Morde in Duisburg : "Wo es Pizza gibt, ist auch die Mafia"

Mafiastandort Deutschland? Ein früherer Auftragskiller der kalabrischen 'Ndrangheta behauptet, die BRD sei das Lieblingsversteck der italienischen Verbrecherorganisation. Doch der sechsfache Mord in Duisburg sei "nicht normal".

Duisburg/KölnDas Ruhrgebiet ist nach Ansicht des früheren Mafioso Giorgio Basile eine Hochburg der kalabrischen Mafia. Zudem sei Deutschland ein Lieblingsversteck der 'Ndrangheta. "Die Deutschen müssen einfach verstehen: Wo es Pizza gibt, ist auch die Mafia zu Hause. Weil viele Restaurants mit deren Geld finanziert sind", sagte er dem Kölner "Express" in einem Interview, das er laut Zeitung an einem geheimen Ort gegeben hat. Der frühere Auftragskiller der 'Ndrangheta ist Kronzeuge der italienischen Polizei und soll zur Festnahme von rund 50 Mafiosi beigetragen haben.

Dass die 'Ndrangheta in Duisburg sechs Menschen getötet haben soll, sei für diese Organisation "nicht normal", sagte Basile. "Da muss irgendetwas schief gelaufen sein." Deutschland sei ein favorisiertes Versteck der kalabrischen Mafia. "Die haben hier alle Freunde, Verwandte. Und die schulden denen allen Gefallen." Seiner Meinung nach hat die Polizei kaum Chancen, die Täter der Duisburger Morde zu fassen. "Die sind bestimmt 20 Minuten später in Holland gewesen. Da kann man noch ohne Pässe in Hotels einchecken und erst mal abtauchen."

Ehemaliger Profikiller ist nun Kronzeuge und versteckt sich vor Mafia

Der 1960 in Corigliano in Kalabrien geborene Basile kam als Gastarbeitersohn nach Mülheim an der Ruhr und wuchs dort auf. Durch den Liebhaber seiner Mutter geriet er in Kontakt mit der Organisierten Kriminalität. Er wurde Profikiller der 'Ndrangheta und kontrollierte den Drogenhandel der Organisation. 1998 wurde er im Allgäu festgenommen und soll den Ermittlern 30 Morde gestanden haben. Als Kronzeuge der Polizei wurde er nur zu einer geringen Strafe verurteilt. Er hält sich nun selbst vor der Mafia versteckt.

Vor einem Monat sagte Basile - Spitzname "Engelsgesicht" - als Zeuge in einem Drogenprozess aus. Er wurde von einem unbekannten Ort in Italien aus per Videoübertragung in das Düsseldorfer Oberlandesgericht zugeschaltet und saß mit dem Rücken zur Kamera. (mit dpa)

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