Montréal-Amoklauf : Schüler und Lehrer immer noch fassunglos

Der Amoklauf eines 20-Jährigen im Dawson-College in Montréal endet für die Schüler und Lehrer mit Schock und Tränen. Sie hatten während des Schusswechsels mit der Polizei in ihren Klassen ausgeharrt.

Montreal - Sie stehen vor der Schule, haben Tränen in den Augen, und können es nicht fassen. Die Schüler und Lehrer des Dawson-College in Montreal suchen auch nach dem Ende des Amoklaufes eines 25-jährigen noch Schutz in dicht gedrängten Grüppchen oder in fester Umarmung. "So was kann doch in Montreal nicht passieren, das ist ja wie in den USA", schluchzt eine Schülerin. Mit einer Maschinenpistole war der junge Mann in die Schule eingedrungen und hatte wahllos auf die Schüler geschossen. Eine 20-Jährige wurde dabei getötet, 19 weitere Menschen wurden verletzt. Einige davon kamen bei der entstehenden Panik zu Fall und wurden von ihren Freunden niedergetrampelt.

Während die Schülerinnen und Schüler um Trost ringen und mit ihren Handys ihre Familien und Freunde anrufen, kreisen über dem weiträumig abgesperrten Schulgebäude immer noch Hubschrauber. Mehrere Stunden durchsuchte die Polizei jedes Klassenzimmer und jede Abstellkammer, nachdem zunächst von mehreren Tätern die Rede gewesen war. Endlich kommt die Entwarnung: Der Mann mit dem schwarzen Trenchcoat, der in einem minutenlangen Schusswechsel schließlich von der Polizei erschossen wurde, habe allein gehandelt, versicherte die Polizei.

Schüler verbarrikadierten sich

Doch bis diese Gewissheit herrschte, saßen dutzende Schüler in ihren verbarrikadierten Klassenräumen. "Zweieinhalb Stunden lang", berichtet die 19-jährige Roxanne Michaud. "Wir konnten nicht telefonieren, die Handys funktionierten nicht, da haben wir versucht über Radio und Internet zu verfolgen, was passierte." Als die Polizei grünes Licht zum Verlassen der Schule gab, herrschte trotzdem noch Angst. "Die Polizisten haben uns ein Zeichen gegeben, sie haben gesagt, wir können 'rauskommen und wir sollten schnell laufen", erzählt eine völlig aufgelöste Studentin namens Elizabeth im kanadischen Fernsehen.

In Angst und Schrecken begannen die wartenden Schüler ihre Flucht ins Ungewisse. "Es hat Panik gegeben", räumt Polizeisprecher Ian Lafrenière ein, einige der Verletzten seien nicht dem Schützen, sondern den fliehenden Schülern zum Opfer gefallen. "Da liefen völlig panische Leute herum, am Boden lagen Verletzte", berichtet der Techniker Mario Boutin, der sich zur Zeit des Amoklaufs in der Nähe des Schulgebäudes aufhielt, wo 10.000 Schüler lernen.

Betreuung für 400 entkommene Menschen

Das Dawson-College liegt praktisch im Stadtzentrum Montreals, hunderte Polizisten sperrten das Gebiet um die Schule ab, in der Innenstadt herrschte Verkehrschaos.

Rund 400 aus der Schule entkommene Menschen wurden in Räumen der benachbarten Universität Concordia untergebracht, wo sie mit Essen versorgt und psychologisch betreut wurden. Fassen kann die Tat, deren Motive zunächst im dunkeln lagen, niemand. Wütender Trotz sprach aus den Worten einer sichtlich erschütterten Lehrerin, die Journalisten und Schaulustigen zurief: "Ich finde das völlig normal, in der gefährlichen Welt, in der wir leben." (Von Frédéric Bastien, AFP)

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