Mode - Berliner Stil : Bea Szenfeld: Haute Couture aus Papier

Bea Szenfeld erzählt Geschichten mit Kleidern aus Papier. Jetzt sind die Entwürfe im Bikini Berlin zu sehen. „Everything You Can Imagine Is Real“, lautet der Titel der Ausstellung.

Sophia Steube
Blätterwald. Bea Szenfeld vor ihren Kunstwerken.
Blätterwald. Bea Szenfeld vor ihren Kunstwerken.Foto: promo

Zierliche Blüten, dicht aneinander gereiht, Ecken und Kanten, die im Gesamtbild an eine Rüstung erinnern. Fließende Silhouetten, erzeugt von sorgfältig zugeschnittenen DIN A4-Bögen. Die Werke der Designerin Bea Szenfeld sind aus Papier, einem Material, das für Kleidung eigentlich ungeeigneter nicht sein könnte. Und doch werden die Kreationen getragen, von Lady Gaga oder Björk.

Szenfelds Entwürfe sind völlig unterschiedlich, einzig und allein verbunden durch das Material: ein Bärenfell, gefaltet aus zackigen Papiertütchen, ein Rock aus breiten Streifen, immer wieder Blüten und ein voluminöser Mantel aus aufgefädelten Papierscheiben. Von Weitem könnte man meinen, er sei aus echtem Pelz.

Wer über die runden, weißen Blättchen streicht, hört dieses Rascheln, als würde man ganz schnell durch die Seiten eines Buches blättern. Auch Bea Szenfelds Werke erzählen Geschichten. Eine ist besonders tiefgründig, die des Kleides, das aus Papierfiguren in menschlicher Gestalt gemacht ist. Die kleinen Körper sind mit Bleistift beschriftet. Namen. Bea Szenfeld hat sie aus Todesanzeigen übernommen. „Ich will, dass die Leute wissen, dass niemand vergessen ist, wenn er nicht mehr lebt.“

Diesen Monat sind die Entwürfe im Bikini Berlin zu sehen. „Everything You Can Imagine Is Real“, lautet der Titel der Ausstellung, sie ist in Zusammenarbeit mit mehreren schwedischen Künstlern entstanden. Fotografien zeigen Mitglieder des Ensembles der Königlichen Oper Stockholm in den Papierkleidern, Teile der Kollektion „Haute Papier“ selbst schmücken die Puppen im Ausstellungsraum. „Papier und ich, wir sind wie gemacht füreinander“, sagt Bea Szenfeld.

Bea Szenfeld benutzt keine Maschinen, um das Papier zu schneiden und zu formen

In ihren Werken stecken viele Monate Handarbeit. Schere, Zwirn, Falttechniken. Bea Szenfeld benutzt keine Maschinen, um das Papier zu schneiden und zu formen. Auch wenn ein Entwurf einmal nicht aufgeht, die DIN A4-Bögen nicht mitspielen und das Papier reißt – ihr Geduldsfaden tut es nicht.

Die Schwedin hat schon viel ausprobiert, versuchte mit Lebensmitteln zu arbeiten. Sie hat ein Kleid aus Nudeln kreiert. Was sie von Lady Gagas Fleisch-Outfit hielt? „Naja, ich bin Veganerin. Aber abgesehen davon finde ich, dass Lady Gaga eine der wenigen Personen ist, die etwas wagen und sich intensiv mit ihrem Äußeren und den Möglichkeiten von Kleidung auseinandersetzen.“

Genau dieser Gedanke steckt auch hinter ihren Papierkreationen. Bea Szenfeld lässt sich oft vom menschlichen Körper inspirieren. Ihre Experimentierfreude hat sie dorthin gebracht, wo sie heute ist. „Die Modewelt hat eine enge Vorstellung davon, wie Menschen aussehen sollen – dünn und wunderschön“, sagt sie. „Ich fokussiere mich lieber auf die Silhouette und will ein Bewusstsein für das Handwerk schaffen. Und dafür, dass Kleidung lange hält, wenn sie gut gemacht ist.“

- Die Ausstellung „Everything You Can Imagine Is Real“ ist im Bikini Berlin, Budapester Straße 42-50, Charlottenburg, bis 29. Oktober. Mehr zum Thema Mode hier.

0 Kommentare

Neuester Kommentar