Mode : Nichts Neues vom Kleidermarkt

Warum Modeberichterstattung im deutschen Fernsehen fehlt

Grit Thönnissen

Wieso sieht man im deutschen Fernsehen eigentlich fast nie Mode? Anders als in Frankreich, Italien oder Großbritannien existiert in der deutschen Fernsehlandschaft so gut wie niemand, der sich ausschließlich mit dem Thema Mode beschäftigt. Früher gab es Antonia Hilke und die NDR-Sendung „Neues vom Kleidermarkt“. Über 20 Jahre lang fuhr die Hamburger Modejournalistin zu den Schauen nach Paris und Mailand, um den deutschen Fernsehzuschauern die neuesten Trends nahe zu bringen. Zwar lebt Antonia Hilke – entgegen einer unverzeihlichen Fehlmeldung auf der letzten Modeseite –, doch Anfang der 90er ging sie in Pension. Seitdem gibt es im deutschen Fernsehen keine regelmäßige Modeberichterstattung mehr.

Warum fehlt ein Modemagazin, das über international anerkannte Designer genauso berichtet wie über den zunehmend erfolgreichen deutschen Nachwuchs und dazu Informationen liefert, die das alles in einen gesellschaftlichen und kulturellen Zusammenhang stellen? Natürlich findet auch heute Mode im Fernsehen statt: wenn Kleider von Prominenten getragen werden oder einem Supermodel der Busen aus dem Dekolleté hüpft. Auch Karl Lagerfeld ist immer eine Geschichte wert – Boulevard eben.

Der Sat-1-Redakteur Nikolas Feireiß kennt sich mit der Darstellung von Mode im Fernsehen aus. Im Morgenmagazin seines Senders stellt er die wichtigsten Looks der Saison mit zwei, drei Models vor und zeigt dazu Aufnahmen von den internationalen Modenschauen.

Eigentlich ist Mode nicht sein Hauptthema, aber seit er seine Karriere als Journalist bei „Vogue“ und „Cosmopolitan“ begann, weiß er: „Mode kann ich.“ Doch Mode anspruchsvoll zu präsentieren, ist sehr teuer. „Man braucht gute Models, ein Kamerateam, Make-up, Beleuchtung, die passenden Kleidungsstücke, all das möglichst an interessanten Schauplätzen. Bei bewegten Bildern ist man von noch mehr Technik und Leuten abhängig, die wissen, wie man Mode visualisiert. Sonst sieht das ganze schnell aus wie ein gedrehter Otto-Katalog.“

Auch Frank Bojak wünscht sich Modefernsehen auf hohem Niveau. Seit zwei Jahren arbeitet der Geschäftsführer der Berliner PR-Agentur Alphapool am Konzept für ein Modemagazin. Einen Trailer, der unter anderem auf den Berliner Modemessen Premium und Bread & Butter gedreht wurde, gibt es schon. „Ich denke, Deutschland wartet auf eine Modesendung, schließlich kaufen auch 15 Millionen Deutsche Modemagazine.“ Gerade hat Alphapool seinen Trailer in Cannes auf der TV-Messe Mipcom vorgestellt. Laut Bojak haben 21 Länder Interesse bekundet – nur Deutschland nicht: zu teuer.

Petra Dorrmann, freie Autorin unter anderem beim Fernsehsender RBB, bekommt die Skepsis oft von zwei Seiten zu spüren, wenn sie über Mode berichten will: von den Modemachern und von den Redaktionen der Sender. Die Autorin der Dokumentation „Der letzte Schrei“ von 2003, einer differenzierten Bestandsaufnahme der Mode in Berlin, berichtet unregelmäßig über aktuelle Anlässe in der Abendschau oder in der Sendung „Stilbruch“. Sie bemerkt ein steigendes Interesse am Thema Mode, seitdem die Modemessen vor zwei Jahren in die Stadt kamen. Keineswegs abwegig fände sie es, regelmäßig über Mode in Berlin zu berichten: „Uns fehlt eine öffentliche Diskussion über Mode.“ Bei der sollte es um eine Vernetzung mit Kultur, Zeitgeist und internationalem Design gehen.

Ein schlagendes Argument für mehr Mode im Fernsehen hat Katja Fuhrmann, Chefstylistin beim Musiksender MTV: „Mit Mode kann man wunderschöne Bilder machen.“ Auch wenn sich die 25-Jährige vor allem damit beschäftigt, was die Moderatoren vor der Kamera tragen – über ein Konzept für ein Modemagazin hat sie sich schon ihre Gedanken gemacht. Sie würde vor allem über Ereignisse in Deutschland berichten: „Für den deutschen Zuschauer sind Paris und Mailand weit weg.“ Wichtiger sei es, die deutsche Modeszene in Porträts vorzustellen, Service und Orientierung zu bieten. Am Anfang, davon ist sie überzeugt, müsste eine Modesendung Aufklärungsarbeit leisten. Vielleicht käme so eine öffentliche Diskussion zustande, die über Saumlängen und Trendfarben hinausgeht.

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