Look : Das Gesetz der Straße

Skate- und Streetwear ist Mode, bei der Authentizität eine große Rolle spielt. Auf der Bright treffen sich die Aussteller wie bei einem Klassentreffen.

Romy Uebel

Marken wie Vans oder Stüssy starteten einst als freigeistige Antimode zur etablierten Masse. Heute ist Streetwear längst ein Millionengeschäft, und jedes Kaufhaus präsentiert eigens entworfene Kollektionen mit bunten Drucken und plakativen Schriftzügen. Die Frage danach, wie authentisch Streetwear heute noch sein kann, beantwortet die Bright Tradeshow.

Nach fünf erfolgreichen Jahren in Frankfurt findet die Veranstaltung nun erstmals in Berlin statt. Ort des Geschehens ist das ehemalige Versorgungsgebäude der DDR-Staatssicherheit, das Haus 18 des Stasi-Komplexes in der Normannenstraße in Lichtenberg.

Der Grund, warum die Initiatoren Marco Aslim und Thomas Martini gerade diesen Ort wählten, liegt in der Natur der Sache. Ihre Aussteller suchen nach Individualität und Raum, um sich zu verwirklichen; öde Messehallen sind dafür ungeeignet. „In Frankfurt fand die Bright im ehemaligen Polizeipräsidium statt, einem sehr beeindruckenden historischen Bau“, sagt Martini. „Dort entstand die Idee, Marken in einzelnen kleinen Räumen zu präsentieren, die die Aussteller selbst gestalten können, nicht in riesigen Hallen mit einzelnen Ständen.“

Die Idee funktionierte: Die Bright begann als regionale Orderplattform mit nur 40 Marken, zur letzten Januarveranstaltung präsentierten sich schon über 300, darunter große Namen wie Adidas, Nike und Converse. Zu verdanken ist der Erfolg sicherlich dem Hintergrund der beiden Macher. Seit 15 Jahren arbeiten sie als Agenten für Labels wie Lakai, Onitsuka Tiger, Reell Jeans, Asics Sportstyle, Fenchurch oder Matix. Sie kennen die Bedürfnisse der Händler wie die der Marken und verfügen über feste Netzwerke in der Szene.

Viermal so viele Fachbesucher wie in Frankfurt meldeten sich an, die Hälfte aus dem Ausland

Der Wunsch, nach zehn Saisons in die Hauptstadt umzuziehen, kam in erster Linie aus den Reihen der Aussteller. Der Kreis der reisefreudigen Neukunden blieb überschaubar, obwohl zeitweise über 5000 Fachbesucher die Frankfurter Veranstaltung besuchten.

„Frankfurt war super, aber es wurde Zeit für etwas Neues“, erzählt Aslim. „Berlin hat uns mit offenen Armen empfangen. Die Zusammenarbeit mit der Deutschen Bahn, unserem Vermieter, funktioniert hervorragend, und wir sind sehr dankbar über die Unterstützung des Bezirksamts Lichtenberg.“

Straßensperrungen und veränderte Verkehrsführungen im Umfeld der Normannenstraße wurden vor allem nötig, um den Skatepark zu bauen, ohne den die Bright nicht das wäre, was sie ist. Das Skaten und die dazu gehörigen Labels bilden den Kern der Messe. Im Gegensatz zu Frankfurt ist der Park in der Hauptstadt auch für Nichtfachbesucher zugänglich.

„Der Skatepark gehört zur Bright. Wir sind stolz, dass unsere Aussteller ihre Profis bei uns Demos fahren lassen“, sagt Aslim. Insider dürften bei Namen wie Brian Anderson, P-Rod, Eric Koston und Marc Johnson, Paul Shier, Ethan Fowler und Rune Glifberg ins Schwärmen geraten, denn sie zählen zur Weltelite. An drei Tagen präsentieren verschiedene Fahrer kostenlos ihr Können, außerdem stehen Wettbewerbe mit Preisgeldern an.

Im Skatepark, wo sich die Stars der Szene treffen, sind alle Zuschauer willkommen

Selbst Laien haben den Namen Tony Hawk vielleicht schon mal gehört. Die Skateboard-Legende Die Skateboard-Legende gab sich gestern tagsüber in Lichtenberg die Ehre, am Abend zeigte er sein Können auf einer gigantischen Show mit dem Live-Act N.E.R.D. in der Max-Schmeling Halle.

