Mode-Wetter : Mit Flip-Flops durch die Kälte

Es ist Frühling - von den Temperaturen her nicht immer. Aber das schreckt den Großstadtbewohner nicht. Er zieht schon im April blank.

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Zeigt eure Füße. Oft mehr Flop als Flip.
Zeigt eure Füße. Oft mehr Flop als Flip.Foto: dpa/Spata

Endlich Frühling? So launisches deutsches April-Wetter stellt die Menschen jeden Morgen vor schwere Aufgaben. Anziehen? Ausziehen? Schwitzen? Frieren? Ist ja nicht so simpel an, an denen das Thermometer schwankt, und wenn am Mittag der Biergarten grüßt. Der Ausflug am Abend ins Freiluftlokal bei neun Grad dann mit dem Kälteschock endet. Aber das war einmal, heute ist Großstadtmensch abgehärtet: Der neue Berlin-Bewohner lebt nach dem Kalender. Und der sagt seit Ende März: FRÜHLING! Und was kommt bald danach? Richtig SOMMER! Also, raus mit den Flip-Flops, rein in die Shorts.

Flip-Flops, kurze Hosen, und Muskelshirt in Massen – auch bei schnuckeligen 13 Grad und Dauerregen. Es wird im April schon mal trotzig Schönwetter gespielt. Blöder Nebeneffekt: Viele männliche Badelatschenträger nutzten die Chance zu demonstrieren, dass sie kein Fan von Fußpflege sind.

Die Spezies der „Sommerspieler“ ist ein typisch nordeuropäisches Phänomen, weil eben die Sehnsucht nach gutem Wetter mit der Realität oft nicht korrespondiert. Wenn es nur einfach lausig kalt oder kochend heiß wäre – einfach! Ist es in Deutschland aber nicht. Das Wetter wechselt gerne mal schnell. Kein Problem für die deutsche Flip-Flop-Liga, die floppt zur Not auch im Hagel. Aber wechselndes Wetter ist ein Problem für die ebenso interessante Fraktion der „Gestrigen“. Diese Menschen lassen sich bei Wetterwechseln beobachten. Ihr Dresscode orientiert sich prinzipiell am Wetter des Vortages. Wer also am Abend mit Daunenjacke Regen und tiefer Temperatur getrotzt hat, verlässt auch am nächsten Morgen bei strahlendem Sonnenschein das Haus dick eingepackt und darf – wenn er dann zur Arbeit geht – den Tag durchschwitzen.

Wer prinzipiell zu viel anzieht, schleppt an seiner Einstellung

Eine weitere Klasse sind die vom Wetterbericht Abhängigen. Menschen, die immer vorbereitet sind auf etwaige Wechsel, zur Sicherheit auch bei 25 Grad eine Jacke in der Tasche deponieren oder die Jacke als Hüftrock tragen, und so gegen jede böse Überraschung gewappnet sind. Sie schleppen oft hart an ihrer Einstellung.

Dass der Kalender die Kleiderordnung macht, ist natürlich kein deutsches Phänomen. In Finnland etwa läuft jeder Mensch im Winter im T-Shirt herum, zur Not wird daheim die Heizung auf 25 Grad aufgedreht. Und in Südeuropa gibt es naturgemäß keine Sommerspieler, dafür aber Winterspieler. So kommen in Andalusien auch bei 18 Grad im November schon Handschuhe und Pudelmütze zum Einsatz. Aber das Problem haben wir ja gottlob nicht. Wir sind abgehärtet.

Schön, dass es nun bald richtig Frühling wird und dann folgt ja der Sommer und wir ziehen uns alle aus. Bis wir dann im Herbst endlich wieder wissen, was wir anziehen können – wenn der deutsche Herbst mal kein Sommer mit anderen Mitteln wird. Ansonsten heißt es: Übergangsjacke? Keine Jacke? Wollpulli? Daunenjacke? Zum Trost: Herbst spielen, das macht keiner gerne. Aber alle Männerfüße bleiben im Schuh!

Aber bis dahin sind es noch sechs Monate. Und bis dahin floppt sich der deutsche Großstädter über die Runden. Sieht gut aus in den kommenden Tagen: Die Temperaturen sollen zwischen 14 und 19 Grad liegen. Bestes Flip-Flop-Wetter also. In Deutschland.

- mehr zum Thema Mode in unserem Blog.

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