Mode : Gestrickte Kunst

Abstraktes Farbenspiel in Wolle: Case Studies strickt tragbare Kunstwerke.

Grit Thönnissen
Von Sonnenuntergangslila bis Himmelblau. Pullover von Case Studies.
Von Sonnenuntergangslila bis Himmelblau. Pullover von Case Studies.Foto: promo

Man kann in Kunst investieren – oder in die gestrickten Pullover, Kleider und Mäntel des Labels „Case Studies“. Noch ist es ein Geheimtipp. Gerade hängt die erste Kollektion in Berliner Läden, ganze zwei Jahre haben Laura Krauthausen und Konstantin Laschkow daran getüftelt. Das Geld, das sie in internationalen Wettbewerben mit ihren Abschlusskollektionen an der Kunsthochschule Weißensee gewannen, nutzten sie, um zusammen mit einer Strickfirma im Oderbruch alles aus den Maschinen rauszuholen.
Immer noch können sie über den mechanischen Prozess, die technische Herausforderung der Jacquard-Strickerei ins Schwärmen geraten, über ihre Experimente mit unterschiedlichen Garnen, Materialien und Mustern. Lange haben sie an der richtigen Farbkombination gearbeitet. „Ein wenig zu viel Orange, und das Ganze sieht aus wie eine DDR-Tapete“, sagt Laura Krauthausen. Damit assoziiert man die Pullover nun gar nicht, sondern eigentlich mit nichts anderem als mit „Case Studies“. Genau das könnte den Reiz ausmachen: Dass sie eben nicht der Versuchung erlegen sind, wie viele junge Designer „die zweihundertste weiße Bluse zu entwerfen“, sondern eben etwas technisch Ausgefeiltes zu entwickeln.
Herausgekommen sind abstrakte Muster, die ein wenig aussehen wie digitale Pixel, aber in so lebendigen Farbverläufen gehalten sind, dass sie mal an Perserteppiche, mal an ein großes Blütenblatt und dann wieder an ein feines Porzellanmuster erinnern – aber vor dem Auge schnell wieder zu etwas anderem verschwimmen. Auf einem Mantel kommt das Farbenspiel von Violett über Rot und Gelb bis hin zu einem grünstichigen Kupferton besonders schillernd zur Geltung. Stumpfe Garne aus Merinowolle und glänzende aus Viskose wechseln sich ab und unterstützen so den 3D-Effekt.
Der Name des Labels „Case Studies“, also „Fallstudie“, ist mit Bedacht gewählt: Auch für ihre nächsten Kollektionen wollen sich die beiden wieder so viel Freiraum wie möglich zum Experimentieren nehmen. Das entspricht ihrem Selbstverständnis als Designer: „So setzen wir der Schnelllebigkeit etwas entgegen.“


Nun ist ihnen ihr eigener Erfolg in die Quere gekommen. Ihre erste Kollektion wollten sie ausschließlich für ihren Onlineshop produzieren. Vorher haben sie mit ihren Pullovern aber ein paar Läden in Berlin abgeklappert, gleich fünf davon verkaufen jetzt „Case Studies“. Deshalb haben Laura Krauthausen und Konstantin Laschkow ihren Plan geändert und auch die Produktionsstätte gewechselt, die alte war mit den Mengen schlichtweg überfordert. Jetzt entwickeln sie für den nächsten Winter südlich von Stuttgart neben der Damenkollektion auch eine kleine für Männer. Dazu kommen Schals, Kissen und Decken.

- Kaufen kann man „Case Studies“ unter anderem bei Konk, Kleine Hamburger Str. 15 in Mitte, und Andreas Murkudis, Potsdamer Str. 81 in Tiergarten

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