Wladas Fashion-Week-Diät : Teil 5: Häppchen mit Geschmäckle

Wlada Kosolowa hat ihre Fashion-Week-Diät beendet. Ihr Fazit: Schmarotzen lohnt sich nicht. Weil es anstrengender ist als ertragreich.

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Endlich wieder mal ein Eis. Wlada hat es geschafft!
Endlich wieder mal ein Eis. Wlada hat es geschafft!Foto: Antje Krüger

Meine Fashion-Week-Diät neigt sich dem Ende zu: Ich bin einen halben Kilo leichter, mein Haushalt dafür fünf Kilo schwerer, durch all die kostenlosen Haarprodukte und Nagellacks, die ich nicht brauche; Werbebroschüren, die ich nicht lesen werde; und leere Goodiebags, die ich höchstens als Mülltüten verwenden kann.

Mein Fazit: Schmarotzen lohnt sich nicht. Aus moralischen Gründen natürlich. Aber auch, weil es anstrengender ist als ertragreich. In den vier Tagen habe ich mehr Geld für Fahrscheine und Zu-Spät-für-BVG-Taxis ausgegeben, als ein wöchentlicher Lebensmitteleinkauf gekostet hätte.

Es mag natürlich sein, dass ich nicht ausgefuchst genug bin, oder nicht ausreichend wichtig für die Marketingabteilungen. Vielleicht gibt es tatsächlich Raffinierte, die ihre Fashionweek-Termine so legen, dass sie mit vollen Taschen und Mägen nach Hause fahren. Vielleicht existieren tatsächlich Condé-Nast-Redakteurinnen, die auf der Fashion Week speisen wie Könige.

Ich ernährte mich hauptsächlich von Keksen, Pralinen, Fruchtgummis, Gratiskaffee, Vitaminwasser, Unmengen Prosecco und sogar Lippenstift. Und auch wenn ich es auf einen Termin geschafft habe, bei dem Gourmetkost (meist in 15-Gramm-Portionen) an Gäste verfüttert wurde, hatten die Häppchen oft ein Geschmäckle. Schmarotzen bedeutet auch, dass man nicht von seinen Interessen durch die Fashion Week geleitet wird, sondern vom Hunger.
Nicht immer sind die großzügigsten Marken auch die spannendsten. Oft scheinen all die Geschenke auch ein bisschen wie Zuckerguss, der die Kritiken der Redakteure und Blogger versüßen soll.

Während der Fashion-Week-Diät fühlte ich mich, wie man sich wahrscheinlich während jeder Diät fühlt: ein wenig leichter, dafür aber sehr viel unglücklicher.

Und während ich an meinem letzten knallpinken Macaron nage, den ich bei einem Pressefrühstück abgestaubt habe, freue ich mich auf die nächste Modewoche, bei der ich wieder essen darf, wann und was ich will. Wahrscheinlich werde ich mir auch Notfall-Fresspakete vorbereiten und unglamouröse Käsestullen von Zuhause einpacken. Zu groß wäre meine Angst vor einem Hungergrummeln im Bauch, das mich sofort an meine Fashion–Week–Diät erinnern würde.
Oder ich greife schnell wieder zu einem Umsonst-Leckerli, die ganzen Barkeeper und Kellner kennen mich ja inzwischen mit Vornamen. Auch wenn ich dafür manchmal unglamouröse Käsestullen von zuhause einpacken muss.


- Hiermit beendet Wlada Kolos ihre Fashion-Week-Diät und isst ab jetzt ganz bestimmt keine Lippenstifte mehr! Lesen Sie hier Teil 4, Teil 3, Teil 2 und Teil 1 ihrer Erfahrungen.

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