Welt : Mordanklage im Fall Martin

Mitglied von Bürgerwehr muss nach Tod eines Teenagers in Florida vor Gericht.

Warten auf Gerechtigkeit. Die Eltern des getöteten Jugendlichen, Tracy Martin (2.v.li.) und Sybrina Fulton(3.v.li.), lauschen der TV-Ansprache der Staatsanwältin. Foto: Reuters
Warten auf Gerechtigkeit. Die Eltern des getöteten Jugendlichen, Tracy Martin (2.v.li.) und Sybrina Fulton(3.v.li.), lauschen der...Foto: REUTERS

Washington - Nach wochenlangen Protesten muss sich in den USA ein Mitglied einer Bürgerwehr wegen der Erschießung des 17-jährigen Afroamerikaners Trayvon Martin nun doch vor Gericht verantworten. Nach Angaben der Staatsanwältin Angela Corey wurde am Mittwochabend Anklage erhoben. Der 28-jährige George Zimmerman – ein Latino – müsse sich wegen Mordes mit bedingtem Vorsatz verantworten, kündigte die Sonderermittlerin der Staatsanwaltschaft Corey, am Mittwochabend in Jacksonville (Florida) an. Der Beschuldigte, der zunächst auf freien Fuß geblieben war, habe sich gestellt und befinde sich in Haft. Den genauen Aufenthaltsort des mutmaßlichen Täters nannte Corey mit Verweis auf dessen Sicherheit nicht. Im Falle einer Verurteilung droht ihm mit dieser Anklage laut Medienberichten lebenslange Haft.

Die Eltern des erschossenen Teenagers Trayvon Martin zeigten sich angesichts der Anklage erleichtert. „Wir wollten bloß eine Festnahme, nicht mehr und nicht weniger. Nun haben wir sie“, sagte Martins Mutter Sybrina auf einer bewegenden Pressekonferenz in Washington.

Zimmerman, Mitglied einer Bürgerwehr, gab selbst an, den 17-jährigen Trayvon Martin aus Notwehr erschossen zu haben. Er sei auf den Jungen gestoßen, als er in seiner Nachbarschaft in Sanford freiwillig auf Sicherheitspatrouille gewesen sei. Nach Medienberichten gab er nur einen Schuss auf den Teenager ab.

Der Fall hatte eine landesweite Welle der Empörung ausgelöst, vor allem, da von möglichen rassistischen Motiven die Rede war. Sogar Präsident Barack Obama hatte sich dazu geäußert. „Wenn ich einen Sohn hätte, dann würde er aussehen wie Trayvon“, hatte der Präsident unter anderem gesagt. Grund der Proteste war auch, dass die örtliche Polizei zunächst nicht gegen Zimmerman ermittelt hatte, weil sich dieser auf Notwehr berief. US-Medien hatten daraufhin von einem Verbrechen „Weiß gegen Schwarz“ gesprochen.

Der Beschuldigte sei in ein Gefängnis im US-Staat Florida gebracht worden, nachdem er sich den Behörden gestellt habe, sagte Corey. Am Donnerstagnachmittag erschien Zimmerman erstmals vor Gericht. Fernsehbilder zeigten einen angespannten Mann mit kurzgeschorenen Haaren. Der mutmaßliche Todesschütze will in einer mündlichen Verhandlung nächste Woche auf nicht schuldig plädieren, wie dessen neuer Verteidiger mitteilte. Zimmerman hatte seine bisherigen Anwälte ausgetauscht und wird nun von dem bekannten Strafrechtler Mark O’Hara vertreten.

Die Sonderermittlerin Corey betonte eindringlich, die Entscheidung zur Anklageerhebung mit dem Vorwurf des sogenannten „Second Degree Murder“ sei ihr nicht leicht gefallen. Es handele sich um einen „schwierigen Fall“. Doch dem Opfer müsse Gerechtigkeit widerfahren. Zugleich betonte sie aber: „Wir klagen nicht wegen öffentlichen Drucks oder wegen Eingaben an. Wir klagen auf der Grundlage von Fakten an.“ Zu einem möglichen Strafmaß wollte sich die Sonderermittlerin nicht äußern, auch nicht zum möglichen Prozesstermin.

Unterdessen heizt ein anderes mögliches Verbrechen aus Hass gegen Schwarze die Debatte über den Rassismus in den USA weiter an. Nach einer Mordserie an Schwarzen im US-Staat Oklahoma prüft die Polizei einen möglichen rassistischen Hintergrund. Den beiden weißen Tatverdächtigen werde zur Last gelegt, bei mehreren Attacken am Osterwochenende auf offener Straße in Tulsa drei Afroamerikaner erschossen und zwei verletzt zu haben. Sie hätten ihre Opfer vermutlich willkürlich ausgewählt. Die 19 und 32 Jahre alten Männer befänden sich in Untersuchungshaft, seien aber noch nicht formell angeklagt worden.

Noch sei es zu früh, um von einem Verbrechen aus Hass gegen Schwarze zu sprechen, hatte Polizeichef Chuck Jordan am Sonntag vor Journalisten gesagt. Eine „logische Theorie“ sei dies aber schon. Vermutungen über eine rassistisch motivierte Tat wurden durch einen Eintrag auf der Facebook-Seite des 19 Jahre alten Verdächtigen genährt. Dort soll er einen Tag vor den Taten geschrieben haben, dass sein Vater vor genau zwei Jahren von einem „fucking nigger“ erschossen worden sei. AFP/dadp

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