Schnittstelle : Keiner kreischt

Claus Vetter trifft Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel in einer anderen Welt.

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Pflichtprogramm. Sebastian Vettel fühlt sich wohler in seinem Rennauto.
Pflichtprogramm. Sebastian Vettel fühlt sich wohler in seinem Rennauto.Foto: promo

Kein großer Rummel. Keine kreischenden Teenager. Dabei hat der gerade 25 Jahre alte Mann mit dem Dauerlächeln doch Potenzial, von der Jugend angehimmelt zu werden. Sieht adrett aus, ist erfolgreich – zweimal Weltmeister in der Formel 1, das ist schon was. Doch keiner kreischt. Dafür kreuzt Klaus Wowereit zufällig auf dem Flughafen Tempelhof den Weg des Weltmeisters. Der unterbricht das Autogrammeschreiben, witzelt mit dem Regierenden und lächelt.

Als Sebastian Vettel wenig später am Mittwochnachmittag den Stand von „Pepe Jeans“ auf der Bread & Butter betritt, geschieht das eher beiläufig. Eingeflogen, mitten in der Vorbereitung zum Rennen am Sonntag in Silverstone in England. Schicksal eines Werbeträgers, jetzt muss der Motorsportler über sein Verhältnis zur Mode im Allgemeinen und zur Jeans im Speziellen referieren. Ob er denn die Jeans auch schon mal im Formel-1-Boliden trage, wird Vettel gefragt. Verlegene Antwort: „Das geht doch nicht, wegen des Brandschutzes.“

Der Weltmeister sitzt auf einem Ledersofa, in einem abgesperrten Quadrat. Drumherum gibt es die schick drapierten Produkte des von ihm beworbenen englischen Herstellers. Es ist nicht die Lieblingsstrecke des Sebastian Vettel, da wechselt er schnell mal den Kurs, bevor womöglich noch Fragen nach Marken, Messe oder Modemachern kommen. Sebastian Vettel sagt, er kleide sich am liebsten eher sportlich. „Im Vergleich zu den Leuten, die hier arbeiten und viel Geld ausgeben, gebe ich ziemlich wenig Geld für Kleidung aus“, sagt der Millionär. „Ich kenne mich dementsprechend weniger gut aus.“

Muss auch nicht sein, seine Jeans bekommt er ja schon mal umsonst. Und für das Tragen seines mit Sponsorensignets bepflasterten T-Shirts wird er womöglich sogar Geld rausbekommen. Das sieht in dieser Umgebung übrigens eher verwirrend als cool aus. Fast möchte man sagen: Herr Vettel, Sie haben da einen Fleck auf Ihrem T-Shirt. Und noch einen und noch einen. Viel Platz für schicke Kleidung bleibt eben nicht am Formel-1-Profi. Pepe-Jeans-Träger Vettel wiegelt ab, von wegen Sponsorendiktat. Privat könne er doch machen und tragen, was er wolle. Und bevor er aus dem Haus gehe, achte er darauf, dass alles „gut sitzt“.

Sebastian Vettel lächelt noch mal. Geschafft. Und Abflug nach England.

- Die Begegnung fand im Juli 2012 statt, damals auf der Bread an Butter im Flughafen Tempelhof

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