Mode : Zwischen Idylle und Weltuntergang

Kleidung in bewegten Bildern: Das „Berlin Fashion Film Festival“ will den Modefilm fördern.

Lisa Strunz
Kleid des Schreckens. Filme können Mode in neuem Licht erscheinen lassen.Foto: promo
Kleid des Schreckens. Filme können Mode in neuem Licht erscheinen lassen.Foto: promo

Sekunde 5: Klaviermusik, leichter Nebel, ein Wald. Sekunde 11: Ein junger, blonder Mann in einem senfgelben Pulli lehnt an einem Baum. Sekunde 22: Der Mann streicht über die Rinde. Sekunde 44: Er läuft im Wald herum. Sekunde 62: Er lehnt wieder an einem Baum. Sekunde 76: Und läuft weiter im Wald herum. Uff. Anderthalb Minuten können ganz schön lang sein.

Die Szenen stammen aus einem von 250 Modefilmen, die beim „Berlin Fashion Film Festival“ (BfFF) eingereicht wurden. Anfang 2012 wurde es von den Produktionsfirmen Fier Management und Furore gegründet und soll junge Designer und Regisseure dabei unterstützen, die Aufmerksamkeit für das in Deutschland noch wenig bekannte Genre zu steigern.

Viele der eingereichten Filme, die man auf der Facebook-Seite des BfFF bisher sehen konnte, sind allerdings – nun ja – ziemlich langweilig. Entweder sie zeigen schöne Menschen, die verträumt durch einen Wald hüpfen, oder Aufnahmen, die einem Weltuntergang gleichen: zuckende Models, düstere Kleidung, verstörende Musik.

Frank Funke von der Firma Furore ist seit 14 Jahren im Geschäft und weiß, was einen guten Modefilm ausmacht: Die Geschichte. „Wenn der Zuschauer nach den ersten 15 Sekunden nicht gepackt wird, ist er raus.“ Unter dem Begriff „Fashion Film“ sollte man deswegen ein eigenständig konzipiertes Video verstehen, das Emotionen weckt und das Image eines Labels festigt, anstatt nur Making-of-Bilder eines Fotoshootings zu zeigen.

Ob Dior, Louis Vuitton oder Prada – für die großen Modehäuser ist es bereits selbstverständlich, in jeder Saison einen kurzen Film zu produzieren. Viele davon werden sogar von Kinoregisseuren inszeniert und kosten mehrere Millionen. Hierzulande, schätzt Funke, muss ein junges Label für einen gut gemachten Film 10 000 Euro einplanen – mindestens. Am Ende zahlt es sich jedoch aus und das nicht nur, weil die Kleidung durch das bewegte Bild besser zur Geltung kommt.

Studien belegen, dass mittlerweile 74 Prozent der Deutschen das Internet nutzen und deutlich länger auf einer Seite verweilen, wenn dort ein Video gezeigt wird. Zudem kann sich ein Film durch das Facebook-Prinzip „like and share“ - also „mögen und teilen“ – rasend schnell im Netz verbreiten und in wenigen Tagen mehrere tausend oder sogar Millionen Menschen erreichen.

Auch für Online-Magazine ist das Medium „Fashion Film“ interessant. Kai La Quatra, Chefredakteur beim Berliner „Querbinder“, hat festgestellt, wie „faul“ der Online-Leser geworden ist. „Er lässt sich lieber von bewegten Bildern berieseln, als viel Text zu lesen.“ Pro Ausgabe findet man im „Querbinder“ deswegen drei bis vier Videos.

Eigentlich ist es verwunderlich, dass Modefilme trotz ihrer Vorteile in Deutschland bisher so wenig genutzt werden – und wenn, dann eher an avantgardistische Kunstinstallationen erinnern. In zwei oder drei Jahren, so ahnt und hofft man beim BfFF, sehe das aber ganz anders aus. Bis die Fashion Week in Berlin richtig angelaufen war, hat es schließlich auch ein paar Saisons gedauert. Lisa Strunz

Die Gewinnerfilme des „Berlin Fashion Film Festival“ werden am 8. Juli um 17 Uhr im Kunsthaus „The Wye“, Skalitzer Strasse 86, gezeigt. Infos unter www.berlinfashionfilmfestival.net

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