Welt : Monarchie berauscht Republikaner

Charles und Camilla werden bei ihrem offiziellen USA-Besuch von einer unkritischen Presse bejubelt

Christoph von Marschall[Washington]

Amerikas Medien haben Prinz Charles und „seine neue Frau“ Camilla überaus freundlich begrüßt – manche feiern das Paar überschwänglich wie die „Washington Post“. Auf gleich drei Seiten ihrer „Style“-Beilage beschreibt sie einen „spät erblühten“ Prinzen, der glücklich und entspannt wirke und nicht mehr wie früher meist ein „Regenwettergesicht“ zeige. Seine Midlife-Crisis habe der britische Thronfolger umgekehrt wie so viele Männer bewältigt: Er hatte erst sein Starlet (Diana) und dann eine „normale Ehefrau“. Camilla wird beim Besuch in einem Schulinternat in Washingtons schwarzem, armem Südosten als „so natürlich“ gelobt, „viel zarter und schöner“ als viele Medien sie zuvor beschrieben hätten, „überhaupt keine Bulldogge“.

In der fast kritikfreien Jubelpresse, in Überschriften wie „Dinner mit der Dynastie“ spiegelt sich die Faszination, die Königshäuser auf Bürger einer Republik ausüben, die in der demonstrativen Abkehr von Europas Monarchien gegründet worden war. Für die britischen Royals ist der Zweck erfüllt: Die siebentägige Reise von New York über Washington und das hurrikangezeichnete New Orleans nach Kalifornien, wo sich der umweltbewusste Charles ökologische Landwirtschaft zeigen lässt, ist der Auftakt einer internationalen Charmeoffensive, die Camilla weltweit „hoffähig“ machen soll.

Ohne Spitze erinnern US-Medien an den königlichen Besuch 1985, bei dem sich Diana mit einem Walzer mit John Travolta in die Herzen der Amerikaner tanzte. Kein Wort fällt, dass Charles und Camilla den Puritanern hier als „Ehebrecher“ galten.

Charles hat die Dinnergäste im Weißen Haus mit einem Rückblick auf seinen Besuch 1970 gemeinsam mit Schwester Anne erheitert, „als die Medien mich mit Tricia Nixon verheiraten wollten“. Ähnliche Kuppeleien drohten nun seinen Söhnen. Den Besuch mit Diana 1985 übergeht er. 130 Gäste sind geladen, die Reagan-Witwe Nancy, der Modeschöpfer Oscar de la Renta – Laura Bush trägt ein schulterfreies rotes Kleid von ihm, ebenso Außenministerin Condoleezza Rice –, der Cellist Yo-Yo Ma, der anschließend im East Room konzertiert, Keyboarder Chuck Leavell von den „Rol- ling Stones“, Schauspieler Klesey Grammar, General Russell Honoré, der den Armeeeinsatz zum Wiederaufbau New Orleans’ leitet. Camilla trägt eine bestickte schwarze Cashmere-Jacke über dunkelblauem Kleid, die Herren Smoking.

Präsident Bush hat seinen Toast im gewohnten Stakkato vorgetragen – nach jedem zweiten Satz wendet er sich mit einem mechanischen Grinsen in die Kameras, was nach der Passage über die Terroropfer in London etwas unpassend wirkt. Der 1986 zum Abstinenzler bekehrte Bush – Laura soll ihn damals vor die Wahl gestellt haben: „Ich oder Johnny Walker“ – stößt mit einem Wasserglas an, die Genießer begleiten das Menü (Selleriesuppe mit Shrimps, Büffellende mit Wildreis-Pancakes, Salat mit Grapefruit-Dressing, Eis) mit Wein und Champagner. Doch auch für Bush ist dieses Dinner Entspannung in politischen Krisenzeiten. Keiner seiner in Affären verwickelten Getreuen – Karl Rove, Lewis Libby, Tom DeLay – ist geladen.

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