Welt : Mord im Pfarrhaus

Pastor in Schweden tötete seine Frau – durch die Hand des Kindermädchens

André Anwar[Stockholm]

Die Geschichte um den mordenden Pastor von Knutby könnte aus der Feder des schwedischen Krimiautoren Henning Mankell stammen. Es herrscht tiefste Nacht, alles schläft. Das attraktive und geistig gestörte Kindermädchen der Pastorenfamilie erhält einen Revolver und maskiert sich. Drei Schüsse im ersten Schlafzimmer, in den Kopf und Unterleib der schlafenden Ehefrau des Pastors. Sie stirbt. Die Kinder sind ruhig gestellt, wahrscheinlich mit Betäubungsmittel. Dann geht Kindermädchen Sara Svensson zum Nachbarhaus und erschießt den 30-jährigen Nachbarn in seinem Schlafzimmer. Wie durch ein Wunder überlebt er und kann eine Täterbeschreibung abgeben. Das Kindermädchen wird verdächtigt und es gesteht. Zunächst scheint der sich im Januar zugetragene Fall gelöst. Ein Trugschluss.

So ungefähr beginnt ein bizarrer und verworrener Mordfall, der sich im kleinen Dorf Knutby rund 90 Kilometer nördlich von Stockholm zugetragen hat und Schwedens meistbeachtetes Gerichtsverfahren seit dem Mord an der Außenministerin Anna Lindh zu sein scheint. Erst in monatelangen Verhandlungen durch zwei Instanzen, die an diesem Freitag zu Verurteilungen führten, kamen die Hintergründe aus dem Dunkel. Opfer und Täterin gehören zur freikirchlichen Pfingstbewegung, die im Dorf Knutby in aller Heimlichkeit ein nahezu sektenhaftes Gemeindeleben führt.

Der aus Norwegen stammende Pastor Helge Fossmo ist charismatischer Anführer der Bewegung. Er hat das Kindermädchen durch religiöse Motive und spirituelle nächtliche SMS-Mitteilungen mit Zitaten aus der Bibel dazu manipuliert zu töten. Das Motiv: Heiratspläne mit der Frau des Nachbarn, in die er seit einiger Zeit verliebt war. Seit Freitag ist der trauernde Ehemann ein zu lebenslanger Haft verurteilter Täter. Auch die Frau des Nachbarn wurde zunächst verdächtigt, aber später freigesprochen. Laut einer psychologischen Untersuchung leidet das rhetorisch versierte Kindermädchen an einer schweren Persönlichkeitsstörung – sie kommt in eine psychiatrische Anstalt. Sie soll bereits einige Zeit vor dem Mord die Ehefrau des Pastors mit einem Hammer angegriffen haben.

Das Gericht ging davon aus, dass das Kindermädchen dem Pastor völlig hörig war. Der Prozess konzentrierte sich stellenweise auf bizarre Details. Etwa, als Bibelzitate in technische nachkonstruierten SMS-Mitteilungen des Pastors von Experten auf ihren Mordauftragsgehalt analysiert wurden. Oder als es darum ging, die Schlafstellen der gleichzeitig unter einem Dach lebenden Geliebten des Pastors zu lokalisieren.

Zu seinem Höhepunkt gelangte der Prozess, als plötzlich ans Licht kam, dass die erste Ehefrau des Pastors von Knutby 1999 unter mysteriösen Umständen ums Leben kam. Die 27-Jährige Mutter dreier Kleinkinder wurde mit eingeschlagenem Schädel in der Badewanne gefunden. Unfall oder Mord? Eine spätere Obduktion ergab, dass die tote Ehefrau bereits vor dem vermeintlichen Sturz mit Arzneimitteln voll gepumpt war - ein Faktum, das der Pastor den Angehörigen „aus Rücksichtnahme“ verschwieg. Die Anklage konnte jedoch nicht mehr nachweisen, dass Fossmo wirklich beteiligt war. Staatsanwältin Elin Blank sieht das mögliche Motiv für die Morde an den Pastorenfrauen in der religiösen Begrenztheit der Freikirche: „Die Erklärung kann sein, dass man sich als Pastor und Seelenhirte in diesen Kreisen nicht scheiden lassen darf. Mord ist ein Ausweg, um die Frauen loszuwerden“, sagte sie.

Die seriöse schwedische Pfingstbewegung ist seit dem Vorfall gründlich erschüttert und distanziert sich heftig davon. Die Boulevardpresse dagegen enthüllte dankbar die sektenhaften Details der Gemeinde. Bald soll der Fall von Knutby verfilmt werden. Ein Würfelspiel existiert bereits: Dabei geht es um Sex in verschiedenen Partnerkombinationen und um SMS-Mitteilungen von Jesus.

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