Welt : Mörtel, Mausi und Moneten

Für Wiens Baulöwen Lugner kommt morgen der Tag der Wahrheit

Ulrich Glauber[Wien]

Mit Spannung beobachtet die Wiener Öffentlichkeit das wirtschaftliche Schicksal des Bauunternehmers Richard Lugner. Der in finanzielle Nöte geratene Selfmade-Mann mit dem Spitznamen „Mörtel" hat versprochen, bis Freitag alle seine Schulden zu bezahlen. Die Angaben zu deren Höhe schwanken zwischen fünf und 35 Millionen Euro. Sollte der 71-Jährige seine Zusage nicht einhalten, wird das Konkursgericht am morgigen Freitag über die Insolvenz verhandeln.

Lugner pleite? Die Affäre beschäftigt das Land wie kaum eine andere seit dem „Lucona“-Skandal, bei dem der großsprecherische Demel-Chef Udo Proksch ins Gefängnis musste.

Der Baulöwe Lugner und seine vierte Frau Christina „Mausi" Lugner zeichnen sich durch einen ausgeprägten Hang zur Selbstdarstellung aus. Der umtriebige Unternehmer bezeichnet sich selbst als PR-Maschine. Ohne „Mörtel“ wäre der Wiener Opernball gar nicht mehr denkbar. Als Opernball-Gastgeber von Stars wie Sophia Loren, Nadja Abdel Farrag, Pamela Anderson und Dolly Buster erregt er jedes Jahr aufs Neue Aufsehen. „Die Lugners" sind nach dem Vorbild der Osbornes gar zum Mittelpunkt einer Reality-Soap des Privatsenders ATV aufgestiegen.

Seit Tagen sagt Lugner nichts mehr in der Öffentlichkeit. Das ist ein völlig neuer Wesenszug. Stattdessen schiebt sich seine Frau noch auffallender als bisher in den Vordergrund. Sie ließ sich im Internet zur erotischsten Frau Österreichs wählen. Gleichzeitig erklärte die gelernte Supermarktverkäuferin öffentlich, sie sei gar nicht erotisch, dazu „fehle ihr die Oberweite“.

Doch Lugners Gläubiger lassen sich nicht ablenken. Es handelt sich um mehr als 1000 Firmen, denen Lugner Geld schuldet. Mit der Zahlung von 27,9 Prozent der Schulden wollte er sie abspeisen. Dieses Unterfangen ging Lugner Beobachtern zufolge ziemlich unprofessionell an. „Ich bin manchmal ein wenig patschert“, sagte er schon letztes Jahr bei seinem 70. Geburtstag.

Wenn Lugners Finanzmanöver schief gehen, ist es dann aus mit seinen teuren Eskapaden? Ein Opernball ohne Lugner?

„Weder er noch seine Frau oder seine Kinder werden am Hungertuch nagen“, ist Hans-Georg Kantner, Insolvenzexperte des „Kreditschutzverbandes von 1870“ (KSV), überzeugt. Dafür werden schon die Privatstiftungen sorgen, in denen die eine oder andere Euro-Million geparkt sein soll und deren Begünstigte die engsten Familienmitglieder sind. Auch Opernball-Organisatorin Elisabeth Gürtler kann sich nicht vorstellen, dass der Ball der Bälle diesmal ohne Lugner über die Bühne gehen wird. „Seine Loge ist bereits im Juni angezahlt worden. So wie ich ihn kenne, kommt zumindest er.“

Wer ist sein nächster Gast?

Vorbei aber sind die Zeiten, als „Mörtel“ sogar vom höchsten Staatsamt träumte. Knapp zehn Prozent der mündigen Bürger gaben Lugner bei der Wahl des österreichischen Bundespräsidenten im November 1998 ihre Stimme. Der Bauherr hatte gegenüber den konkurrierenden Politprofis mit seiner Erfahrung als Geschäftsmann geworben, der sich vom Fach-Abiturienten an einer Handelsakademie zum Herrn über ein Firmengeflecht mit einem Jahresumsatz von 850 Millionen Euro emporgearbeitet hatte. Die Unternehmen hat Lugner inzwischen weitgehend in Stiftungen eingebracht. Mit der eigenen Baufirma wollte der 71-Jährige nur noch bestehende Bauprojekte abarbeiten.

Die Frage ist, wen Lugner zum nächsten Opernball mitbringt. In der Vergangenheit soll er sechsstellige Summen für seine prominenten Gäste aufgewendet haben. Vielleicht wird es diesmal eine Preisklasse niedriger.

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