Neues vom Planeten MODE : Bockig oder putzig?

Wlada Kolosowa

Was ziehen „freche Mädchen“ an, wenn sie zu „starken Frauen“ werden? Zwei Labels bieten Antworten, die unterschiedlicher kaum sein könnten: „Widda“ und „Blutsgeschwister“ machen feminine Streetwear für Frauen zwischen 20 und 30. Hier hören die Gemeinsamkeiten aber auch schon auf: Sabine Kelle von Widda verneigt sich vor „Queen of Less“ Jill Sander. Blutsschwester Karin Ziegler verehrt die „Queen of Punk“ Vivienne Westwood. Folglich macht die eine „kein Chichi“, die andere versüßt ihre Kreationen gern mit Vichy-Karos, Fliegenpilzen und Kirschen. Widda bietet „Mode für Heldinnen“, Blutsgeschwister „Dolce Vita Soulwear“. Die einen sitzen in Wedding , die anderen im bürgerlichen Stuttgart.

Für die Fashion Week hat Widda die „Schwarzen Schlüpfer“ eingeladen – eine Powerpopband, die oft davon singt, dass sie durchdrehen will. Blutsgeschwister empfangen bei Country in einer putzigen Bar im Prenzlauer Berg. Karin Ziegler trägt roten Lippenstift, Cowboystiefeletten und ein mit Tüll ausgestelltes Kleid. Eine Powerfrau? „Ist romantisch und pragmatisch.“ Sie kriegt Karriere und Apfelkuchen gleichermaßen hin, „wenn sie denn will“. Widda-Chefin Sabine Kelle macht Mode, in der man morgens aus dem Haus gehen kann und am nächsten Morgen nach dem Club wiederkommen. Eine Powerfrau? „Ist Großstadtgöre, Rebellin und Lady zugleich“, antwortet sie. „Sie ist durchsetzungsfähig und bockig, wenn es sein muss. Aber im Großen verträglich.“

Ob zuckersüß oder clean, mit Polkadots oder schlicht – Widda und Blutsgeschwister haben dieselbe Message: Powerfrauen können heute alles, müssen aber nichts. Sie gehen morgens ins Büro und spülen, wenn sie nach einer durchtanzten Nacht nach Hause kommen, den selbst gebackenen Apfelkuchen mit Erdbeersekt runter. Aber nur, wenn sie Lust dazu haben.

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