Mode : Pariser Impressionen

In Paris wurden gerade die Prêt-à-porter-Kollektionen für die Saison Frühjahr/Sommer 2011 gezeigt. Die französische Hauptstadt stand neun Tage lang ganz im Zeichen der Mode.

Jemima Gnacke
Großer Auftritt für
Großer Auftritt fürFoto: dpa

Die Pariser Schauen, auf denen gerade die Prêt-à-porter-Kollektionen für die Saison Frühjahr/Sommer 2011 gezeigt wurden, sind legendär. Wieder einmal bewiesen sie, dass die Liebe zur Schönheit, zur Mode und zum Designhandwerk zu Paris gehört wie der Louvre. Dabei waren Größen wie Chloé, Stella McCartney, Louis Vuitton und Balmain. Und so fiel es letztlich schwer, eine Auswahl zu treffen. Trotzdem ein Versuch:

Lanvin

Über Alber Elbaz, den Designer von Lanvin, gibt es dieser Tage nicht mehr viel zu sagen. Überall wird er gepriesen.

Tatsächlich ist er ein Meister seines Fachs. Vor allem nimmt er Frauen ernst. Seine aktuelle Kollektion spiegelt genau das wider. Er versuchte sich an einer Kreuzung aus griechischer Göttin und Geschäftsfrau, die zum Beispiel schmale, kurze Ein-Träger-Kleider oder seidige Kaftane anzieht.

Neben den griechischen Motiven gab es noch Ethnoeinflüsse wie Stickereien und kleine, durchgängige Applikationen, dazu weiche Farbübergänge in erdigen Tönen, Schwarz und vereinzelt auch kräftiges Pink, Rot und Senfgelb. Der Hingucker war ein ausladender, bodenlanger, roter Rock. Aber die eigentlichen Geschenke: die feinen, flachen Römersandalen und die Tragbarkeit seiner Entwürfe. Herr Elbaz, Sie haben sich nichts zuschulden kommen lassen!

Dries Van Noten

Der Designkönig aus Antwerpen hat auch mit dieser Kollektion bewiesen, dass Sexappeal nicht unbedingt kurz und eng bedeuten muss. Es geht darum, einiges im Verborgenen zu lassen und dadurch reizvoller zu erscheinen. In seiner aktuellen Kollektion empfiehlt der Belgier den Frauen maskuline Stücke wie Hemden, Blazer, Freizeitjacken und Jeans. Sie sind weit geschnitten und nur mit bunten Wildlederhighheels kombiniert. Es reicht, den väterlichen Kleiderschrank zu plündern, um diesen Look nachzuempfinden. Die einzigen femininen Einflüsse sind mit bunten Blumen bedruckte graue Satinhosen zu weiten, weißen Oberhemden. Mit glatt gekämmtem Haar und dezentem Make-up strahlte hier jede Frau unverkrampfte Eleganz aus.

Rochas

Rochas steht für elegante Abendroben aus weißer Seide. Dieser Tradition blieb das Haus treu. Inspirieren ließ sich Chefdesigner Marco Zanini diesmal aber auch vom eher bodenständigen schwedischen Stil. Das Resultat: Riemchenpumps mit schwarzen Kniestrümpfen zu weißen Spitzenkleidern, bedruckte Hauskleider und locker sitzende Seidenpyjamas mit Blumenmuster. Letztere sind etwas gewöhnungsbedürftig und wenig straßentauglich, aber in Kombination mit Peeptoes, Kopftüchern und ausgefallenen Sonnenbrillen mehr als interessant. Der Kontrast von rustikalen Motiven und edlen Roben gefiel nicht nur der modischen High Society von Anna Wintour bis Christiane Arp.

Maison Martin Margiela

„Anziehpuppen einmal anders“ lautete das Thema bei Maison Martin Margiela. Die für konzeptionelle Exzentrik und formales Understatement bekannte Marke musste beweisen, dass sie auch ohne ihren Gründer funktioniert, und zeigte auf rechteckige Pappen aufgezogene Hemden, Abendkleider, Cardigans und Trenchcoats, die die Modelle vor sich hertrugen. Keine schlechte Idee, um eine schlichte, von ihren Schnitten lebende Kollektion ungewöhnlich zu präsentieren. Die Farbskala bestand hauptsächlich aus Beige, Hellblau und Schwarz. Der eigentliche Höhepunkt waren die Schuhe: bis zu den Zehen geöffnete Pumps, die nur durch ein hautfarbenes Gummiband gehalten wurden, und wirkten, als ob kleine Mädchen die Schuhe ihrer Mutter anprobierten.

Chanel

Karl Lagerfeld und seine Chanel-Show zu übertreffen, war unmöglich, schon allein, weil er mit einer grandios großen Halle für die zahlreich erschienene Prominenz und gleich 90 hochkarätigen Models aufwarten konnte. Die schlenderten durch einen eigens angelegten Steingarten. Bekleidet waren sie mit langen, schwingenden Kleidern in A-Linie, den markanten Tweedkostümen in Pastellgrau und schwarzen Federkleidern, die teilweise mit Federhalskrausen abgerundet wurden. Trotz Flokatidress im Pfirsichton und eigenartigen Plateauschuhen ist König Karls Eleganz kaum zu übertreffen. Er bleibt seiner und Madame Cocos Einzigartigkeit treu.

Alexander McQueen

Alexander McQueen hat nach seinem Tod ein ungeheures Vermächtnis hinterlassen, doch seine langjährige Assistentin Sarah Burton hat es angetreten und mit dieser Sommerkollektion eine wunderbare Premiere als Chefdesignerin des Labels abgeliefert. Den unverkennbaren Stil McQueens, die spannende Silhouettenführung, die ausladenden Roben und ungewöhnlichen Materialien, hat sie beibehalten. In der neuen Kollektion zeigte sie barocke Federroben mit opulenten Farben und Formen neben bedruckten und zweifarbigen Fräcken. McQueens eigenwilliger Geist lebt in dieser Mode weiter.

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