Modedesignerinnen Perret und Schaad : "Es ist eine Gratwanderung"

Die jungen Modedesignerinnen Johanna Perret und Tutia Schaad über ihre zweite Kollektion bei der Fashion Week, ihre DNA und die Schwierigkeiten bei der Gründung eines eigenen Labels.

Johanna Perret, 27, und Tutia Schaad, 28, wurden nach ihrer ersten Kollektion im Januar als „Jil Sanders Töchter“ gefeiert.
Johanna Perret, 27, und Tutia Schaad, 28, wurden nach ihrer ersten Kollektion im Januar als „Jil Sanders Töchter“ gefeiert.Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Frau Perret, Frau Schaad, schon vor Ihrer ersten Show sind Sie von der Presse als „Jil Sanders Töchter“ gefeiert worden. Dieses Etikett ist kleben geblieben. Nervt Sie das Image mittlerweile?

Tutia Schaad: Wir haben uns ja nicht selbst so genannt. Das wurde mal geschrieben und ist ja auch kein schlechter Vergleich. Zum Glück haben die Jil Sander gesagt …

Johanna Perret: Wir mögen das gerne. Es schmeichelt uns.

Was hat sich durch das erfolgreiche Debüt auf der Fashion Week im Januar für Sie verändert? Ist eine so begeisterte Resonanz eher eine Bestätigung, dass man als Label auf dem richtigen Weg ist, oder schafft sie auch Druck?

Perret: Beides wahrscheinlich.

Schaad: Bei der zweiten Kollektion steht man sicherlich unter Druck. Beim ersten Mal hatten wir nichts zu verlieren. Wir haben sie einfach gemacht, und niemand erwartete etwas. Beim zweiten Mal möchten wir natürlich wieder uns selbst und die anderen überraschen, uns aber auch treu bleiben.

Hat sich der Erfolg auf der Fashion Week auch wirtschaftlich ausgezahlt?

Perret: In gewisser Weise schon, weil wir dadurch sofort Läden gefunden haben, die unsere Kollektion anbieten wollen. Es war ja immer unser Ziel, dass wir unsere Sachen auch sofort verkaufen wollen. Am Anfang ist es natürlich schwierig, wirklich rentabel zu arbeiten.

Zur neuen Kollektion: Wie wird die sich zur vorigen verhalten? Hatten Sie für das Debüt bereits Ihre Vision ausformuliert und entwickeln diese nun weiter oder experimentieren Sie noch?

Schaad: Eine Mischung aus beidem. Es ist unser Leitmotiv, dass wir unserer ästhetischen Vorstellung treu bleiben, aber immer uns und die anderen überraschen möchten.

Perret: Es ist eine Gratwanderung.

Schaad: Aber wenn man Kunden hat, möchte man schon, dass die sich in den neuen Sachen wiederfinden.

So pragmatisch, auf die Erwartungen der Kunden einzugehen, sind Sie schon?

Perret: So präzise ist das noch nicht. Nach einer Saison kann man noch nicht sagen, dass wir einen Kundenstamm hätten. Es ist eher so, dass wir ein Gefühl dafür bekommen haben, was die Leute möchten – und dafür, wie sie unsere DNA sehen. Das weiß man ja manchmal selbst nicht, man macht einfach etwas, und dann wird es von jemand anderem ausgewertet. Für uns ist es sehr wichtig, dass wir auch weiterhin experimentieren können.

Schaad: Bei der ersten Kollektion war es so, dass wir sie einerseits an eher konventionelle Läden verkauft haben, aber auch an eher avantgardistische Boutiquen in Tokio. Das sind unsere zwei Wege.

Perret: Das ist alles noch nicht festgefahren.

Wie würden Sie Ihre DNA beschreiben?

Schaad: Wir sind ziemlich innovativ, auch bei den Schnitten schränken wir uns nicht ein, zumal wir auch viel drapieren und ausprobieren und verschiedene Techniken bei den Konstruktionen und Drapierungen mischen. Gleichzeitig versuchen wir, die Sachen so zu verpacken, dass sie tragbar sind.

Den Kollektionen liegt also kein konkretes Thema zugrunde?

Perret: Unsere Kollektionen entstehen sehr stark aus dem Prozess des Entwerfens. Es gibt viele Variationen über abstrakte Themen wie Silhouetten, Schnitte und Drapierungen. Es geht nicht darum, eine Geschichte zu erzählen, sondern um Lösungen für abstrakte ästhetische Probleme.

Sie zeigen während der Fashion Week zwei Mal. Einmal am Freitag beim Finale des „Start your Fashion Business“-Wettbewerbs, und dann noch einmal bei Ihrer eigenen Show am Sonnabend. Warum?

Perret: Im Rahmen des Wettbewerbs bekommt man zum Beispiel Coaching- Stunden. So etwas ist immer wichtig: Dass man unabhängige Personen bekommt, die einen Blick von außen auf das werfen, was man macht.

Schaad: Theoretisch haben wir schon ein paar Kenntnisse gesammelt. Aber praktisch ist es immer eine andere Geschichte. Das Label ist schon eine sehr persönliche Sache, unser Baby.

Aber allein kann man das nicht großziehen?

Schaad: Ich glaube, man braucht diese Begleitung. Wir haben uns auch unabhängig von diesem Wettbewerb mit Unternehmensberatern getroffen. Das ist wichtig, denn wir wollen ein gesundes Unternehmen aufbauen.

Wie wichtig ist der Blick von außen?

Perret: Es gibt viele Details, die man, wenn man mit den Kollektionen beschäftigt ist, nicht wahrnimmt. Daher ist es immer gut, wenn man sich die Zeit nimmt, von außen zu gucken, und sich überlegt: Was passiert da eigentlich, und welche Wege soll man gehen?

Das Gespräch führte Jan Schröder.

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