Mode : Zwischen Punk und Prunk

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Foto: Kitty Kleist-Heinrich
Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Mit Karl Lagerfeld über die Modestadt Berlin zu sprechen, kann ziemlich lustig sein. Von der Avantgarde-Haltung der Nachwendejahre hält er nicht viel, „Pfff!“, von den Vergleichen mit Mailand und Paris schon gar nichts, und so recht vermag er nicht zu erkennen, „was Berlin will, kann, soll“: Mal ein bisschen Punk, mal ein bisschen Prunk, alles gerne Post-Irgendwas, nichts aber richtig. Zum Leben brauche man nur Brot und Butter, fertig. Aber auch davon nicht zu viel, sonst wird man dick. Und liebe Grüße aus Paris. Das Interview mit dem weltweit erfolgreichsten Designer von Haute Couture, der sich mit dem Bread & Butter-Chef Karl-Heinz Müller in seinen Ateliers an der Seine getroffen hat, können Sie auf den folgenden Seiten lesen.

Was Berlin betrifft, liegt auf dem Butterbrot inzwischen aber doch schon die eine oder andere gute Scheibe. Die Investitionsbank Berlin hat das ihre Volkswirte mal durchrechnen lassen, und siehe da: Die Zahl der Modeunternehmen in Berlin ist in den vergangenen zehn Jahren um fast dreißig Prozent gewachsen, in keiner anderen deutschen Stadt arbeiten mehr Menschen in dieser Branche. Allein die Modewoche, die gerade begonnen hat, bringt Berlin demnach 120 Millionen Euro ein. Das hat offensichtlich auch Karl Lagerfeld mitbekommen, wenn er argwöhnt, die Stadt sei sich selbst womöglich inzwischen „zu commercial“. Auch wenn da immer noch eine Menge Luft nach oben ist.

Einen enormen Anteil am Aufschwung hat die Bread &Butter, weltweit größte Messe für Urban- and Streetwear, gegründet in Köln, dann umgezogen nach Berlin, groß geworden in Barcelona, zurückgekommen nach Berlin. Wir sind den Stationen dieser Erfolgsgeschichte nachgegangen, pünktlich zum zehnjährigen Bestehen des Unternehmens, das in diesen Tagen auf dem Gelände des früheren Flughafens Tempelhof gefeiert wird.

Heute ist es kaum noch vorstellbar, wie erbittert vor ein paar Jahren über den Umzug der Modemesse nach Tempelhof gestritten wurde. Keinem Taxifahrer, keinem Hotelbesitzer, keinem Gastronom wäre das heute zu erklären, und so lassen es die Skeptiker und Kritiker von einst gleich bleiben. Lieber feiern sie mit. Und das geht in Berlin mindestens genau so gut wie in Paris. Wenn nicht sogar besser. Na dann los!

Lorenz Maroldt

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