Mode : Paul Davis entwirft in Berlin für den Mann von Welt

Paul Davis erzählt mit seiner Mode Geschichten aus seiner Heimat Kanada.

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Anzüge für Angelsachsen. Der kanadische Pavillon auf der Pariser Weltausstellung 1937 inspirierte Davis für diesen Winter.
Anzüge für Angelsachsen. Der kanadische Pavillon auf der Pariser Weltausstellung 1937 inspirierte Davis für diesen Winter.Foto: promo

Ein wenig wie aus der Zeit gefallen steht Paul Davis in seinem frisch eröffneten Laden. In seinem knapp geschnittenen Sakko mit Kreidestreifen könnte er einer stilsicheren TV-Serie entsprungen sein, die in den Fünfzigern irgendwo im englischsprachigen Raum spielt.

Zum ersten Mal steht er zwischen seinen Entwürfen und wartet auf Kunden. 2009 gründete er sein Label in Berlin, in Moabit hat er sein Atelier. Auch wenn er hier die meiste Zeit verbringt, ist er mit seinem Label bisher hier nicht in Erscheinung getreten. Berlin ist sein Rückzugsort, im vergangenen Jahr verlegte er seinen Firmensitz nach London, von Anfang an zeigte er in Paris zu den Prêt-à-porter-Wochen für Männermode seine neue Kollektion, seine Konkurrenten sind Saint Laurent und Dior, sein wichtigster Markt ist Japan.

Davis nennt Berlin sein persönliches Bermudadreieck. Hier ist es leicht, auf neue Ideen zu kommen, aber für Geschäftsbeziehungen ist London besser. Bei „Paul Davis London“ bleiben keine Fragen offen, bei „Berlin“ im Geschäftsnamen war das anders. Angefangen hat seine Karriere in Paris, wo sonst. Dort arbeitete er unter anderem für ein Männerlabel und für die italienische Männer-„Vogue“ als Stilist.

„In Paris zu sein, war natürlich der Ultrahammer, aber wohlgefühlt habe ich mich nicht.“ In Berlin hat er endlich genug Freiheit. Damit kann er umgehen – was er seiner kanadischen Herkunft zuschreibt: praktisch, bodenständig, alles muss einen Zweck haben. Seiner Mode sieht man auch die britischen Einflüsse der handgefertigten Anzüge der Savile Row an. Sein auffälligstes Stück für diesen Winter ist der „Buffalo Coat“, ein Mantel aus dickem, schwarzem Mohair, der einen Trapper wärmen könnte.

Davis mag satte Farben, ein petrolfarbenes Jackett aus einem feinen Kaschmirstoff, einen dunkelroten Mantel. Und er erzählt gern Geschichten. Meistens haben sie etwas mit Kanada zu tun. „Es ist eine Leidenschaft von mir, mein Land neu zu entdecken.“ In dieser Saison ist es der kanadische Pavillon zur Pariser Weltausstellung 1937. Davor stand aus Bronze eben jener Büffel, der dem Mantel den Namen gab. Die Welt war in Aufruhr, und auf dem Pavillon stand in großen Lettern: „Forêtes, Fourrures, Pécheries“ – Forstwirtschaft, jagen, fischen steht auch auf dem T-Shirt, das Paul Davis trägt. In der Sommerkollektion wird es um einen Botaniker gehen, der in Montreal einen idealen Garten entwerfen soll. Das Muster eines Gartenschlauchs, die Fensterbemalung eines Gewächshauses werden auftauchen.

Einen Parka gibt es immer, der wurde schließlich in Nordamerika erfunden, um sich gegen Eis und Schnee zu schützen. Mal ist er aus Wolle, mal aus regendichter Baumwolle. Überhaupt ist die Bandbreite der Produkte für ein so junges Label erstaunlich – bis hin zur Fliege gibt es alles, was ein Mann so trägt.

Dafür, dass Anzüge immer erst einmal aussehen wie Anzüge, sind die von Davis ziemlich weit entfernt vom immer gleichen Boss-Universum. Was das Modische angeht, muss auch der Designer Geduld haben. Erst jetzt setzt sich der Doppelreiher durch, der schon seit Jahren durch die Modenschauen geistert. In diesem Winter hat er das eine Modell so gut verkauft, dass er fürs nächste Frühjahr gleich vier entwarf. „Männer brauchen eben etwas länger“, sagt er.

Aber das macht Paul Davis nichts aus, er mag Dinge, die dauern. Die Geschäftsbeziehungen zu seinen Stofflieferanten gehören dazu. Er arbeitet nur mit wenigen zusammen, die alle eine lange Tradition haben. Für die nächste Saison sucht Nino Cerruti für ihn die Stoffe aus. Den Designer und Besitzer der Stofffabrik Lanificio Fratelli Cerruti lernte er im Januar auf einer Stoffmesse kennen, und der Grandseigneur der italienischen Herrenmode sagte sofort seine Unterstützung für den jungen Kollegen zu.

Paul Davis findet, dass jetzt eine tolle Zeit ist, ein Label zu gründen. „Wenn du Erfolg hast, wenn es wirtschaftlich schwierig ist, wie wird es dann erst, wenn es gut läuft?“

Paul Davis Pop-up, Quartier 206, Friedrichstr. 171, Mitte. Bis 3. Januar geöffnet.

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