Ökomesse : Schwarz zu Grün

Am Rande der Ökomesse „The Key.to“ werden Klamotten getauscht. Nachwuchsdesignerin Cecilia Palmer und Grafikdesignerin Sophie Bayerlein haben sich das ausgedacht.

Lea Hampel
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Mit der heißen Nadel. Cecilia Palmer, hier in ihrem Atelier in Kreuzberg, mistet ab Mittwoch ihren Kleiderschrank aus und tauscht...

Cecilia Palmer, 26 Jahre alt, hat ein Problem weniger als die meisten Frauen. Das Phänomen „überfüllter Kleiderschrank“ kennt sie nicht. Und das, obwohl Mode ihr Beruf, ihr Hobby und ihre größte Leidenschaft ist. Denn Röcke, T-Shirts und Hosen, die sie und ihre Freunde nicht mehr tragen, macht sie zu Hosen, Taschen und neuen Röcken. Und seit einem Jahr verkauft sie sie unter ihrem eigenem Ökolabel, einem von vielen Ausstellern auf der neuen grünen Modemesse „The Key.to“. Die findet von Mittwoch bis Sonnabend parallel zur Fashion Week in Neukölln statt und präsentiert ausschließlich nachhaltige Mode- und Beautyprodukte.

„Grün ist das neue Schwarz“ ist Teil von Palmers Firmenmotto. Und weil sie fest überzeugt ist, dass eigentlich viel zu viele Klamotten produziert werden, aber es trotzdem schade ist um „all die schönen alten Stücke“, verarbeitet sie nicht nur alte Klamotten zu neuen, sondern hat zusammen mit Grafikdesignerin Sophie Bayerlein eine Party initiiert, auf der Klamotten getauscht werden. Diese „Fashion reloaded“ findet am Rande der grünen Modemesse „The Key“ statt. In die Räume im Kaiserlichen Postamt in der Karl-Marx-Straße können die Besucher eigene Kleidung mitbringen und gegen die alte Kleidung anderer Besucher tauschen. In Workshops lernen sie, wie sie alte Hemden und Hosen mit Nadel und Faden schöner machen, T-Shirts umschneidern oder wie sie selbst Accessoires herstellen können. „Wir hauchen abgetragenen Sachen neues Leben ein“, sagt Palmer. Dabei geben erfahrene Designer Tipps, und wer die alte Kleidung nicht anziehen will, kann auch lernen, wie man daraus Kuscheltiere und Skulpturen macht.

In England und den Vereinigten Staaten sind Kleidertauschparties längst üblich. Dort heißen sie „Swap“-Parties nach dem englischen Wort für „Tauschgeschäft“. Bereits im Juni gab es die erste deutschlandweit angekündigte Tauschfeier in Freiburg, und auch Palmer und Bayerlein hatten die Idee schon Anfang des Jahres. Dass sie am Rande der neuen Ökomesse „The Key.to“ stattfindet, war für Palmer ein logischer Schritt: „So groß ist die Berliner grüne Modeszene auch nicht, da kennt man sich eigentlich“, sagt sie. Einige der Leute, die Workshops abhalten, hat Cecilia auf sogenannten Crafting-Partys kennengelernt, bei denen sich Fingerfertige zum gemeinsamen Handarbeiten treffen. Und die Kombination mit „The Key.to“ sei ideal.

Wie auch im ähnlich angelegten „Green Showroom“ im Hotel Adlon werden auf der Messe Kleidung, Accessoires und Beautyprodukte präsentiert, die unter ökologischen Aspekten hergestellt wurden. Die Veranstaltungen sind – neben der zunehmenden Zahl an Ökolabels, dem Erfolg von Firmen wie „American Apparel“ und grünen Modeblogs – Indikatoren für das steigende Interesse an Mode mit Ökofaktor. Bereits seit mehr als zwei Jahren gibt es eine „Green Lifestyle Area“ auf der eher traditionell ausgerichteten Modemesse „Premium“. Nachhaltigkeit, faire Löhne für die Hersteller und Unterstützung für kleine Labels liegen im Trend.

Für die Klamottenparty rechnet Palmer mit 250 Besuchern. Sie selbst wird alte Kleider aus den sechziger Jahren und T-Shirts von Basketballteams beisteuern. Und auch das ein oder andere mit nach Hause nehmen. Zu viele Shirts und Hosen kann sie ohnehin nicht besitzen. Zur Not macht sie einfach Taschen draus.

Für alle Modeinteressierten ist die grüne Messe „The Key.to“ am Sonnabend, 4. Juli, zugänglich von 12 bis 19 Uhr. Details im Internet: www.thekey.to. Im Kaiserlichen Postamt, Karl-Marx-Str. 97, findet auch die Klamottenparty statt. Details im Internet: www.fashionreloaded.com

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