Neues vom Planeten MODE : Die Revolte ist käuflich

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Wenn der Aufstand in England ein Markenzeichen hat, dann wohl dieses: drei helle Streifen auf dunklem Grund. Damit rennen sie derzeit alle rum, die jugendlichen Plünderer in den britischen Metropolen – fast kein Kapuzenpulli, keine Trainingshose, kein Turnschuh ohne Adidas-Logo. Man fragt sich, ob die Marketing-Abteilung des größten deutschen Sportartikelherstellers deswegen in heller Panik ist, oder ob sich die Strategen dort heimlich ins Fäustchen lachen, weil ihre Markensymbolik derzeit völlig kostenfrei über die Fernsehbildschirme der Welt flimmert.

Zu befürchten ist Letzteres. Zwar findet sich, wenn man auf der englischsprachigen Adidas-Homepage das Suchwort „riot“ eingibt, keinerlei Verweis auf die Ereignisse in Großbritannien. Stattdessen wird man umgehend in den Adidas-Shop umgeleitet – zu einer kompletten Turnschuhserie namens „Riot“. Die Revolte, man ahnte es, ist käuflich. Das Modell „Supernova Riot 3“, erhältlich in zwei Ausführungen für männliche und weibliche Revoluzzer, schmiegt sich laut Produktbeschreibung „dem Boden an, um einen maximal geschmeidigen Lauf zu ermöglichen“. Prima geeignet also zum geschmeidigen Einbrechen, Plündern und Wegrennen.

Nun steht Adidas unter den Großkonzernen keineswegs alleine da mit der paradoxen Werbestrategie, Lifestyle-Produkte mit antikapitalistischen Affekten aufzuladen. Was Adidas der Krawall-Turnschuh ist, ist den amerikanischen Kollegen von Levi’s die Klassenkampf-Jeans, beworben mit Videoaufnahmen vom 1. Mai in Kreuzberg (siehe nebenstehender Artikel). Um die verquere Logik hinter solchen Marketing-Strategien zu durchsteigen, muss man vermutlich Marxist sein: Weltumspannende Konzerne kokettieren mit Kapitalismuskritik und laden per Werbebotschaft quasi zu ihrer eigenen Plünderung ein, nur um am Ende noch mehr Turnschuhe zu verkaufen. Alles eine Frage des Klassenbewusstseins – oder doch nur des richtigen Logos?

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