Die Bright profitiert vom Image der Stadt Berlin und der Bread & Butter, die um einen Tag zeitversetzt stattfindet. Die Registrierungen vor der Messe waren Anfang der Woche bereits fünfmal so hoch wie zu Frankfurter Zeiten, 50 Prozent der angemeldeten Fachbesucher kommen aus dem Ausland. „Das Family-Gefühl war in Frankfurt eine wichtige Komponente, daran soll sich auch in Berlin so wenig wie möglich ändern. Unseren Ausstellern sind die Atmosphäre und das Markenumfeld wichtig“, erklärt Aslim.

Die Mischung aus bekannten Namen und spannenden Newcomern macht den Charme des Events aus. Bekannte Marken wie Cleptomanicx, Iriedaily oder Wemoto wuchsen mit der Messe, kleine T-Shirt-Labels und aufstrebende Sneakermarken hoffen darauf, von den Einkäufern der großen Häuser wie Peek & Cloppenburg, Titus, Planet Sports oder dem Online-Versender Frontlineshop entdeckt zu werden. Sie alle haben ihren Besuch in Berlin angekündigt.

Und obwohl Streetwear längst kommerzialisiert ist, schwingt der feine Hauch von Solidarität noch immer mit. Netzwerke und soziale Kompetenz entscheiden über Erfolg und Misserfolg, auf der Bright stellt sich dann schnell der Eindruck eines globalen Klassentreffens ein. Auch wenn entspannte Stimmung im Vordergrund steht – es werden Geschäfte gemacht, nur eben nicht steif wie auf vielen Messen, sondern locker im Vorbeigehen oder auf einer der abendlichen Partys.

Gleich mehrere davon finden an den drei Messe-Abenden statt, einige sind auch für die Öffentlichkeit zugänglich. Um den Endverbraucher außerdem Teil am Geist der Veranstaltung haben zu lassen und zusätzlich in der Innenstadt präsent zu sein, mietete das Bright-Duo die Räumlichkeiten der alten Fleischerei in der Torstraße 116 in Mitte an.

Hier werden Donnerstag bis Sonntag ab 21 Uhr 30 Getränke und Snacks gereicht, am ersten Abend legten im Rahmen einer Ausstellung diverse internationale DJs auf. „Kunst und Musik spielen in unserem gesamten Konzept eine große Rolle“, sagt Martini. „In Berlin veranstalten wir zum ersten Mal die Art Bright. In der 400 Quadratmeter großen Area auf der Messe präsentieren sich internationale Kreative, Verleger und Galerien. Es geht vor allen Dingen um Kunstformen, die aus dem Bright-Umfeld stammen und zum Lebensgefühl aus Sport, Musik und Mode passen.“

Aber nicht nur den bunten Lifestyle- Themen, auch der Geschichte des Gebäudes zollen die Macher Respekt. In einer Ausstellung können sich die Besucher über die Vergangenheit des Hauses informieren, das Bright-Ticket ermöglicht außerdem den freien Eintritt zum benachbarten Stasi-Museum. „Wir sind uns bewusst, dass der Veranstaltungsort ein sensibles Thema ist. Wir freuen uns aber auch, diesen tollen Räume, die so lange leer standen, neues Leben einzuhauchen“, sagt Martini.

Viele der Lichtenberger Anwohner zeigten sich von den vielen lässig gekleideten jungen Menschen und den klackernden Skateboardrollen überrascht und neugierig. Der Stadtteil ist in diesen Tagen deutlich bunter als sonst. Sowohl Bezirksamt als auch Vermieter haben den nächsten Bright-Termin im kommenden Januar bereits bestätigt.

Skatedemos: 9. Juli, 14 Uhr Matix Team, 15 Uhr Contest; 10. Juli, 14 Uhr Element Contest, Normannenstraße 19

Bright Bar: bis 10. Juli, 9.30 Uhr (open end), Torstraße 116, Mitte.

The Bright Experience Extraordinaire Bowl Contest und Party: 9. Juli, 19 Uhr BBQ und Bowl Contest, 22 Uhr Party, Eintritt 6 Euro. Cassiopeia / Skate Halle, Revaler Straße 99, Friedrichshain.

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