Marc Cain : Ein Mode-Schwabe auf der Fashion Week

Helmut Schlotterer steckt hinter dem erfolgreichen Label Marc Cain. Nun ist er zum ersten Mal auf einer Berliner Messe Panorama vertreten. Seine neueste Strickmaschine aus Schwaben brachte er gleich mit.

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Mode aus der aktuellen Kollektion: Marc Cain verkauft mittlerweile in 59 Länder
Mode aus der aktuellen Kollektion: Marc Cain verkauft mittlerweile in 59 LänderFoto: Promo

Eigentlich hält Helmut Schlotterer, der 66-jährige Gründer, Eigentümer und Geschäftsführer von Marc Cain, wenig von Messeauftritten. Seine Firma aus dem schwäbischen Städtchen Bodelshausen ist für hochwertige Strickwaren bekannt; ihre Händler trifft sie in den eigenen Showrooms. 22 sind es mittlerweile weltweit, einer davon befindet sich am Osthafen in Berlin. Das Geschäftsmodell funktioniert, weit über 200 Millionen Euro setzt das Unternehmen weltweit um.

Auf die Panorama ist Marc Cain trotzdem gekommen – allerdings nicht mit einem konventionellen Stand, auf dem die aktuellen Kollektionen aufwendig inszeniert werden. Im Mittelpunkt steht stattdessen eine unscheinbar wirkende Strickmaschine, die aber hoch innovativ ist. Sie stellt komplette Kleidungsstücke her statt einzelner Teile.

Die Maschine repräsentiert die Besonderheiten von Marc Cain besser, als es die Kollektionen können. Das Unternehmen betreibt eine eigene, hochmoderne Strickerei am Stammsitz. Sie ist ein Beispiel dafür, dass auch in Deutschland noch Kleidung produziert werden kann, wenn man es denn clever anstellt. Flexible Arbeitszeitmodelle seien dafür nötig, erläutert Schlotterer, und ein Gespür für technische Innovationen: Die neue Strickmaschine wurde von den eigenen Ingenieuren zusammen mit dem Hersteller entwickelt.

Schlotterer kann sich für solche Neuerungen begeistern: „Ich habe ein Faible für Technik, schließlich komme ich aus einer Textilfamilie.“ Nach dem Studium gründete er 1973 in Italien eine eigene Modemarke, weil er raus wollte aus der deutschen Provinz: „Den Namen habe ich von einem Kanadier übernommen, mit dem ich dort zusammenarbeitete.“ Marc Cain klinge einfach besser als Schlotterer.

Als in der Textilfirma seines Vaters einige Jahre später wie in vielen anderen deutschen Betrieben „die Lichter auszugehen drohten“, übernahm Schlotterer die Fabrik und machte sie zum Fertigungsbetrieb für seine Marke. Mit Erfolg, weil Schlotterer früh auf moderne Maschinen setzte: „Technische Überlegenheit ist das, was den Standort Deutschland auszeichnt.“ In diesem Bereich ist Marc Cain führend.

Helmut Schlotterer ist der Chef von Marc Cain. Auf der Panorama im Expocenter am Flughafen BBI stellt er seine Strickmaschine aus.
Helmut Schlotterer ist der Chef von Marc Cain. Auf der Panorama im Expocenter am Flughafen BBI stellt er seine Strickmaschine aus.Promo

Das liegt an der Struktur des Unternehmens. Schlotterer ist der alleinige Inhaber, Rücksicht auf Investoren oder Banken muss er nicht nehmen. „Ich wollte immer schon so viel Eigenkapital aufbauen, dass die Kerle mir nicht mehr sagen können, wo es lang geht“, erklärt er. Den Kurs bestimmt er selbst: „Ich weiß um meine Verantwortung und investiere gerne Geld in die Firma. Ich erlaube mir eine Politik, die auf andere nicht übertragbar ist“ Bei Marc Cain kommen die neuesten technischen Errungenschaften zum Einsatz.

Die neue Strickmaschine ermöglicht Marc Cain nun, die darauf gefertigten Produkte mit dem Gütesiegel „100 Prozent made in Germany“ zu bewerben, da die Kleidungsstücke nicht mehr in Osteuropa zusammengenäht werden müssen. Garne bezieht sein Unternehmen aus Italien, auch das Design ist italienisch inspiriert. Gestrickt und gedruckt wird größtenteils in Bodelshausen, genäht in Ungarn und Rumänien. „Made in Germany“ ist für Schlotterer aber kein Selbstzweck: „Ich muss auch den Beweis antreten, dass ich mit der einheimischen Fertigung einen realen Mehrwert schaffe“, sagt er.

In ihrer Außendarstellung behandelt die Marke das Thema Produktion noch zurückhaltend. „Es ist schon blöd, das nicht stärker zu kommunizieren“, räumt Schlotterer ein. Aber er ist eben ein klassischer Modemanager: Wichtig sei zuerst die Begehrlichkeit, sagt er, also dass den Kundinnen die Kleidungsstücke gefallen. Das Bekenntnis, nicht unter menschenunwürdigen Bedingungen in asiatischen Billiglohnländern fertigen zu lassen, sei nur ein zusätzliches Element im Gesampaket. Eines, das zunehmend wichtiger wird: Kundinnen interessieren sich inzwischen stärker für die Umstände, unter denen ihre Kleidung produziert wird. Diese Entwicklung führte schon zu einem Sinneswandel: „Wir haben lange unsere schwäbischen Wurzeln versteckt. Die erschienen uns nicht glamourös genug für die Modebranche.“ Inzwischen bekennt sich die Marke selbstbewusst zu ihrer Identität.

Es geht bei Marc Cain – wie bei den meisten übrigen Marken, die zurzeit auf der Panorama ausstellen – eben um andere Qualitäten als dieser Tage im Berliner Zentrum, nicht um Glamour und den schönen Schein. Dem Modezirkus begegnet Schlotterer mit einer gesunden Distanz. Zwar veranstaltet seine Firma eine Modenschau im feinen Hotel de Rome – aber nur, weil das „unsere Presseabteilung für wichtig hält“, sagt er mit feiner Ironie. Er bräuchte das nicht, weil er weiß, dass sein Unternehmen auch ohne solche Aktionen erfolgreich sein kann. Eben, weil es solide deutsche, um nicht zu sagen: schwäbische Tugenden verkörpert.

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