• Mode und Technik bei der Fashion Week: Auf der #Fashiontech wird noch schnell das Kleid aufgeladen

Mode und Technik bei der Fashion Week : Auf der #Fashiontech wird noch schnell das Kleid aufgeladen

Auf der Konferenz #Fashiontech werden neueste Technologien vorgestellt und die Frage diskutiert, wie Mode und Technik zueinander finden.

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Das leuchtet ein. Ein Kleid von Lisa Lang mit LED-Lämpchen.
Das leuchtet ein. Ein Kleid von Lisa Lang mit LED-Lämpchen.Foto: dpa

Es fühlt sich an wie ein Stück Silicon Valley in Berlin: Menschen mit blendend weißen Zähnen sitzen auf weißen Möbeln oder gleich auf dem Betonboden. Es wird fast nur Englisch gesprochen, an der Bar gibt es frischen Rote-Bete-Ingwer-Saft. Der vierte Stock des Kühlhauses auf der Modemesse Premium ist rappelvoll, dort findet diesmal die #Fashiontech statt. Die Konferenz tagt zum dritten Mal in Berlin, es geht um die Frage, wie Mode und Technik zueinander finden.

„Wenn ihr einen Schal seht, der in einen Computer eingestöpselt ist – keine Angst. Das ist die Zukunft“, sagt Lisa Lang vom Label ElectroCouture, das leuchtende Mode vertreibt: den genannten Schal, mit einem leuchtenden Umriss von Berlin und LED-Schmuck. Man kann ihn über einen USB-Anschluss aufladen.

Gerade läuft das Panel „Technologie als Fashion-Statement“. Außer Lisa Lang sitzt Martina Pickhard von Microsoft auf der Bühne. Sie diskutieren, was für Wearables – also tragbare Technologien – wichtiger sein werden: Form oder Funktion? Lang sagt: Auch in der Zukunft wird Mode hauptsächlich dazu da sein, Emotionen zu zeigen und eine Geschichte zu erzählen. Pickhard findet, dass es immer entscheidender wird, was die Mode technisch kann: „Was wird in der Zukunft ein Fashion-Statement sein? Eine Jacke? Oder dass diese Jacke mit einer virtuellen Plattform verbunden ist?“ Pickhard erzählt von Produkten wie Microsoft HoloLens – eine Brille, die den Träger Hologramme sehen lässt. Oder von Microsoft Band – einem Gesundheits-Armband, das unter anderem Kalorien und Schritte zählt, aber auch E-Mailvorschauen anzeigt. „Zugegeben: Diese Bands sehen noch nicht besonders sexy aus“, sagt sie.

Das ist nur eines der Panels auf der #Fashiontech. Das Programm ist in drei Blöcke unterteilt: E-Kommerz und Handel, Wearables und Design, Digitales Marketing und Kommunikation. Denn Fashiontech, das sind nicht nur leuchtende Schals, eingewebte Lautsprecher und eingenähte Navigationssysteme. Das ist auch die Frage, wie das Internet den Verkauf von Mode revolutioniert – und wie man die immer mündigeren Käufer online miteinbezieht.

„Das Feedback ist überwältigend“, sagt Anita Tillmann, Inhaberin der Premium. „Wir hatten internationale Besucher da aus Toronto, Chicago und Silicon Valley.“ Berlin sei ein vielversprechendes Pflaster für Fashiontech: „Deutschland steht für Technik. Dafür sind wir international bekannt.“ Und gerade in Berlin entstünden aktuell sehr viele aufregende Produkte und Konzepte an der Schnittstelle zwischen Mode, Internet und Technik.

Andere Start-ups haben so überzeugt, dass sie jetzt schon Kontakte zu den Großen knüpfen

Von elf bis 18 Uhr seien 2200 Besucher da gewesen, es gab Vorträge von Amazon Fashion, Facebook, Instagram. Das Programm besteht aus Diskussionen, Vorträgen und Kurzvorstellungen von Start-ups. Für Gründer und Entwickler ist das eine gute Gelegenheit, ihre Idee in die Welt zu tragen – oder an ihrer Präsentation zu feilen. Manche Start-ups merken schnell, dass sie noch einiges tun müssen, um Investoren oder Kunden zu überzeugen. Nach einer Vorstellung, in der Wörter wie „Plattform“, „interaktiv“, „digital“ und „Kommunikation“ häufig und etwas zusammenhanglos fallen, meldet sich ein Zuschauer: „Ich habe nur eine Frage: Was macht ihr eigentlich?“

Andere Start-ups haben so überzeugt, dass sie jetzt schon Kontakte zu den Großen knüpfen. Im Foyer vor dem Vortragsraum, haben sie Stände aufgebaut, um Interessierten ihre Idee ausführlicher zu erklären. Stilnest stellt filigranen Schmuck aus dem 3-D-Drucker vor. Daneben steht ein eleganter 3-D-Drucker von Formlabs – so klein, dass er kaum bis zum Knie reicht. Philipp Rogge, 35, stellt Styla vor, eine Plattform, die dabei hilft, Inhalte automatisch als ein Online-Magazin zu layouten, bei dem man direkt einkaufen kann. „Die Lösung wirkt smart und einfach“, sagt die Innovationsbeauftragte einer großen E-Kommerz-Seite – und holt sich eine Visitenkarte.

„Das läuft bombastisch gut hier!“, sagt Philipp Rogge. Er habe auf der #Fashiontech wichtige Leute getroffen und sei schon zu einem Festival für Wearables eingeladen worden.

Vor fünf Jahren kam Rogge nach Berlin, um hier sein erstes Start-up voranzutreiben. Das hat er inzwischen an seinen ehemaligen Partner abgetreten, Styla ist sein zweites Baby. Inzwischen arbeiten 25 Leute an dem Projekt, Rogge ist Gründer und Geschäftsführer. „Es war eine gute Entscheidung, nach Berlin zu kommen“, sagt er. Weil die Stadt als ein Durchlauferhitzer für kreative Ideen gefeiert wird? „Ein Durchlauferhitzer?“, sagt er. „Nein, das nicht. Das würde ja heißen: Heiß machen und weg. Ich glaube, hier baut sich wirklich etwas auf.“

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