Prêt-á-Porter-Schauen : Handwerksmesse

Geniestreiche haben gerade keine Konjunktur. Bei den Pariser Schauen für Frühjahr 2010 hat Grit Thönnissen wenig Überraschendes, aber viel gute Arbeit gesehen.

Grit Thönnissen
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Phoebe Philo wird eine große Zukunft bei Céline vorausgesagt. -Foto: promo

Bei den Prêt-á-Porter-Schauen, die an diesem Donnerstag zu Ende gingen, gab es viel Fleißarbeit zu sehen, der große Geniestreich blieb jedoch aus. Das meisterhaft gefertigte Einzelstück zu zeigen, ist vielen Designern derzeit anscheinend wichtiger, als sich an ein ausladendes Outfit zu wagen, bei dem man Mühe hat, es in seiner Ganzheit zu erfassen. Genug Zeit blieb fast immer, um genau zu registrieren, wie der Verschluss eines Jacketts verarbeitet ist, welches Muster eine Stickerei hat und wie der Fadenlauf eines Chiffonkleides verläuft.

Und weil es sich mit Leder so gut werkeln lässt, bleibt dieses Material auch im nächsten Frühjahr in fast allen Kollektionen sichtbar. Mal wird es an den Körper modelliert wie bei Céline in Form eines Brustpanzers, mal wird es hauchzart für kleine Ballerinakleider verwendet wie beim spanischen Label Loewe oder mit anderen Materialien gemischt wie bei Balenciaga. Dessen Chefdesigner Nicolas Ghesquière kehrte gar zu seinen glorreichen Anfängen für dieses Modehaus zurück, in dem er technische Stoffe in kräftigen Farben zu schmalen Kleidern verarbeitete.

Sogar Karl Lagerfeld nimmt für Chanel eine Tendenz auf, die wahrlich keine neue ist. Er ließ im Grand Palais eine Scheune aufbauen, schüttete Heu davor und zeigte mit Blumen bestickte Häkelkleider für eine moderne Marie Antoinette in der Sommerfrische. Er nennt das ganze „Coco écolo“. Was für eine lustige Idee, sich jetzt dem Ökotrend anzuschließen, wo es auf der Welt nichts Nachhaltigeres gibt als ein Chanelkostüm, das man niemals wegwirft.

Wenn sich die Designer auf der Suche nach Inspirationen nicht in der Natur herumtrieben, dann auf dem Sportplatz. Im Falle von Jean Paul Gaultier muss es der Tennisplatz gewesen sein: Für Hermès entwarf er zu Trainingsanzügen eine Kellybag mit Schlägerfach.

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