Mode für Alle : Modeschmuck ist schöner als echt

Er ist fast so schlicht wie echter Schmuck, doch er verrät sich durch ein allzu makelloses Glitzern. Modeschmuck hat immer etwas mit Übertreibung zu tun.

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Modeschmuck aus der Ausstellung "Luxury for Fashion"
Modeschmuck aus der Ausstellung "Luxury for Fashion"Foto: promo

Hier wird nicht in Karat gemessen, die Frage lautet vielmehr: Viel unechter Glanz passt auf ein Schmuckstück?

In der Ausstellung „Luxury for Fashion“ geht es nicht um die Spielart des Modeschmucks, der sich deutlich vom Echtschmuck unterscheidet, der bunter, plakativer und aus Materialien wie Kunststoff oder Papier gemacht ist. Hier geht es um Prachtentfaltung. Den Mittelpunkt bildet der Schmuck des französischen Modehauses Christian Dior. Wenn schon falscher Schmuck, dann wenigstens ein echter Dior. Da war es sogar möglich, neue Steine zu erfinden wie den „Aurora Borealis“, einen irisierenden Edelstein aus Glas.

Dabei entstand Modeschmuck vor allem aus der Not heraus – die Weltwirtschaftskrise von 1929 machte echte Materialien wie Gold, Silber und  Edelsteine unbezahlbar. Mit viel Bling-Bling konnte man ablenken vom eigenen Untergang – oder beim Übergang nach oben etwas mehr her machen und den Bühnenstars nacheifern, die sich von Randfiguren zu Geschmacksvorbildern entwickelt hatten.

Auch, wenn sein Erfolg mit der Weltwirtschaftskrise 1929 begann – seine Blütezeit hatte der Modeschmuck in den fünfziger Jahren. Es gab wieder Anlässe, und selbst das schlichteste Cocktailkleid braucht ein bisschen Glitzern. Fake war in Ordnung. Besser so tun als ob, als sich gar nicht zu schmücken. Der Schmuck musste nicht teuer sein, aber zu jedem Kleid sollte etwas Passendes her. Das Spielerische kam mit dem „Wir sind wieder wer“ und „Jeder kann sich alles leisten“ zusammen.

Im Material ging es um die genaue Nachahmung: Glas geschliffen, bis es Smaragden und Diamanten ähnelte, Platin wurde mit einer Rhodiumbeschichtung imitiert, aus Japan kamen Kunstperlen. In der Form war der unechte Schmuck oft mutiger als echter, da gab es eine fleischfressende Blume, eine filigrane Kette mit Möhrenanhänger oder Erbsen in einer Schote in den Fünfzigern, eine Walnuss aus Palisanderholz in den Siebzigern und schließlich Anhänger in der Größe und Form von Weihrauchschwenkern in den Achtzigern.

Alle Stücke der Ausstellung kommen aus der Sammlung des Londoner Schmuckhändlers Lawrence Feldman, der bis vor gut zehn Jahren vier Boutiquen „Fior Collection London“ in London hatte. In den Achtzigern erlebte Modeschmuck noch mal eine kurze Hochzeit dank US-Serien wie „Dallas“ und „Denver“, deren aufgemotzte Hauptdarstellerinnen mit protzigen Accessoires ausgestattet wurden.

Spätestens in den neunziger Jahren war es damit vorbei, denn es gab einfach nicht mehr genug Gelegenheiten mit Modeschmuck zu glänzen. Das Private war wichtiger geworden als das Vorzeigen. So ist auch die Ausstellung in der Kunstbibliothek am Kulturforum wie ein Blick in die Schmuckschatulle der Großmutter: Der Schmuck ist geblieben, die Kleider dazu sind längst entsorgt.

Luxury for Fashion

Internationaler Modeschmuck der Fior Collection London 1950 – 1990

Kulturforum,  Kunstbibliothek bis zum 6. Oktober 2013

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