Welt : Mordfall Julia: "Schmerz, Zorn und Nichtverstehen"

Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung ist am Mittwoch die ermordete achtjährige Julia aus dem hessischen Bibertal beigesetzt worden. Etwa 400 Personen nahmen an der Trauerfeier und der Beisetzung des Mädchens teil, dessen Leiche, die der Täter verbrannt hatte, vor einer Woche in einem Wald gefunden worden war.

Pfarrer Günter Schäfer beschrieb in seiner Ansprache die tiefe Trauer, die die Eltern, die Angehörigen und die gesamte Gemeinde ergriffen habe: "Wir alle sind jetzt wie gelähmt, auch in unserer Hilflosigkeit. In unserem Schmerz, unserem Zorn und Nichtverstehen." "Niemand kann sagen, wozu das gut sein sollte, sie fehlt uns so sehr." Pfarrer Schäfer sagte weiter, das Geschehene könne niemand verstehen. Dennoch dürfe man sich nicht vom Zorn beherrschen lassen. Er sprach den Trauergästen Mut zu: "Nicht die Angst, nicht der Hass soll weitergehen, sondern das Leben."

Das hätte Julia sicher auch gewollt. Denn sie sei ein fröhliches Kind gewesen, das gerne gespielt habe. Die Erinnerung an sie werde weiterleben. Nach der Trauerfeier begleiteten die Trauergäste den Sarg des Mädchens zum mit Blumenkränzen umgebenen Grab auf dem Friedhof im Biebertaler Stadtteil Rodheim.

Ansprachen am Grab gab es auf Wunsch der Eltern nicht.

Julia war am 29. Juni von einem Spielplatz in Rodheim-Bieber verschwunden. Fünf Tage später war die Leiche in einem brennenden Holzstapel bei Niddatal rund 50 Kilometer von ihrem Wohnort entfernt gefunden worden.

Nicht alle Trauergäste fanden in der Friedhofskapelle in Julias Heimatort Rodheim-Bieber Platz. Viele, die gekommen waren, verfolgten die Trauerfeier, an der auch Hessens Innenminister Volker Bouffier (CDU) teilnahm, über Lautsprecher auf dem Vorhof der Kapelle.

Auch die vielen Kränze und Blumengebinde zeugten von der großen Anteilnahme der Bevölkerung in der Region. Wegen des Mordes wurde die für das Wochenende geplante Kirmes im Ort abgesagt.

Ob Julia sexuell missbraucht wurde, bevor sie ermordet wurde, konnte nach Angaben der Staatsanwaltschaft Gießen auf Grund der starken Verbrennungen der Leiche bislang nicht geklärt werden. Auch bei der Suche nach dem Täter ist die Polizei nach Angaben eines Sprechers noch keinen entscheidenden Schritt weiter gekommen.

Bislang seien rund 1000 Hinweise aus der Bevölkerung eingegangen, die überprüft würden, sagte Polizeisprecher Kurt Maier.

"Wir bemühen uns speziell um das Auffinden eines dunklen Pkw-Kombis, der am Tag von Julias Auffinden in der Nähe des Tatorts gesehen wurde."

Die Sonderkommission Julia wurde nach seinen Angaben inzwischen um sechs Beamte des hessischen Landeskriminalamtes auf insgesamt 31 Beamte aufgestockt.

Für Hinweise, die zur Aufklärung des Verbrechens führen, wurde eine Belohnung von insgesamt 50 000 Mark ausgesetzt.

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