das sieht dann fast ein bisschen nach gnäd'ger Frau aus - aber das ist eine Stilnote die Berlin durchaus gebrauchen kann. Am Schluss gab es für Mama und Papa im weißen Jackett noch einen dicken Bussi - der Vater hatte vor Rührung ganz feuchte Augen, weil das Publikum die Designerin feierte.

Schicke Kulisse. Marina Hoermanseder zeigte ihre Kollektion im Garten des Kronprinzenpalais.
Schicke Kulisse. Marina Hoermanseder zeigte ihre Kollektion im Garten des Kronprinzenpalais.Foto: dpa

11.40 Uhr - Aufmerksamkeit für die Abschlusskollektion: Am Beispiel von Annelie Schubert zeigt sich, dass es sich lohnt, Abschlusskollektionen Aufmerksamkeit zu schenken. Sie hat es mit ihrer Kollektion, die sie als Meisterschülerin an der Kunsthochschule Weißensee fertigte, ins französische Hyères und wieder zurück auf die Fashion Week geschafft. Mehr dazu hier.

11.20 Uhr - Surfgirls bei Malaika Raiss: Bei knallender Nachmittagssonne zeigte Malaika Raiss gestern im Berliner Palais am Festungsgraben ihre neue Kollektion und ließ lässige Surfgirls über das Fischgrätparkett der holzvertäfelten Räume laufen. Mit Sleek-Look, zarten Kleidern, transparenten Blusen und runden Strohhüten erinnerte der sehr stimmige, erwachsene Look an Sommer, Sonne und Bronzeteint. Goldrichtig

10.36 Uhr - Dorothee Schumacher mag Blumen. Das haben heute nicht nur ihre Prints bewiesen, die ohnehin oft floral bestimmt sind, sondern auch das Setting des Stage-Laufstegs: Das war mit reichlich Grün und exotischen Blüten in einen Dschungel verwandelt worden. Die Kollektion führte die Uhrwal-Inspiration fort - beige Safari-Looks, wilde Mustermixe und besagte Blumen-Dessins. Auch für Schumacher scheint die Schulter DAS Körperteil der Stunde zu sein. Viele Ensambles legten die Schulter frei. Alles in Allem ein sehr gelungene Linie, die aber recht klein ausgefallen zu sein schien.

Diese Saison immer im Fokus: Die Schulter. Auch bei Dorothee Schumacher.
Diese Saison immer im Fokus: Die Schulter. Auch bei Dorothee Schumacher.Foto: Manuel Almeida

Freitag, 10.11 Uhr - Auf in den Endpsurt: Der Rücken tut weh, die Augenlider sind schwer - der letzte Tag der Fashion Week ist angebrochen! Schwächeln ist heute aber nicht drin, denn es passieren noch ziemlich spannende Sachen. Kostprobe gefällig? Dorothee Schumacher legt in diesen Moment am Brandenburger Tor los, um 11.30 Uhr zeigt Marina Hoermannseder im Kronprinzenpalais und ab 14 Uhr startet der Berliner Mode Salon, bei dem Lokalmatadore wie Isabell de Hillerin, Vladimir Karaleev und Tim Labenda.

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