Mode : Schöner Müll

Upcycling-Designer zeigen, wie man Ressourcen sinnvoll nutzen kann: Sie fertigen Mode aus dem, was andere wegwerfen.

Regina Lechner

Grüne Mode ist mittlerweile ein fester Bestandteil der Berliner Fashion Week geworden. Immer mehr Designer verschreiben sich der Nachhaltigkeit und verwenden Bio-Stoffe und natürliche Materialien wie Leder und Holz. Noch weiter gehen Upcycling-Designer: Sie fertigen ihre Mode aus dem, was andere wegwerfen.

„Im Gegensatz zum Recycling steht beim Upcycling am Ende ein Produkt mit höherem Wert als das Ausgangsmaterial“, erklärt Carina Bischof. Sie ist eine von drei Designerinnen des Labels Aluc und betreibt Berlins ersten Upcycling- Store. Die Modemacherinnen lernten sich in London kennen, wo sie für From Somewhere arbeiteten. Die britische Marke verarbeitet bereits seit 1997 Abfälle der Bekleidungsindustrie zu High- End-Fashion.

Dieses Prinzip übernahm das Team von Aluc. Ihre Blusen und Hemden fertigen sie aus Resten, die in der industriellen Großproduktion nicht mehr eingesetzt werden können, etwa den Enden der Stoffrollen oder Farb- und Musterproben. Nähen lassen sie alles in Behindertenwerkstätten. Trotz ausgeklügelten Zuschnitts bleiben auch bei der Produktion von Aluc Abfälle übrig, die jedoch nicht in die Tonne wandern, sondern in Form von Handytaschen, Beuteln und Schals ein neues Dasein finden. „Zero Waste“, also „Null Abfall“ lautet der Anspruch an die Herstellung der Aluc-Stücke.

Ein anderer Ansatz von Upcycling ist die Weiterverwertung von Haushaltsabfällen. Die Schmuckkreationen und Kunstobjekte von Milchring entstehen aus den kleinen Plastiklaschen, die man zum Öffnen einer Milchpackung abzieht. Designer Jörg Gottschalk hat mittlerweile ein weltweites Netzwerk von Sammelstellen aufgebaut, die die Laschen entgegennehmen und in das Milchring-Atelier in Wien verschicken. Die Plastikteile verwebt Gottschalk zu abstrakten Gebilden, die derzeit im Berliner Upcycling- Store erhältlich sind. Zur Fashion Week verkaufen Carina Bischof und ihr Team Produkte von Milchring und neun weiteren Designern aus Österreich. „Dort ist der Upcycling-Gedanke schon viel weiter verbreitet als hier“, so Bischof. Die Auswahl an Labels hat Cloed Priscilla Baumgartner zusammengestellt, eine wichtige Figur in der österreichischen Design-Szene. Ende der Neunziger gründete sie die Marke Milch und verarbeitet abgelegte Herrenanzüge zu Schiebermützen, Kleidern und Hosen für Damen.

Mit alter Sportswear arbeitet Wilfried Pletzinger. Knallbunte Ballonseide und abgetragene Jogginghosen verwandelt der Designer mit ungewöhnlichen Schnitten in mutige Outfits für Herren und Damen.

Weniger festgelegt auf ein bestimmtes Ausgangsmaterial ist das Berliner Label Schmidttakahashi: Es hat an mehreren Orten weltweit „Reanimations-Container“ aufgestellt, über die es Kleiderspenden jeder Art bezieht. Vom Bademantel bis zum Seidenschal ist da alles dabei. Mariko Takahashi und Eugenie Schmidt nehmen die Secondhandware auseinander, nähen sie um oder kombinieren sie zu neuen Unikaten. Ihre nächste Sommerkollektion präsentieren Schmidttakahashi im Moment im Green Showroom.

Jedes fertige Teil erhält eine Nummer und einen RFID-Chip, mit dem der Käufer den Weg seines Kleidungsstücks zurückverfolgen kann: Wie sahen die einzelnen Bestandteile ursprünglich aus? Wer hat sie wo gespendet?

Gemeinsam ist den Upcycling-Designern, dass sie den Charakter und die Qualität von Altem und Unscheinbarem zu schätzen wissen. Und es schaffen, etwas großartiges Neues daraus zu machen.Regina Lechner

1A Austrian Upcycling Showroom, bis 7. Juli, Linienstraße 77. Infos unter www.upcycling-fashion.com

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