Welt : Mordfall Julia: Was ist eine DNS-Analyse?

Für eine Genanalyse zur Identifizierung von Leichen oder Überführung von Straftätern sind lediglich winzige Zellen Körpergewebe oder -flüssigkeit und Vergleichsmaterial nötig. Im Zellkern befindet sich mit der Desoxyribonuklein-Säure (DNS) die gesamte Erbinformation des Menschen. Die Anordnung der DNS-Moleküle ist bei jedem Individuum mit Ausnahme eineiiger Zwillinge einzigartig. Die Wahrscheinlichkeit, dass zwei Menschen das gleiche DNS-Profil haben, liegt bei eins zu mehreren Milliarden.

Eine solche Analyse, auch genetischer Fingerabdruck genannt, ist eine der modernsten und treffsichersten Waffen von Polizei und Rechtsmedizin. Vor allem bei der Aufklärung von Tötungs- und Sexualdelikten wird die so genannte forensische Molekulargenetik für die Analyse eingesetzt. Die Erbinformationen können etwa aus Blut, Sperma, Haaren oder Speichel gewonnen werden. Auch in verbrannten Körpern wie im Fall der achtjährigen Julia aus dem hessischen Biebertal sind intakte Zellen, die entnommen werden können. Als Vergleichsmaterial kann zum Beispiel ein Haar mit Wurzel aus einer Haarbürste herangezogen werden. Zu Beginn dieser Woche wurde im bayerischen Deggendorf mit einem Speicheltest ein Täter in einem Mordfall überführt, der fast 15 Jahre zurücklag.

Bei der Erstellung des genetischen Fingerabdrucks wird ein DNS-Abschnitt im Reagenzglas kopiert und auf einer Gelschicht einem elektrischen Feld ausgesetzt. Dabei entsteht ein Muster, das je nach Abschnitt bei jedem vierten Menschen oder jedem zehnten Menschen vorkommt. Je mehr man solche Abschnitte der Biologe nun vergleicht, desto seltener wird die Übereinstimmung: Das Muster wird so individuell wie ein Fingerabdruck. In der Regel genügt die Analyse von drei oder vier Gen-Stellen. Das daraus erstellte Muster kommt bei 100 000 Menschen einmal vor. Bei etwa der Hälfte aller Tötungs- und Sexualdelikte werden nach Darstellung der Deutschen Gesellschaft für Rechtsmedizin Spuren mit Erbinformationen gefunden. Die Analyse ist zeitaufwendig, da die DNS-Reste erst vervielfältigt werden müssen, ehe sie analysiert und mit anderen Proben verglichen werden können.

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