Morddrohung gegen Beamte : Polizei rammte entlaufenen Hund auf der Autobahn

Erst Schüsse im Dunkeln, dann wurde der Polizeiwagen zum Rammbock: In der Nacht zu Donnerstag hat die Polizei versucht, einen streunenden Hund von der Autobahn zu jagen. Tierschützer protestieren. Derweil tauchen im Internet erste Morddrohungen gegen die involvierten Polizisten auf.

Torben David
Ein Bild des verschwundenen Mischlings Bruce. Auf ihrer Website bittet der Verein um Unterstützung bei der Suche.
Ein Bild des verschwundenen Mischlings Bruce. Auf ihrer Website bittet der Verein um Unterstützung bei der Suche.Foto: Kanarenhunde e.V.

"Bruce", so der Name des Mischlinghundes, hatte bisher ein hartes Leben. Auf der Tötungsstation in Fuerte Ventura sollte er eingeschläfert werden, bis der Tierschutzverein Kanarenhunde e.V. aktiv wurde und den Hund am 22. Juni nach Deutschland holte. Eine Pflegefamilie für ihn war schnell gefunden, die Familie Kobold nahm sich seiner an. as Drama um Bruce hätte hier zu Ende sein können, aber es sollte anders kommen. Bei einem Spaziergang mit seiner neuen Familie am 10. Juli passierte das Unglück. Der Hund erschrak und riss sich los von der Leine. Jeder Versuch, ihn danach wiederzufinden, scheiterte, auch Polizei und Feuerwehr wurden sofort informiert, sagt Sandra Ehlers, Zweite Vorsitzende des Vereins Kanarenhunde.

Das Tierleben war weniger wichtig

Um 2.55 Uhr am 11. Juli ging schließlich der Notruf eines Lastwagenfahrers ein, der die Polizei in Arnsberg über einen streunenden Hund auf der A46 informierte. Nach Aussage von Polizeikommissar Ludger Rath wurde sofort ein Streifenwagen zur Autobahn an der Auffahrt Hüst geschickt, wo die Beamten Bruce tatsächlich vorfanden. Nachdem alle Versuche, ihn einzufangen oder zu verscheuchen scheiterten, entschlossen sich die Polizisten zum Einsatz ihrer Dienstwaffe - trotz Dunkelheit. Zwei Schüsse wurden abgefeuert, einer davon traf den Rüden wohl. Als das Tier selbst nach dem Treffer noch immer über die Autobahn streifte, griffen die Ordnungshüter zu drastischeren Maßnahmen. Sie stiegen ins Auto und versuchten, den Hund zu rammen und so endgültig zu verscheuchen. Rath verteidigte die Entscheidung der Beamten, Menschenleben seien in Gefahr gewesen. Ein Unfall aufgrund des Hundes auf der Fahrbahn war im Bereich des Möglichen. Einigen Medienberichten zufolge überfuhr die Polizei den Hund zwei Mal.

Dieser Darstellung widerspricht Kommissar Rath jedoch, das Tier sei nur angefahren worden und hätte die Autobahn daraufhin verlassen. Was danach mit Bruce geschah, ist nicht bekannt, die Suche am nächsten Tag blieb zunächst erfolglos. Besonders kritisiert der Verein Kanarenhunde nun, dass die Polizei die Pflegestation nicht informiert hatte, der Fall des entlaufenen Hundes war dort schließlich bereits bekannt. Frau Ehlers wies aber auch darauf hin, dass ihr Verein "Menschenhetzjagd" gegen die betroffenen Polizisten verurteile und stellte sich klar gegen Morddrohungen gegen die Polizisten. Entsprechende Drohungen waren nach dem ersten Medienecho des Falls im Internet aufgetaucht.

Der Vorfall ist nicht der einzige dieser Art in letzter Zeit. Gerade erst letzte Woche hatte der Fall eines von der amerikanischen Polizei erschossenen Rottweilers in Kalifornien für Aufregung gesorgt.

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