Neues vom Planeten MODE : Fotodiebe im Kleiderschrank

Grit Thönnissen will nicht fremddigitalisiert werden.

Grit Thönnissen

Schon mal auf der Straße von einer wildfremden Person auf ein Kleidungsstück angesprochen worden? „Es ist mir wirklich unangenehm, aber die Mütze/Jacke sieht so toll aus, da muss ich fragen: Woher haben sie die?“ Und erinnern Sie sich, wie Sie sich gefühlt haben? Schlecht/gut/genauso wie vorher? Eine spontane Umfrage ergab: Gut und geschmeichelt, dass man etwas anhat, das Aufmerksamkeit erregt.

Schon mal auf der Straße von einer wildfremden Person fotografiert worden, so stiekum mit dem Mobiltelefon aus dem Handgelenk? Und als man guckte, tat die Person, als sei nichts. Und wie haben sie sich da gefühlt, schlecht/gut/genauso wie vorher? Eine spontane Umfrage ergab: Schlecht, weil man nicht weiß, ob man so unmöglich aussah, dass das Foto bald auf einem geschmacklos.com-Blog auftauchen wird.

Oder noch schlimmer: gerade mit einer neuen Applikation (das ist nichts, was man aus dem Handarbeitsunterricht kennt, sondern ein Programm für Menschen, die mit ihrem Mobiltelefon befreundet sind) für besonders fortschrittliche Telefone ins Internet geladen wird. Und dort wird gerade die Mütze/Jacke gesucht oder wenigstens ein möglichst ähnliches Modell. Das kann sich der Fotodieb dann in einen virtuellen Kleiderschrank legen, speichern und verwalten und wenn Gras über die Sache gewachsen ist, in irgendeinem anonymen Internetshop einkaufen.

Ja, worüber um alles in der Welt sollen wir demnächst denn noch reden, wenn jetzt schon die eigene Garderobe ohne Erlaubnis fremddigitalisiert werden kann? Wenn sich keiner mehr traut, über so oberflächliche Dinge wie Kleidung und Shopping zu plaudern, weil niemand zugeben will, dass er sich seinen Stil nur abfotografiert und verwaltet hat?

Und für wen sollen wir uns noch Gedanken über die richtige Mütze/Jacke machen, wenn wir sowieso nicht erfahren, ob sie gut oder schlecht ankommt oder die Gefühle genauso sind wie vorher. Allerdings könnten wir dann auch in Zukunft verbergen, dass die Antwort allzu oft gelautet hätte: „Ach, die Mütze/Jacke ist nichts Besonderes, die ist bloß von H&M/Zara/Mango.“

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