Modewoche : Die Schnittstelle zur Fashionweek

Das war wirklich gemein von Nena. Da ist die Sängerin als VIP-Gast zur Show von Hugo Boss geladen, und dann wagt sie es ein Outfit zu tragen, das nicht aus der Kollektion der Modemarke aus Metzingen stammt.

 Keine Katastrophe, wenn es nicht das spektakulärste Kleid gewesen wäre, neben dem selbst die extra eingeflogenen Hollywoodstars verblassten: Weiß und hauteng war der Dress von Nena, mit Schulterpolstern, die aussahen wie die Ohren von Mister Spock, nur 100 Mal größer. Dazu ein lebendes Accessoire. Passend zu ihrem glitzernden Armreif hatte sich ihr Partner Philipp Palm funkelnde Kopfhörer umgehängt. Eigentlich fehlten Nena nur noch Miederhose und Sonnenbrille, dann wäre die 49-Jährige, die gerade Doppel-Oma geworden ist, glatt als Schwester von Lady Gaga durchgegangen.

Im Gegensatz zu ihr waren die anderen Promis brav und trugen Anzüge und Kleider, die Boss ihnen zur Verfügung gestellt hatte. Extra für die Show hatte der Modekonzern die Stars einfliegen lassen, an denen es bislang auf der Fashion Week gemangelt hatte: Oscar-Preisträgerin Hilary Swank („Million Dollar Baby“) und Matt Dillon („Verrückt nach Mary“) brachten zusammen mit Aaron Eckhart („Batman“) und Devon Aoki („Sin City“) am Donnerstagabend Hollywoodglamour in die Hauptstadt.

Hilary Swank, die bereits zum fünften Mal nach Berlin kam, war schon am Tag zuvor angereist und hatte vor der Show im Hamburger Bahnhof noch Zeit, mit ihrem Bruder die Stadt anzusehen. „Berlin ist fantastisch“, schwärmte sie. Für ihren Auftritt auf dem – passend zur „Boss Black“-Kollektion – schwarzen Teppich hatte sie sich ein kurzes, korallenfarbenes Kleid ausgesucht. Wie lange sie zum Stylen braucht? „Eine Stunde. Das ist doch normal, oder?“, fragte Swank leicht irritiert. Zumindest nicht für ihren Kollegen Matt Dillon. „Ich mag’s sowohl im Leben als auch in der Mode umkompliziert. Deshalb werfe ich mir nur schnell die Klamotten über und schon bin ich fertig“, sagte Dillon, der ganz klassisch einen schwarzen Anzug trug.

Zu den Filmstars gesellten sich Sportstars wie Formel-1-Weltmeister Jenson Button mit Freundin Jessica Michibata, Ex-Formel-1-Fahrer David Coulthard und seine Verlobte Karen sowie Ex-Nationaltorwart Jens Lehmann mit Ehefrau Conny, die gestehen musste, dass ihr Mann modetechnisch manchmal danebengreife und von ihr einen Rat brauche. Am Donnerstag sah der Fußballer aber in seinem schwarzen Anzug sehr schnieke aus. Der Hamburger Rapper Jan Delay mag’s dagegen lieber casual. Er kam mit Longsleeve, Jeans und Turnschuhen und begutachtete zusammen mit Schauspielerin Jessica Schwarz von der ersten Reihe aus die Show, die in der großen Kunsthalle stattfand. Anschließend ging es zur Party in einen extra aufgebauten Club hinter der Halle. Den rund 1000 Gästen gefiel’s, innerhalb weniger Minuten war die Tanzfläche voll und die Stimmung auch dank des Champagners so ausgelassen, als ob die ebenfalls von der Finanzkrise arg gebeutelte Modebranche das Ende der schlechten Zeiten herbeifeiern wolle.

Derweil bildeten sich im abgesperrten VIP-Bereich, der mit gepolsterten Sitzgruppen bestückt war, kleine Grüppchen. Die Gäste aus Hollywood blieben hier erst mal unter sich, vielleicht war die Riege der deutschen Schauspieler, die unter anderem durch Kai Wiesinger, Jana Pallaske und Heino Ferch vertreten war, zu schüchtern fürs Anquatschen. Der Hollywood erfahrene Filmemacher Roland Emmerich („Independence Day“) hatte dagegen keine Berührungsängste. Mit einem Handy schoss er für einen Bekannten Fotos von Hilary Swank, mit der er sich durchaus vorstellen könnte, einen Film zu drehen: „Aber solche Deals werden nicht an so einem Abend gemacht. Hier geht’s nur um Smalltalk“, sagte Emmerich. Darauf hatte Nena dann bald wohl nicht mehr so viel Lust, sie verabschiedete sich – allerdings nicht mit „beam me up“.

Sonja Pohlmann freut sich

über Omas, die auf Lady Gaga machen

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben