Neues vom Planeten MODE : Skaten bei der Stasi

Die Skate- und Streetwearmesse Bright hat sich für ihre Berlinpremiere im kommenden Juli eine ganz besonders abgefahrene Location ausgeguckt: Das ehemalige Hauptquartier des Staatssicherheitsdienstes in der Normannenstraße.

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„Wir sind sehr happy mit der neuen Location!“, verkündete vor kurzem die Skate- und Streetwearmesse Bright. Bei vielen Modeveranstaltungen in Berlin ist der Ort mittlerweile fast so wichtig wie das, was dort eigentlich passieren sollte. Und die Skater aus Frankfurt am Main haben sich für ihre Berlinpremiere bei der Modewoche im kommenden Juli eine ganz besonders abgefahrene Location ausgeguckt: Das ehemalige Hauptquartier des Staatssicherheitsdienstes in der Normannenstraße in Lichtenberg.

Nur, ganz so einfach ist es mit der Wahl des richtigen Ortes auch in Berlin nicht mehr. Die Zahl der ungenutzten Industriehallen ist merklich geschrumpft, da kann man schon auf recht eigenwillige Ideen kommen. In der Normannenstraße wird bereits ein Flügel des umfangreichen Gebäudekomplexes für die Messe hergerichtet.

Moralische Bedenken angesichts des heiklen Orts sind den Bright-Veranstaltern fremd. Sie sehen die symbolische Neubesetzung des Gebäudes sogar als ihre Aufgabe an: Die Messe bleibe „ihrem bisherigen Grundsatz, durch den Staatsapparat vorbelastete Gebäude durch die eigene Anwesenheit zu rekultivieren, auch nach ihrem Umzug in die deutsche Hauptstadt treu“, betonen die selbst ernannten Exorzisten aus Hessen mit bemerkenswertem Selbstbewusstsein.

Dazu muss man wissen, dass die Bright ihre Streetwear in Frankfurt in einem ehemaligen Polizeigebäude zeigte. Dieses nun auf einer Ebene mit dem ehemaligen Stasi-Hauptquartier zu erwähnen, verrät einiges über das historische Bewusstsein der Beteiligten. Bei denen überwiegt die schiere Freude, doch noch einen für die Mode unentdeckten Ort in Berlin gefunden zu haben: „DDR-Charme und Luxusausstattung im 1980er Ostblock-Flair inklusive“, frohlocken die Organisatoren „augenzwinkernd“.

Ob die Freude anhält, muss sich zeigen. Dass historisch belastete Orte Probleme bereiten können, musste zuletzt die Mercedes-Benz-Fashion-Week erfahren, als aufgebrachte Bürger deren Wegzug vom Bebelplatz forderten, weil das Schauenzelt über dem Mahnmal für die Bücherverbrennung aufgebaut wurde.

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