Mode : Whisky in the Jacket

Harris Tweed ist unverwüstlich. Mark Hogarth will ihn der jungen Generation schmackhaft machen.

Lisa Kober
Passt ins Straßenbild. Mark Hogarth, Creative Director von Harris Tweed, setzt auf Wolle und Whisky, um seiner Heimat wieder auf die Beine zu helfen.
Passt ins Straßenbild. Mark Hogarth, Creative Director von Harris Tweed, setzt auf Wolle und Whisky, um seiner Heimat wieder auf...Foto: promo

Was führt Sie nach Berlin?
Wir wollen Harris Tweed beim jüngeren Publikum bekannt machen. Dafür haben wir die zwei Jungs vom Berliner Männermodeblog Dandy Diary zu uns nach Schottland eingeladen. Sie haben einen Reiserucksack entworfen. Schöne Idee, dass unser Stoff für eine Rucksacktour ebenso geeignet ist wie für verregnete Festivals. Widerstandsfähiger Tweed taugt auch für die junge Generation.

Sind sie zum ersten Mal in Berlin?
Nein, ich kenne die Stadt gut. Ich mag die kluge Art, wie hier über Kunst oder Mode diskutiert wird. Modisch gesehen ist Berlin vielleicht etwas langsamer als andere Städte. Dafür sind die Dinge beständiger, und das ist genau das Umfeld, das ich mir für Harris Tweed wünsche.

Was bedeutet Harris Tweed für Sie?
Ich bin in Schottland auf einer Farm aufgewachsen. Mein Vater hatte immer ein Jagdjackett von Harris Tweed im Schrank, das robust und ein bisschen steif war. Der schottischen Stoffindustrie ging es damals noch gut, Weber war ein anerkannter und gern gewählter Beruf.

Wie kamen Sie zur Mode?
Ich habe nach dem Politikstudium meine Heimat verlassen und bin als Model um die Welt gereist. Ich habe viele Designer getroffen und viel über Mode gelernt.

Was hat Sie daran angezogen?
Mich hat immer interessiert, wo die Stoffe herkommen und wie dabei Tradition und Trend verbunden werden. In Tokio und Hongkong habe ich gesehen, wie dort mit Tweed gearbeitet wird. Japaner schätzen Qualitätsstoffe in der High Fashion und geben dem Tweed durch moderne Schnitte und helle bunte Farben ein neues Gesicht.

Gute Nachrichten für Schottland?
Dort sah es inzwischen leider ganz anders aus. Die Webertradition drohte auszusterben, weil keine Jungen nachkamen. Auch die Nachfrage nach Tweed ging zurück, die ganze regionale Stoffindustrie hatte mit dieser Abwärtsspirale zu kämpfen. Wegen meines Studiums und meiner Erfahrung in der Modeindustrie beschäftigte mich dieser Zustand auf politischer und auf persönlicher Ebene. Bei einer Modenschau von Vivienne Westwood traf ich dann einen alten Arbeitgeber, der mich zu Harris Tweed brachte.

Was haben Sie unternommen?
Mit der Hilfe eines Londoner Investors gründeten wir eine Firma, die Harris Tweed wieder auf die Beine helfen sollte. Wir haben ein neues Ausbildungsprogramm entwickelt, inzwischen arbeiten wieder 140 Weber für uns. Die aufwendige Handproduktion soll auf jeden Fall das Herzstück bleiben.

Was ist dabei Ihre Aufgabe?
Als Creative Director bin ich dafür zuständig, neue Wege zu finden, Harris Tweed im Auge der Öffentlichkeit zu präsentieren und Altes mit Neuem zu verbinden. Deswegen fand ich die Idee sehr interessant, mit Johnnie Walker Black Label zusammenzuarbeiten. Wie beim Whisky spielt auch bei uns der Herstellungsprozess eine große Rolle. Gemeinsam mit Wissenschaftlern haben wir ein Verfahren entwickelt, das unseren Stoff mit einer von Johnnie Walker ausgewählten Duftnote verbindet. Aber der Stoff riecht nicht nach Whisky, sondern eher nach Holz und Moos. Der Duft bleibt bis zu 15 Waschungen im Tweed erhalten, bei Wolle also eine halbe Ewigkeit.

Das Interview führte Lisa Kober.

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