Neues vom Planeten MODE : Falscher Klunker, echte Eleganz

Susanna Nieder findet, dass alle Frauen etwas Chanel vertragen könnten.

Susanna Nieder

Manchmal erregen sich selbst die schnelllebigen Bewohnerinnen des Planeten Mode über etwas, das gar nicht neu ist. Die Sommerferien sind dazu gerade recht. Coco Chanel (1883-1971) ist die Frau der Stunde, denn am kommenden Donnerstag läuft der französische Film „Coco Chanel – Der Beginn einer Leidenschaft“ in den Kinos an.

Dargestellt wird die unstrittig wichtigste Modeschöpferin des 20. Jahrhunderts von der zart schmelzenden Audrey Tautou, der das Image der „Amélie“ seit acht Jahren wie ein Schatten folgt. Geduldig hat die 32-jährige Schauspielerin ein Interview nach dem anderen gegeben: Chanel wunderbare Frau, ganz unabhängiger Charakter, verschwiegen im Privaten (daher schwer darzustellen), Bahn brechend in der Mode, große Verführerin, aber keine Anhängerin der romantischen Liebe (Zitat Chanel: „Das Interessanteste an der Liebe ist das Liebe machen“) und all das.

Der Film wird nicht überall positiv besprochen, doch er erzählt von einer spannenden Phase in Chanels Leben: Die junge Frau, Waise aus bäuerlichen Verhältnissen mit guten Aufstiegschancen durch die Verbindungen ihres aktuellen Liebhabers (dem ersten einer langen, illustren Reihe), hält Korsetts, große Hüte und von Männern bezahlten Schmuck für Firlefanz. Die herrschende Gesellschaftsordnung, in der Männer alles dürfen und Frauen nichts, lehnt sie ab; sie möchte unabhängig wie ein Mann sein und sich dem entsprechend kleiden.

Heute vergisst man leicht, dass Coco Chanel das Frauenbild des 20. Jahrhunderts vorweggenommen hat. Chanelkostüme, -taschen, -sonnenbrillen, -parfüm und -schmuck sind seit Jahrzehnten Statussymbole, mit denen Frauen nicht Selbstständigkeit, sondern Reichtum (ohne weiteres auch den des Gatten oder Liebhabers) demonstrieren. Doch zum Beispiel der typische ausladende Modeschmuck von Chanel war, verglichen mit echtem Schmuck, preisgünstig und voller Ironie: lieber meine eigene Frau sein als das teuer behängte Anhängsel eines Mannes. Chanel No. 5, seit 1921 (!) eines der gefragtesten Parfüms der Welt, war ultramodern, weil synthetisch hergestellt und demonstrativ nicht den Düften der Natur nachgebildet.

Neben diesem wird demnächst ein weiterer Film über Chanel („Coco & Igor“, eine norwegische Produktion über sie und Igor Strawinsky) erscheinen. Es ist müßig, einen neuen Chanel-Zeitgeist in dieses Zusammentreffen hineinzugeheimnissen. Vieles, wofür Chanel stand, ist mittlerweile erreicht, doch sie ist und bleibt modern. Eine Scheibe ihres unabhängigen Sinns könnten sich auch heute noch viele Frauen abschneiden – von ihrer Eleganz ganz zu schweigen.

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