Mode: Fashion Week Berlin : Baldessarini ist auf Technik-Entzug

Lasse Holger Mitterhusen mag Handarbeit und Emotionen. Am Donnerstagabend stellt er seine neue Kollektion vor.

Manuel Almeida Vergara
Gut gelaunt? Lasse Holger Mitterhusen.
Gut gelaunt? Lasse Holger Mitterhusen.Foto: promo

Selfies, Tweeds und Hashtags: Die Smartphones sind an den Berliner Modehänden festgewachsen. Nicht mit Baldessarini! Den Anstoß für die neue Kollektion, die die Münchner Marke am Donnerstagabend das erste Mal auf einem Berliner Laufsteg präsentiert, gab eine Reportage über „Digital Detox“, digitale Entzugsprogramme für gestresste Manager also. Chefdesigner Lasse Holger Mitterhusen hat sich fürs Aussteigen entschieden und beschäftigte sich mit traditionellen Völkern und deren Handwerk.

Vor allem die Nomaden der Mongolei haben es ihm angetan: „Meine Farben sind ihren Zelten entlehnt oder erinnern an ihre handgemachten Decken.“ Aber kann sich ein moderner Designer den technologischen Errungenschaften der Gegenwart wirklich entziehen? Nicht ganz: Privat schaut auch er zu oft aufs Handy. Bei der Arbeit aber verlässt er sich auf seine Hände: „Wir zeichnen so viel es geht.“

Seit Oktober 2014 hat Mitterhusen die Kreativleitung bei Baldessarini inne. Die Kollektion, die er heute Abend zeigt, ist die erste, mit der er sich für eine große Schau bereit fühlt. „Die Marke hat eine schöne Historie. Der Gründer Werner Baldessarini ist sehr charismatisch, das hat auch seine Mode gezeigt“, sagt er. „Aber eine Vitaminspritze tat dem Label gut.“

Die Kollektion ist besonders gefühlsbetont ausgefallen: In Zeiten, in denen die Kunden eigentlich alles im Schrank haben, was sie brauchen, sei es wichtig, Emotionen zu transportieren. Mit diesem Ansatz geht er vorsichtig um, den mit kommerziellem Erfolg zu vereinbaren, sei eine Kunst.

Keine Kompromisse will Mitterhusen beim Standort eingehen: „Als deutsche Marke sollte man sein Heimatland unterstützen“, sagt er. „Wenn man seine Hausaufgaben hier gut macht, muss man nicht nach der Internationalität anderer Städte schielen.“ Wer ausreichend Emotionalität in seine Mode legt, kann auch in Castrop-Rauxel zeigen. Schön, dass er sich trotzdem für Berlin entschieden hat!

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