Mode: Patricia Field erzählt : "In Berlin fühle ich mich sehr wohl"

Zwei Tage lang war Sex-and-the-City-Stylistin Patricia Field in der Stadt und hielt Ausschau nach jungen Berliner Talenten. Nebenbei teilte sie einige Weisheiten mit uns. 

Ann-Kathrin Riedl
Patricia Field (rechts).
Patricia Field (rechts).Foto: promo/Wikipedia

Ich hatte über 50 Jahre lang eine Boutique, in die ganz normale Leute, aber auch Stylisten und Stars kamen. Und sie sagten zu mir: "Überall ist es langweilig, nur in deinem Store finden wir etwas neues." Mein Ziel war es immer, junge Talente zu unterstützen. In der Vergangenheit habe ich viele  Künstler kennengelernt, Keith Haring, Jean-Michel Basquiat. Und ich habe immer als eine der ersten verstanden, worum es ihnen ging und habe gefühlt, dass sie erfolgreich werden würden. Diese Gespür will ich nutzen. Wenn es darum geht, was ich unterstützen will, wähle ich aus, was mir ins Auge sticht und nicht, was kommerziell am meisten Sinn macht. Ich liege nicht immer richtig, aber das ist der einzige Maßstab, den ich habe.

Manchmal sehe ich etwas Neues und ich verliebe mich und dann helfe ich dem Designer oder der Designerin. Die Menschen haben heute mehr Lust auf das Ungewöhnliche, Social Media hat dazu beigetragen. Aber man muss es ihnen erst schmackhaft machen. Ich sage zu den Designern: Macht Lederjacken, macht T-Shirts, oder Jeans. Diese Silhouetten kennen die Leute, sie verstehen sie. Und diese Sachen werden gekauft, auch wenn ihr sie bemalt, mit Nieten benäht, oder mit Silikon übergießt.

 In Berlin fühle ich mich sehr wohl. Es hat eine junge, frische Ästhetik. Und das ist die beste Form von Ästhetik, denn sie ist voller Hoffnung. Meine Neugierde erhalte ich mir, indem ich mich mit jungen Menschen umgebe. Als ich 20 war, hatte ich mit 20-Jährigen zu tun. Als ich 30 war, hatte ich mit 20-Jährigen zu tun. Und nun mit 74 habe ich immer noch mit 20-Jährigen zu tun. Es ist ihre Energie, die mich anzieht. Ihre Freude, wenn sie an ihre Zukunft denken. Heute Morgen kam eine junge Künstlerin vorbei und zeigte mir ihre Arbeiten. Sie sagte: "Ich bewundere Sie sehr." Und ich sagte: "Das müssen Sie nicht. Sie sind eine junge Frau mit einem eigenen Business. Sie sollten niemanden bewundern."

"Die jungen Leute müssen selbstbewusst sein"

Ich will niemandem Tipps geben, denn jeder Mensch hat seinen eigenen Stil. Die jungen Leute müssen selbstbewusst sein. Denn  eine Karriere in der Mode wird nicht leicht werden. Aber wenn sie lieben, was sie tun, dann wird es zumindest ein kleines bisschen leichter. Oft fragen die Menschen mich: "Wann haben Sie gemerkt, dass Sie eine Leidenschaft für Mode haben?" Und ich antworte immer: "Ich hatte nie nur eine Leidenschaft für Mode. Ich hatte eine Leidenschaft dafür, unabhängig zu sein."

Nach dem College arbeitete ich in einem großen Kaufhaus, aber ich wollte schon immer meinen eigenen Laden. Mode fiel mir leicht. Nach drei Jahren kündigte ich und startete mein eigenes Business. Ich selbst habe viel von meiner Mutter gelernt. Sie war meine Mentorin. Sie war stolz auf das, was sie tat, und das ist das wichtigste. Ich sehe, dass diese Haltung heute in der Mode selten wird und das tut mir leid. Viele junge Designer haben Scheuklappen an, denken an Erfolg und Geld. Sie fragen sich nicht oft genug: "Wer bin ich, was macht mich glücklich? Wir alle sind einzigartig und wir sollten das niemals aufgeben."

 

 

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