Mord an Kindern : Stille Tage in Krailling

Nach dem Tod der beiden Mädchen bei München gibt es keine Hinweise auf Täter und Motiv. Eine Sexualstraftat schließt die Polizei aus.

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Kein Sexualverbrechen. Oberstaatsanwältin Andrea Titz am Freitag in München.
Kein Sexualverbrechen. Oberstaatsanwältin Andrea Titz am Freitag in München.Foto: dpa

Der Biergarten zum „Alten Wirt“ in Krailling bei München ist gut besucht am Mittag dieses sonnigen, warmen Frühlingstages. Und doch herrscht Stille unter den Gästen, wo sonst lebhaft geredet wird. Schräg gegenüber des Biergartens, in einem Haus mit orangener Fassade, wurden in der Nacht zum Donnerstag die beiden Schwestern Chiara (8) und Sharon (11) ermordet. Der Täter oder die Täterin hat sie erstochen und erschlagen, wie die Münchner Polizei nach der Obduktion mitteilt. Das Tatmesser lag in der Wohnung. Festgestellt wurden „vielfältige Gewalteinwirkungen verschiedener Art“. Eine Sexualstraftat schloss die Polizei aus. Wer aber hat dieses Verbrechen begangen? Die Ermittler der Soko „Margarete“ – das Haus steht in der Margaretenstraße – haben noch keine Antwort und auch, so sagen sie, bisher keine heiße Spur.

Am Mittwochabend gegen 22 Uhr hatte die Mutter Anette S. (41) die Wohnung verlassen, die Mädchen schliefen. Sie ging nur drei Häuser weiter in die Musikkneipe „Schabernack“, die ihr 52 Jahre alter Freund betreibt. Bis morgens um fünf Uhr bediente sie, putzte, feierte noch mit bei einem privaten Fest. Dann kam sie mit ihrem Lebensgefährten nach Hause, dort entdeckten sie die getöteten Kinder. Haus- und Wohnungstür waren nicht abgeschlossen. Das sei nicht ungewöhnlich in diesem Fall, sagen die Ermittler. Die Mädchen wussten, wo Anette S. war, für den Fall eines Brandes sollten sie nicht eingeschlossen sein. Es wurden keine Einbruchspuren oder andere Auffälligkeiten entdeckt.

Am Tag danach sichert die Polizei das Haus weiterhin ab. Auf dem Gehweg davor haben die Menschen Blumen hingelegt und Kerzen angezündet. Es findet sich ein Christusbild und viele Zettel. „Liebe Sharon, wir vermissen Dich sehr“, steht auf einem. Eine ältere Frau kommt mit dem Rad und stellt eine Kerze ab. Ein Beamter bringt einen Spürhund.

Kamerateams stehen vor dem Haus, Fotografen, Journalisten. Passanten werden für Interviews abgefangen. Wenn sie überhaupt etwas sagen, dann, dass die Familie nett war, die Mädchen einen aufgeweckten Eindruck machten. Chiara ging in die Grundschule. Dort wurde nun eine Trauerecke eingerichtet für die beiden Mädchen. Psychologen sind an der Schule, beraten die Lehrer, reden mit den Schülern. Schon am Tag der Todesnachricht wurden Schüler von zahlreichen Reportern behelligt. „Das war sehr unschön“, sagt die Rektorin Hermine Freystätter. Besorgten Eltern wurde empfohlen, ihre Kinder die nächsten Tage abzuholen.

Krailling mit seinen 7500 Einwohnern liegt nur fünf Kilometer südwestlich von München entfernt an der Würm. Es ist eine wohlhabende Gegend, hat aber mit den Reichen-Domizilen etwa am Starnberger See noch nichts gemein. Von München aus reiht sich ein Ort nach dem anderen entlang des Flüsschens, alles ist zugebaut worden.

Natürlich sagen die Kraillinger, dass sie es nie für möglich gehalten hätten, dass in ihrem Ort je solch eine Familientragödie geschieht. Unzählige Mutmaßungen kursieren, für die es keine Bestätigung gibt. Polizei und Staatsanwaltschaft geben aus Ermittlungsgründen fast keine Informationen preis. Der Vater der Kinder – das Paar ist seit langem getrennt – soll in Hamburg leben. Für die Vernehmung ist er nach München gekommen. Ob die Mutter und ihr Lebensgefährte für die ganze Nacht ein Alibi haben, ist nicht bekannt.

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